Thorsten Haas ist Chefscout beim Bundesligisten FC Hansa Rostock und sozusagen die rechte Hand von Trainer Frank Pagelsdorf und die linke von Lizenzchef Herbert Maronn. Haas beobachtet Spiele und Spieler für Hansa und leitet seine Analysen dann an Trainer und Manager weiter.
Haas und Pagelsdorf kennen sich aus gemeinsamen Zeiten beim VfL Osnabrück und
aus Dubai, wo sie den arabischen Club Al Nasr trainierten. Seit August arbeiten
sie bei Rostock zusammen. Im Interview erzählt der 40-jährige Diplom-Pädagoge
Haas von seiner Arbeit.
Frage: Herr Haas, was haben Sie bei Hansa in Ihrem neuen Job vorgefunden?
Thorsten Haas: Eine Menge DVDs und viel interessantes Material. Der
Verein hatte ja mit dem ehemaligen Hansa-Spieler und Trainer Jürgen Heinsch
schon einen Scout vor mir. Manager Herbert Maronn und die jeweiligen Trainer
profitierten schon von ihm. Ich werde das alles aktualisieren, ausbauen.
Natürlich erfinden wir das Rad nicht neu. Trainer und Manager haben ihre
Kontaktleute, ich denke da an die Drähte nach Schweden und Dänemark. In meinem
Büro liegen fünf Aktenordner, in denen wir Spieler nach unseren Vorstellungen
und nach aktuellen Ereignissen gelistet haben. Zu jedem Spieler haben wir Daten
über sportliche und Persönlichkeitsentwicklungen sowie DVDs, an Hand derer wir
uns ein Bild über die Spieler machen können. Persönlich führe ich außerdem noch
in meinem Laptop "Buch". Dazu googelt man auch viel, um Daten und Fakten von
Anbietern zu kontrollieren.
Frage: Wie sieht eine normale Arbeitswoche von Ihnen jaus?
Thorsten Haas: Montags schreibe ich die Analysen von den drei Spielen,
die ich am Wochenende gesehen habe. Dienstag und Mittwoch arbeitete ich die
Büroarbeit auf, schaue Videos, kontaktiere unsere Beobachter und stelle
Nachforschungen zu Informationen von Trainer und Manager an. Dienstags oder
mittwochs trifft sich die Scouting-Abteilung, um Arbeitsvorgänge zu besprechen.
Da werden auch die Wochenend-Spiele eingeteilt. Fakt ist, jede
Bundesliga-Mannschaft wird vor einem Spieltag beobachtet. Sicherlich gibt es
heute in der Bundesliga keine Geheimnisse mehr. Auch Frank Pagelsdorf kennt
diese Liga wie seine Westentasche. Aber die Detail-Arbeit, die Nuancen sind
manchmal entscheidend. Oft sind es am Saisonanfang auch die neuen Spieler der
Konkurrenz, die wir unter die Lupe nehmen, ihre Stärken oder Schwächen
analysieren. Freitag, Sonnabend und Sonntag versuche ich dann, mit den Kollegen
so viele Spiele wie möglich zu sehen. Mein Pech ist dabei, unsere eigene
Mannschaft in der Regel gar nicht sehen zu können, jedenfalls nicht im Stadion.
Frage: Nach welchen Kriterien bewerten Sie Spieler und Spiele?
Thorsten Haas: Für jede Position haben wir ein Anforderungsprofil. Da
gibt es zwischen sechs und zwölf Punkte. Danach bewerten wir dann die Spieler.
Bei den gesichteten Spielern ist es wie bei einem Trichter, die besten Spieler
kommen unten raus. Bei den Spielen sind wir dann ebenfalls sehr detailliert.
Eine Analyse für Frank Pagelsdorf umfasst mehrere Seiten.
Frage: Ist die Scouting-Abteilung des FC Hansa eigentlich mit der anderer
Bundesligisten zu vergleichen?
Thorsten Haas: Viele meiner Kollegen wie Michael Schröder beim HSV und
Bernd Dremmler bei Bayern München haben bis zu sechs hauptamtliche Scouts und
bis zu 20 Honorarkräfte. Bayer Leverkusen hat seit fast 20 Jahren allein zwei
Scouts in Brasilien. Aber man muss immer sehen, was machbar ist. Wir dürfen uns
keine Fehler leisten und brauchen auch keine unbezahlbaren Leute zu beobachten.
Wir müssen Talente dann erkennen, wenn sie die Öffentlichkeit noch nicht
entdeckt hat. Ich denke, dass wir bei Hansa auf dem richtigen Weg sind, auch in
diesem Bereich Schritt für Schritt weiter zu kommen.
Quelle: Webseite von Hansa Rostock
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