Die bisherigen Auftritte des DBB-Teams bei der EM in Spanien sind noch durchwachsen. Grund: Hinter Nowitzki klafft eine große Lücke. Beim nächsten Spiel gegen Slowenien muss das Team von Coach Dirk Bauermann beweisen, dass neben Nowitzki auch andere Spieler Verantwortung tragen können.
"Elf Handballer und Nowitzki". Für diese böswillige Beschreibung des
späteren Silbermedaillengewinners Deutschland wurden die Slowenen, am
Montagabend in Madrid zweiter Gegner in der Zwischenrunde der
Basketball-Europameisterschaft, vor zwei Jahren in Belgrad bitter bestraft.
Und zwar von zwei "Zwergen" wie Pascal Roller (1,80 Meter) und Mithat Demirel
(1,82), die neben dem späteren MVP und Korbschützenkönig Nowitzki die
Triebfedern beim 76:62- Viertelfinalsieg gegen die auch damals unbesiegten
Slowenen waren.
Hinter Nowitzki klafft große Lücke
Den respektlosen Vergleich mit den Handballern kann man vergessen. Doch der
Eindruck, dass die deutsche Nationalmannschaft in Spanien im Wesentlichen fast
nur durch den überragenden NBA-Superstar von den Dallas Mavericks verkörpert
wird, ist nicht völlig von der Hand zu weisen. Mit durchschnittlich 29 Punkten
pro Partie ist er schon wieder wie 2001 und 2005 auf dem besten Weg zum
EM-Korbschützenkönig. Doch hinter ihm klafft eine große Lücke.
Trotz seiner großen individuellen Fähigkeiten, die ihn zu einem der besten
Basketballer der Welt machten, empfindet sich der 29- jährige Würzburger immer
als Teamplayer, der sein Ego hinten anstellt. "Basketball ist ein
Mannschaftssport und einer allein kann kein Spiel gewinnen", sagt Deutschlands
bester Korbjäger aller Zeiten geradezu gebetsmühlenartig. "Nur wenn wir als
Mannschaft auftreten, können wir etwas erreichen." Auch in Spanien hat
Bundestrainer Dirk Bauermann die schwierige Aufgabe, "die Balance zwischen
Superstar und Mannschaftsspiel hin zu bekommen", was ihm vor zwei Jahren in
Serbien glänzend gelang.
Chemie in der Mannschaft stimmt
"Die Chemie stimmt in der Mannschaft, die das aber auch auf dem Spielfeld
zeigen muss. Dirk darf sich nicht so sehr unter Druck setzen, dass er das Team
allein tragen muss. Er muss mehr delegieren und die Mannschaft muss ihm diese
Last von den Schultern nehmen", meinte der Coach. Mit einem auch ständig im
Rampenlicht der Medien stehenden Star zurecht zu kommen, fällt indessen
manchem Mitspieler schwer. "Natürlich verdanken wir Dirk fast alles. Es ist
etwas Besonderes, mit ihm zusammen zu spielen, aber auch eine große
Umstellung", sagte der Bamberger Spielmacher Steffen Hamann.
Nowitzkis Präsenz führt zu Verunsicherung
Bauermann hat das Problem erkannt, dass die dominierende Figur das Ensemble
gleichermaßen beflügelt und lähmt. "Es ist extrem schwer für die Mannschaft,
mit einem solchen Ausnahme-Basketballer zu spielen. Sie fragen sich immer,
soll ich ihm den Ball geben und verfallen so in Selbstzweifel. Das führt zu
Verunsicherung und Druck", meinte der 49-jährige Coach. "Durch zögerliches
Verhalten berauben sie sich in Sekundenbruchteilen ihrer eigenen Stärken. Sie
müssen nicht immer Nowitzki suchen, sondern ihn entlasten, Verantwortung
übernehmen und sich selbst etwas zutrauen", so Bauermann.
Auch Nowitzkis Mentor, Manager und Individualtrainer Holger Geschwindner
fordert: "Von den anderen muss einfach mehr kommen, sonst wird das nichts."
Der Neu-Bamberger Ademola Okulaja, neben Nowitzki der konstanteste und
kämpferischste deutsche Spieler bei diesem EM-Turnier, sieht das genauso:
"Wenn wir ihm alle helfen, können wir enorm viel von ihm zurückbekommen.
Quelle: Eurosport
|