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Basketball: Eurobasket 2007 - Klaffende Lücke hinter Nowitzki | 2007-09-11


Die bisherigen Auftritte des DBB-Teams bei der EM in Spanien sind noch durchwachsen. Grund: Hinter Nowitzki klafft eine große Lücke. Beim nächsten Spiel gegen Slowenien muss das Team von Coach Dirk Bauermann beweisen, dass neben Nowitzki auch andere Spieler Verantwortung tragen können.

"Elf Handballer und Nowitzki". Für diese böswillige Beschreibung des späteren Silbermedaillengewinners Deutschland wurden die Slowenen, am Montagabend in Madrid zweiter Gegner in der Zwischenrunde der Basketball-Europameisterschaft, vor zwei Jahren in Belgrad bitter bestraft. Und zwar von zwei "Zwergen" wie Pascal Roller (1,80 Meter) und Mithat Demirel (1,82), die neben dem späteren MVP und Korbschützenkönig Nowitzki die Triebfedern beim 76:62- Viertelfinalsieg gegen die auch damals unbesiegten Slowenen waren.

Hinter Nowitzki klafft große Lücke

Den respektlosen Vergleich mit den Handballern kann man vergessen. Doch der Eindruck, dass die deutsche Nationalmannschaft in Spanien im Wesentlichen fast nur durch den überragenden NBA-Superstar von den Dallas Mavericks verkörpert wird, ist nicht völlig von der Hand zu weisen. Mit durchschnittlich 29 Punkten pro Partie ist er schon wieder wie 2001 und 2005 auf dem besten Weg zum EM-Korbschützenkönig. Doch hinter ihm klafft eine große Lücke.

Trotz seiner großen individuellen Fähigkeiten, die ihn zu einem der besten Basketballer der Welt machten, empfindet sich der 29- jährige Würzburger immer als Teamplayer, der sein Ego hinten anstellt. "Basketball ist ein Mannschaftssport und einer allein kann kein Spiel gewinnen", sagt Deutschlands bester Korbjäger aller Zeiten geradezu gebetsmühlenartig. "Nur wenn wir als Mannschaft auftreten, können wir etwas erreichen." Auch in Spanien hat Bundestrainer Dirk Bauermann die schwierige Aufgabe, "die Balance zwischen Superstar und Mannschaftsspiel hin zu bekommen", was ihm vor zwei Jahren in Serbien glänzend gelang.

Chemie in der Mannschaft stimmt

"Die Chemie stimmt in der Mannschaft, die das aber auch auf dem Spielfeld zeigen muss. Dirk darf sich nicht so sehr unter Druck setzen, dass er das Team allein tragen muss. Er muss mehr delegieren und die Mannschaft muss ihm diese Last von den Schultern nehmen", meinte der Coach. Mit einem auch ständig im Rampenlicht der Medien stehenden Star zurecht zu kommen, fällt indessen manchem Mitspieler schwer. "Natürlich verdanken wir Dirk fast alles. Es ist etwas Besonderes, mit ihm zusammen zu spielen, aber auch eine große Umstellung", sagte der Bamberger Spielmacher Steffen Hamann.

Nowitzkis Präsenz führt zu Verunsicherung

Bauermann hat das Problem erkannt, dass die dominierende Figur das Ensemble gleichermaßen beflügelt und lähmt. "Es ist extrem schwer für die Mannschaft, mit einem solchen Ausnahme-Basketballer zu spielen. Sie fragen sich immer, soll ich ihm den Ball geben und verfallen so in Selbstzweifel. Das führt zu Verunsicherung und Druck", meinte der 49-jährige Coach. "Durch zögerliches Verhalten berauben sie sich in Sekundenbruchteilen ihrer eigenen Stärken. Sie müssen nicht immer Nowitzki suchen, sondern ihn entlasten, Verantwortung übernehmen und sich selbst etwas zutrauen", so Bauermann.

Auch Nowitzkis Mentor, Manager und Individualtrainer Holger Geschwindner fordert: "Von den anderen muss einfach mehr kommen, sonst wird das nichts." Der Neu-Bamberger Ademola Okulaja, neben Nowitzki der konstanteste und kämpferischste deutsche Spieler bei diesem EM-Turnier, sieht das genauso: "Wenn wir ihm alle helfen, können wir enorm viel von ihm zurückbekommen.



Quelle: Eurosport