Das Renault-Team erklärt Ihnen, worauf es beim Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps in Bezug auf die Technik ankommt
Spa-Francorchamps stellt im gesamten Formel-1-Kalender die umfangreichste
Herausforderung für die Technik der Monoposti dar. Die Strecke weist
320-km/h-Geraden ebenso auf wie Haarnadel-Kurven, die mit maximal 70 km/h
durchfahren werden, oder Ecken, die im sechsten Gang voll genommen werden.
Über allem steht dabei natürlich die legendäre Passage 'Eau Rouge'. Auch wenn
diese Kurve ebenso wie der extrem schnelle Linksknick 'Blanchimont' keine so
große Herausforderung mehr sind wie einst, stellen sie und Abschnitte wie
'Pouhon' unverändert hohe Ansprüche an das fahrerische Können.
Hinzu kommen die traditionell unvorhersehbaren Wetterbedingungen. Die können
durchaus dazu führen, dass über einem Teil der 7,4 Kilometer langen Strecke
Regenfälle niedergehen, während es in anderen Abschnitten knochentrocken bleibt.
Chassis
Das Chassis wird in Spa-Francorchamps besonders beansprucht. Die Fahrer
erzielen hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten, die aerodynamischen Lasten sind
lang und anhaltend. Auch in puncto Handling werden die Monoposti bis ans Limit
getrieben.
Der Kurs in Spa weist mehrere Hochgeschwindigkeitskurven aus, sogenannte
"aerodynamische Kurven". Lediglich Turn 6 und Turn 19 werden mit weniger als 150
km/h durchfahren. Unter normalen Umständen würden die Teams daher mit
verhältnismäßig hohen Abtriebswerten fahren, um den Grip in den schnellen Ecken
zu maximieren. So wie es beispielsweise in Silverstone der Fall ist.
Spa-Francorchamps verlangt allerdings aufgrund seiner beiden sehr langen
Geraden nach einer anderen Herangehensweise. Auf ihnen kommt es auf eine gute
Höchstgeschwindigkeit an, damit ein Fahrer seine Position verteidigen
beziehungsweise einen Kontrahenten angreifen kann.
In der Konsequenz bedeutet dies, dass die Teams mit vergleichbaren
Downforce-Levels fahren wie bei den Läufen in Indianapolis und Montréal und
somit am Ende der Geraden voraussichtlich rund 320 km/h erreichen werden
(verglichen mit 340 km/h in der Saison 2005 mit V10-Motoren). Der Schlüssel zum
Erfolg liegt daher in einer guten aerodynamischen Effizienz, bei der maximaler
Abtrieb bei minimalem Luftwiderstand erzielt wird.
In puncto Fahrwerk tendieren die Teams zu einer eher straffen Abstimmung, um
eine hohe aerodynamische Performance in den Highspeed-Passagen und gute
Richtungswechsel in den schnellen Schikanen zu ermöglichen. Gleichzeitig ist es
allerdings auch eine gute Beschleunigung aus der Schikane vor Start und Ziel
sowie der 'La Source'-Haarnadel wichtig.
Wer hier nicht gut aus den Ecken kommt, begibt sich in Gefahr beim Anbremsen
der nächsten Kurve überholt zu werden. Auch für die Reifen stellt Spa eine
besondere Herausforderung dar. Kaum verwunderlich, dass Bridgestone seinen
Partnern die beiden härtesten Mischungen aus dem Sortiment anbietet.
Die Bodenfreiheit wird maßgeblich von der Kompression in der legendären "Eau
Rouge" diktiert. Vom Beginn der Kurve in der Senke bis zur Ausfahrt am Ende des
Anstiegs kann sich die Bodenfreiheit des Wagens um bis zu 25 Millimeter
verändern. Wenn der Unterboden zu stark aufsetzt, kann es passieren, dass der
Fahrer die Kontrolle verliert.
Mit den neuen V8-Motoren und den geltenden Aerodynamik-Bestimmungen können
die Fahrer die 'Eau Rouge' inzwischen voll mit rund 300 km/h nehmen. Bis zum
Kurvenausgang sinkt die Geschwindigkeit auf rund 209 km/h. Wichtig ist, soviel
Schwung wie möglich auf die folgende lange Gerade mitzunehmen, um bei der
Anfahrt auf 'Les Combes' seine Position halten oder sogar angreifen zu können.
Das Bremssystem ist fast die einzige Komponente am Auto, die nicht übermäßig
gefordert wird. Die Strecke weist lediglich drei starke Bremszonen aus, vor den
Turns 1, 5 und 18. Aufgrund der hohen Anzahl an Hochgeschwindigkeitskurven
werden die Bremsen aber insgesamt so wenig beansprucht wie auf keiner anderen
Strecke im Kalender.
Motor
Gemeinsam mit Monza handelt es sich bei Spa-Francorchamps um die
anspruchsvollste Motoren-Strecke. Die neue Generation der V8-Triebwerke gibt am
kommenden Wochenende ihr Debüt auf der Ardennen-Achterbahn. Die gemeinsamen
Testfahrten im Juli waren daher für alle Teams äußerst wertvoll.
Die Aggregate werden in Spa überdurchschnittlich beansprucht. 73 Prozent
einer Runde arbeiten sie unter Volllast (lediglich Monza mit 77 Prozent weist
einen höheren Anteil auf). Darüber hinaus laufen die Triebwerke in Spa gleich
zwei Mal für mehr als 20 Sekunden mit voll geöffneten Drosselklappen.
Vor allem die rund 23 Sekunden dauernde Passage von 'La Source' bis 'Les
Combes' setzt die Motoren und ihre Nebenaggregate mit der Senke und dem Anstieg
durch 'Eau Rouge' hohen Fliehkräften aus. Vor diesem Hintergrund schenken die
Ingenieure dem Ölkreislauf besondere Aufmerksamkeit, der auch unter diesen
extremen Lasten eine optimale Schmierung gewährleisten muss.
Mit knapp 7,4 Kilometer ist Spa der längste Kurs im Kalender, gleichzeitig
wirkt sich jedes durch Treibstoff verursachte Mehrgewicht besonders stark auf
die Rundenzeit aus. Vor dem Hintergrund der geltenden Qualifying-Regeln kann
sich ein niedriger Benzinverbrauch daher als großer Vorteil erweisen.
Quelle: motorsport-total.com
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