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Eishockey: Wie ich es sehe - Die Hockeyweb Kolumne von Werner Nieleck | 2007-09-12


Na, lieber Leser? Geht es Ihnen genauso wir mir? Hat Sie auch das erste Wochenende umgehauen, was Überraschungen und sogar Sensationen anbelangte?

Womit soll man anfangen, womit aufhören? Das 9:10 der Iserlohn Roosters gegen die fränkischen Fabeltiere (oder haben Sie schon mal einen Eistiger gesehen?) aus Nürnberg bedeutete sogar Torrekord in Deutschlands Vorzeigeliga. Der mit großen Vorschusslorbeeren bedachte Rooster-Keeper Norm Maracle hatte bereits nach dem 0:3 die Faxen satt und nahm auf der Bank Platz. „So etwas habe ich noch nicht gesehen“, war Hauptschiedsrichter Daniel Piechaczek noch Stunden nach dem Match völlig hin und weg.

Sein engagierter Linesman Robert Schelewski mit einem breiten Grinsen im Hinblick auf die Länge des Matches wegen der ständigen Unterbrechnungen: „Schade nur, dass wir keine Überstunden bezahlt bekommen.“ Es war ohnehin ein Tigerwochenende, denn die „richtigen“ Raubkatzen aus dem niederbayerischen Straubing machten es ihren Fabel-Artgenossen nach und ergatterten das Punkte-Optimum aus den beiden ersten Spielen, wobei beide Male die Iserlohner die Gegner waren. Die „Kampfhähne“ werden wohl in nächster Zeit auf Misthaufen oder sonstwohin flüchten und nur ganz leise krähen, wenn das Wort „Tiger“ fällt.

Was halten Sie von der (noch nicht aussagefähigen) Tabelle? Da zieren die Adler Mannheim doch tatsächlich das Ende der aktuellen Hitliste. Am nächsten Freitag kommt es daher zum Kellerduell Hamburg gegen Mannheim, einfach unglaublich! Wie sagte noch vorige Woche DEG-Manager Lance Nethery, der von Tabellen in der Anfangsphase überhaupt nichts hält? „Hoffentlich sind wir am Freitagabend nicht Letzter, denn gegen Mannheim kann man schließlich verlieren.“ Neuling Wolfsburg zeigte seinen Januskopf. In Krefeld wagten sich die Niedersachsen vor lauter Ehrfurcht vor der neuen Umgebung kaum über die eigene „Blaue“; zwei Tage später jedoch wachten die Grizzlys endlich aus ihrem Sommerschlaf auf, zeigten die Zähne und bissen sich gegen die Haie von 0:3 auf 4:3.

Das Schönste: einige Partien hatten bereits ein erstaunlich hohes Niveau. Jedermann schwärmte von der Partie der Düsseldorfer gegen Mannheim. Großes Lob gab es auch für die Kölner, die beim Auftaktmatch gegen Hamburg Eishockeykunst vom feinsten zelebrierten. Auf der anderen Seite enttäuschten die Ingolstädter, die in Duisburg recht pomadig auftraten. Gegen Außenseiter wie Augsburg und Duisburg nur zwei Punkte, das ist recht wenig. Dass Hamburg wiederum in den Seilen hängt, ist schon bedenklich. Ob die Anschutz-Leute nach wie vor zum nichtspielenden Personal einschließlich Manager Borko Capla auch in Zukunft stehen? Immerhin hieß der herausragende Spieler des Wochenendes Ahren Spylo, der in der Vorsaison noch den Freezer-Dress trug. Unter dem Strich: Das erste Wochenende hat Lust auf mehr gemacht, keine Frage!

Bei all den positiven Begleiterscheinungen fällt daher nur am Rande ins Gewicht, dass der DEL-Live-Ticker seinem Namen nicht gerecht wurde (Interessenten drangen kaum durch, und die Aktualisierungen ließen zu wünschen übrig), der DEB nicht in der Lage ist, die Spielpläne der Junioren-, Jugend- und Schüler-Bundesliga (Gruppe Nord) auf seine Internetseite zu bringen, obgleich seit mehr als zwei Wochen schon gespielt wird, der Stadionsprecher in Duisburg weiterhin die Namen der Gäste ins Mikrofon murmelt und ein Verstehen, besonders auf der Pressetribüne, nach wie vor unmöglich macht. Dringende Appelle Richtung Pressesprecher werden stets freundlich aufgenommen, bezwecken aber augenscheinlich das Gegenteil.

Und noch eines: Mein langjähriger Freund Viktor Knoll, der  a l l e  Weltmeisterschaften seit 1977 erlebte (wer kann das schon von sich behaupten?) und auch bei einigen Olympischen Winterspielen präsent war, ist in diesem Sommer gestorben. Nicht wenige Fans und Freunde werden ihm ein Andenken bewahren.



Quelle: hockeyweb.de