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Handball: "Meine Zukunft liegt in Nordhorn" - Jan Filip im Gespräch | 2007-09-12


Seit 2000 spielt Gegenstoß- und Siebenmeterspezialist Jan Filip für die HSG Nordhorn. Dass Filip Jahr für Jahr unter den Toptorschützen der Liga zu finden ist, daran hat man sich bereits gewöhnt.

Der mittlerweile 34-Jährige Tscheche kann auch in dieser Spielzeit mit dem Start seiner HSG zufrieden sein. Aber: „Wir haben noch schwere Spiele vor uns“, warnt Filip vor den anstehenden Aufgaben in Wetzlar und gegen Melsungen. „Danach wissen wir ob es ein guter Start war“, meint der Rechtsaußen, der auch seine Zukunft bei der HSG Nordhorn sieht.

Dukla Prag, von 1997 bis 2000 HSV Düsseldorf, 2000 dann Pallamano Conversano und danach Nordhorn – das waren die Stationen in der Handball-Karriere von Jan Filip. Recht wenige Stationen für einen Handball-Profi, was allerdings bei genauerem Hinschauen gar nicht überraschend ist. Familienmensch (verheiratet mit Hanka, Sohn Honzik, Tochter Anetka) Filip mag die Konstanz, was sich auch daran zeigt, dass er bereits in Düsseldorf mit Ola Lindgren zusammengearbeitet hat, dem Trainer, der nun auch in Nordhorn für Filips Team verantwortlich ist.

Mit der HSG Nordhorn absolvierte Filip eine starke Saison 2006/07 und auch in diesem Jahr scheint die HSG wieder gut aus den Startlöchern zu kommen. Im Gespräch mit handball-world.com spricht Jan Filip über den Rundenauftakt, die Entwicklung bei der HSG und seine persönliche Zukunft.

Die ersten beiden Spiele konnte Nordhorn gewinnen. Beim letzten Spiel gegen Göppingen stand es dann aber auf einmal 3:11 – was war denn da los?

Filip:
Wir haben eigentlich gut angefangen, haben dann aber viele freie Bälle verworfen. Außerdem hat Göppingens Torwart Martin Galia stark gehalten und Göppingen hat das zu vielen Gegenstößen genutzt. Und wir hatten zu viele unvorbereitete Würfe aus dem Rückraum.

Also stellt sich wieder einmal die leidige Frage nach dem gewonnenen oder verlorenen Punkt.

Filip:
Wenn wir uns den ganzen Spielverlauf anschauen, dann müssen wir mit dem Unentschieden zufrieden sein. Wir waren zwar am Schluss mal zwei Tore vorn und hatten die Möglichkeit zu gewinnen, aber über das ganze Spiel gesehen war die Punkteteilung gerecht. Wir hatten uns natürlich vor dem Spiel vorgenommen, es zu gewinnen, aber das klappt nicht immer so.

Nach drei Spielen steht Nordhorn wieder in der Spitzengruppe der Liga. Saisonstart geglückt?

Filip:
Erwarten konnte man das sicher nicht. Die Bundesliga ist die stärkste der Welt – die Ergebnisse am Wochenende haben gezeigt, dass hier jeder jeden schlagen kann. Wir haben jetzt zwei schwere Spiele in drei Tagen, danach können wie eher absehen wo wir stehen und dann können wir auch sagen ob der Start geglückt ist oder nicht. Natürlich wünscht man sich einen guten Start. Ich denke auch, dass wir bisher zufrieden sein können, allerdings wären 6:0 Punkte natürlich besser als 5:1.

Es hat mittlerweile Tradition, dass immer wieder Spieler nach Nordhorn kommen und sich dort in den Fokus der Branchenriesen spielen. Nach dem Abgang von Mittelmann Börge Lund zum THW Kiel steht nun Peter Kukucka im Blickpunkt.

Filip:
Ja, seine Entwicklung ist sehr gut, er ist ein Spieler mit einem Riesenpotential. Allerdings ist unser System ist neu für ihn, das braucht noch etwas Zeit. Aber er wird seinen Weg machen. Börge hatte es etwas leichter, er kannte unser System. Wir spielen ein skandinavisches System, das ist kein Geheimnis.

Trainer Ola Lindgren scheint ein gutes Händchen für Spieler zu haben.

Filip:
Ola gibt den Spielern viel Raum zur Entwicklung und macht nicht so einen Riesendruck auf die Spieler. Ich denke, dass es kein Zufall ist, wenn so viele Spieler von uns zu Top-Clubs weggehen. Lieber wäre mir natürlich, wenn sie bei uns bleiben würden, aber so weit sind wir noch nicht. Da fehlen uns die finanziellen Mittel.

Warum ist denn ein Jan Filip so lange der HSG treu geblieben?

Filip:
Ich komme mit dem System in Nordhorn sehr gut klar, das passt mir gut. Und dann habe ich halt immer wieder meinen Vertrag verlängert – und jetzt bin ich 34. Hier passt auch drum herum alles sehr gut für mich. Außerdem sehe ich in Nordhorn meine Zukunft nach der Spielerkarriere. Ich werde hier eine Aufgabe im Management aufnehmen.

Also Schreibtisch und nicht Sporthalle?

Filip:
Nein, einen Trainer Jan Filip wird es nicht geben.

Sie sind über den Umweg zweite Liga und Italien in die Bundesliga gekommen. War die Zielsetzung Profi-Handballer zu werden schon immer präsent?

Filip:
Ich habe angefangen mit Tennis, habe auch Fußball gespielt und habe mich dann für Handball entschieden. Mit 18, 19 wusste ich schon sehr genau, was ich wollte. Aber damals war es viel schwerer als heute. Damals gab es noch eine Ausländerbeschränkung in der Bundesliga und die wenigen Plätze für Ausländer waren meistens von Rückraumspielern oder Kreisläufern besetzt. Damals gab es richtig viele Nationalspieler in den zweiten Ligen. Jetzt ist es nicht mehr so schwer, da die Beschränkung weggefallen ist.

Sie sind ein Muster an Zuverlässigkeit und auch selten verletzt. Gibt es ein Geheimnis dafür?

Filip:
Nein, kein Geheimnis. Ich habe einfach viel Glück gehabt, da muss ich auch gleich mal auf Holz klopfen. Ein Grund kann sein, dass ich als Außen weniger Kontakt habe als ein Kreisspieler oder ein Rückraumspieler. Da ist das Verletzungsrisiko geringer.

Eine letzte Frage: Sie sind in der Liga unter dem Spitznamen „Honza“ bekannt. Was hat es damit auf sich?

Filip:
Eigentlich nichts Besonderes. Jemand mit dem Namen „Jan“ wird in Tschechien immer „Honza“ genannt. „Jan“ dagegen ist so offiziell, deshalb hat sich das so ergeben.



Quelle: handball-world.com