Seit 2000 spielt Gegenstoß- und Siebenmeterspezialist Jan Filip für die HSG Nordhorn. Dass Filip Jahr für Jahr unter den Toptorschützen der Liga zu finden ist, daran hat man sich bereits gewöhnt.
Der mittlerweile 34-Jährige Tscheche kann auch in dieser Spielzeit mit dem
Start seiner HSG zufrieden sein. Aber: „Wir haben noch schwere Spiele vor uns“,
warnt Filip vor den anstehenden Aufgaben in Wetzlar und gegen Melsungen. „Danach
wissen wir ob es ein guter Start war“, meint der Rechtsaußen, der auch seine
Zukunft bei der HSG Nordhorn sieht.
Dukla Prag, von 1997 bis 2000 HSV Düsseldorf, 2000 dann Pallamano Conversano und
danach Nordhorn – das waren die Stationen in der Handball-Karriere von Jan
Filip. Recht wenige Stationen für einen Handball-Profi, was allerdings bei
genauerem Hinschauen gar nicht überraschend ist. Familienmensch (verheiratet mit
Hanka, Sohn Honzik, Tochter Anetka) Filip mag die Konstanz, was sich auch daran
zeigt, dass er bereits in Düsseldorf mit Ola Lindgren zusammengearbeitet hat,
dem Trainer, der nun auch in Nordhorn für Filips Team verantwortlich ist.
Mit der HSG Nordhorn absolvierte Filip eine starke Saison 2006/07 und auch in
diesem Jahr scheint die HSG wieder gut aus den Startlöchern zu kommen. Im
Gespräch mit handball-world.com spricht Jan Filip über den Rundenauftakt, die
Entwicklung bei der HSG und seine persönliche Zukunft.
Die ersten beiden Spiele konnte Nordhorn gewinnen. Beim letzten Spiel gegen
Göppingen stand es dann aber auf einmal 3:11 – was war denn da los?
Filip:
Wir haben eigentlich gut angefangen, haben dann aber viele freie Bälle
verworfen. Außerdem hat Göppingens Torwart Martin Galia stark gehalten und
Göppingen hat das zu vielen Gegenstößen genutzt. Und wir hatten zu viele
unvorbereitete Würfe aus dem Rückraum.
Also stellt sich wieder einmal die leidige Frage nach dem gewonnenen oder
verlorenen Punkt.
Filip:
Wenn wir uns den ganzen Spielverlauf anschauen, dann müssen wir mit dem
Unentschieden zufrieden sein. Wir waren zwar am Schluss mal zwei Tore vorn und
hatten die Möglichkeit zu gewinnen, aber über das ganze Spiel gesehen war die
Punkteteilung gerecht. Wir hatten uns natürlich vor dem Spiel vorgenommen, es zu
gewinnen, aber das klappt nicht immer so.
Nach drei Spielen steht Nordhorn wieder in der Spitzengruppe der Liga.
Saisonstart geglückt?
Filip:
Erwarten konnte man das sicher nicht. Die Bundesliga ist die stärkste der Welt –
die Ergebnisse am Wochenende haben gezeigt, dass hier jeder jeden schlagen kann.
Wir haben jetzt zwei schwere Spiele in drei Tagen, danach können wie eher
absehen wo wir stehen und dann können wir auch sagen ob der Start geglückt ist
oder nicht. Natürlich wünscht man sich einen guten Start. Ich denke auch, dass
wir bisher zufrieden sein können, allerdings wären 6:0 Punkte natürlich besser
als 5:1.
Es hat mittlerweile Tradition, dass immer wieder Spieler nach Nordhorn kommen
und sich dort in den Fokus der Branchenriesen spielen. Nach dem Abgang von
Mittelmann Börge Lund zum THW Kiel steht nun Peter Kukucka im Blickpunkt.
Filip:
Ja, seine Entwicklung ist sehr gut, er ist ein Spieler mit einem
Riesenpotential. Allerdings ist unser System ist neu für ihn, das braucht noch
etwas Zeit. Aber er wird seinen Weg machen. Börge hatte es etwas leichter, er
kannte unser System. Wir spielen ein skandinavisches System, das ist kein
Geheimnis.
Trainer Ola Lindgren scheint ein gutes Händchen für Spieler zu haben.
Filip:
Ola gibt den Spielern viel Raum zur Entwicklung und macht nicht so einen
Riesendruck auf die Spieler. Ich denke, dass es kein Zufall ist, wenn so viele
Spieler von uns zu Top-Clubs weggehen. Lieber wäre mir natürlich, wenn sie bei
uns bleiben würden, aber so weit sind wir noch nicht. Da fehlen uns die
finanziellen Mittel.
Warum ist denn ein Jan Filip so lange der HSG treu geblieben?
Filip:
Ich komme mit dem System in Nordhorn sehr gut klar, das passt mir gut. Und dann
habe ich halt immer wieder meinen Vertrag verlängert – und jetzt bin ich 34.
Hier passt auch drum herum alles sehr gut für mich. Außerdem sehe ich in
Nordhorn meine Zukunft nach der Spielerkarriere. Ich werde hier eine Aufgabe im
Management aufnehmen.
Also Schreibtisch und nicht Sporthalle?
Filip:
Nein, einen Trainer Jan Filip wird es nicht geben.
Sie sind über den Umweg zweite Liga und Italien in die Bundesliga gekommen.
War die Zielsetzung Profi-Handballer zu werden schon immer präsent?
Filip:
Ich habe angefangen mit Tennis, habe auch Fußball gespielt und habe mich dann
für Handball entschieden. Mit 18, 19 wusste ich schon sehr genau, was ich
wollte. Aber damals war es viel schwerer als heute. Damals gab es noch eine
Ausländerbeschränkung in der Bundesliga und die wenigen Plätze für Ausländer
waren meistens von Rückraumspielern oder Kreisläufern besetzt. Damals gab es
richtig viele Nationalspieler in den zweiten Ligen. Jetzt ist es nicht mehr so
schwer, da die Beschränkung weggefallen ist.
Sie sind ein Muster an Zuverlässigkeit und auch selten verletzt. Gibt es ein
Geheimnis dafür?
Filip:
Nein, kein Geheimnis. Ich habe einfach viel Glück gehabt, da muss ich auch
gleich mal auf Holz klopfen. Ein Grund kann sein, dass ich als Außen weniger
Kontakt habe als ein Kreisspieler oder ein Rückraumspieler. Da ist das
Verletzungsrisiko geringer.
Eine letzte Frage: Sie sind in der Liga unter dem Spitznamen „Honza“ bekannt.
Was hat es damit auf sich?
Filip:
Eigentlich nichts Besonderes. Jemand mit dem Namen „Jan“ wird in Tschechien
immer „Honza“ genannt. „Jan“ dagegen ist so offiziell, deshalb hat sich das so
ergeben.
Quelle: handball-world.com
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