Dem schlechtesten Spiel der Ära Bauermann muss eines der besten folgen. Abzuhaken ist die Bankrotterklärung gegen Slowenien, um den Kopf frei zu haben für die EM-Wiederauferstehung gegen Italien. "Wir müssen uns fragen", so der deutsche Punktegarant Dirk Nowitzki, "ob wir noch genug Stolz haben."
In der Tageszeitung "Die Welt" stellte die Überfigur des deutschen
Basketballs eine weitere Grundsatzfrage: "Ist noch Kampfkraft da, oder schmeißen
wir das Handtuch?"
Coach Dirk Bauermann, unter dem 2005 EM-Silber errungen worden war, hat den
Glauben an seine gealtert wirkenden Jungs absolut nicht verloren. Im Interview
mit dem ZDF-"Morgenmagazin" erinnerte der Bamberger Bundesligatrainer voller
Zuversicht an die zweite Vorrunden-Paarung mit der Türkei, als die DHB-Auswahl
mit 30 Zählern Differenz (79:49) die Oberhand behalten hatte. Daran soll
abgelesen werden, dass Nowitzki und Co. noch immer keinen internationalen
Vergleich zu scheuen brauchten.
Das 47:77 gegen Slowenien - wiederum eine Kluft von 30 Punkten - brachte eine
ganz andere Wahrheit an den Tag. Jene, dass der Zenit einer erfolgreichen
Generation überschritten ist. Der olympische Traum, den sich vor allem
NBA-Ausnahmeerscheinung Nowitzki zu Beginn seines dritten Lebensjahrzehnts noch
erfüllen möchte, droht nach einer alle Beteiligten beschämenden Vorstellung zu
zerplatzen: "Wir haben uns abschießen lassen."
Den Auftakterfolgen über Tschechien und die Türkei folgten drei Niederlagen
gegen Litauen, Frankreich und eben Slowenien, die einen steten Abwärtstrend des
Teams beschrieben. Bauermanns Pariole, nochmals alle Kräfte zu aktivieren, um
die Runde der letzten Acht und damit die Spiele in Peking 2008 nicht zu
verpassen, klingt arg nach Zweckoptimismus.
Eine Stunde lang redeten sie im Mannschaftshotel nach der historischen Pleite
Tacheles, Trainer und Spieler. Bauermann ist überzeugt, gegen Italien eine
triumphale Rückkehr ins sportliche Leben geboten zu bekommen - mitsamt des
Anhangs, der lieber nicht über die Folgen eines Misslingens nachdenken sollte.
Dann beendeten die Italiener, die den Sieg ihrerseits benötigen, um im Rennen
um die Olympia-Qualifikation (nur Weltmeister Spanien ist gesetzt) zu
verbleiben. Unser südlicher Nachbar unterlag den Slowenen nur mit einem Zähler,
distanzierte aber auch die Türken nur um neun Punkte.
Womit sich die deutsche Mannschaft nicht beschäftigen sollte, ist die
Unsicherheit hinsichtlich des Weges nach Peking, die der Weltverband Fiba mit
seinem Informationsschreiben an die Mitgliedsländer streute. Das ursprünglich
vorgesehene Qualifkationsturnier vom 7. bis 13. Juli 2008, das vier europäischen
Teams unter insgesamt zwölf Bewerbern die letzte Chance auf drei Flugtickets
hatte geben sollen, scheint auszufallen. Statt der besten zwei würden dann die
besten vier Platzierten der EM Olympia als Teilnehmer erleben - ohne absichernde
Hintertür.
Quelle: Eurosport
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