Es sind fast exakt drei Jahre und fünf Monate vergangen seit die Heilbronner Falken ihr letztes Punktspiel in der zweiten Liga austrugen.
Damals hieß der Gegner ETC Crimmitschau und die Zukunft des Heilbronner
Eishockeys war mehr als ungewiss. Am ersten Punktspielwochenende heißen die
Gegner nun EV Landshut und EHC München.
Das letzte Aufeinandertreffen der Landshuter Kannibalen und der Heilbronner
Falken fand am 22.02.04 in der damaligen Knorr Arena statt und endete 6:5 nach
Penaltyschießen für die Käthchenstädter. Am Freitag reisen die Falken nach
Bayern und vielleicht bringt der Neubeginn in der 2. Liga auch einen Neubeginn
der Statistiken, denn auswärts gewannen die Heilbronner noch nie gegen Landshut.
Zu einer genauen Zielformulierung ließ sich EVL-Manager Bernd Trunschka
bisher noch nicht hinreißen, doch ein Playoff-Platz sollte es schon sein, vor
allem da sich das Team zu letzter Saison (Platz 5 in der Hauptrunde, Halbfinale
POs) leistungstechnisch nicht verschlechtert haben dürfte.
Im Tor der Cannibals steht mit Martin Cinibulk ein Mann, der, wenn er nach
seiner schweren Verletzung zu alter Stärke findet, sich sicher zu den besten
Goalies der Liga zählen darf. Unterstützt wird Cinibulk von Maximilian
Englbrecht und Sebastian Weiß, die beide aus dem EVL-Nachwuchs stammen. Hinzu
kommt noch Josef Mayer mit Förderlizenz für den EHC Klostersee (Oberliga).
Die Verteidigung der Bayern hat sich kaum verändert, die drei
Verteidigerpärchen kennen sich daher schon, entweder seit einer Saison, oder,
wie im Fall Kamil Toupal und Andreas Geipel, bereits neun Spielzeiten. Eine
Gewöhnung aneinander dürfte daher kaum von Nöten sein. Aufgestockt wurde die
„alte“ Verteidigung nun durch die drei EVL-Nachwuchskräfte Kevin Steiger,
Florian Müller und Ruben Kapzan. Die beiden ersteren erhielten eine Förderlizenz
für die Oberligamannschaft der Passau Black Hawks.
Der Sturm der Cannibals musste, im Gegensatz zur Defensivabteilung, fast
komplett neu aufgebaut werden. Den Abgängen Thomas Schinko (Karriereende), T.J.
Guidarelli (HC Amiens/FRA), Jakko Haglberg, Alexander Serikow (beide SC
Bietigheim), Zdislaw Zareba (Nowy Targ/POL), Max Brandl (Prince Albert
Raiders/WHL), Eric Houde (HE Rouen/FRA) und Gerrit Fauser (Gatineau
Olympiques/QMJHL) stehen folgende Neuzugänge gegenüber: Der Kanadier Brandon
Dietrich kehrt nach einem Jahr beim Ligarivalen EV Regensburg zu den Cannibals
zurück und auch Peter Abstreiter kehrt aus Straubing (DEL) zu seinem
Heimatverein zurück. Die Verpflichtung einen weiteren Heimkehrers konnten die
Dreihelmestädter vor ein paar Tagen vermelden: Günther Oswald, der Routinier,
der auf einige Jahre DEL zurückblicken kann und zuletzt bei den Straubing Tigers
aktiv war, soll mit seiner Erfahrung zu einer Führungsfigur für die jungen
Spieler werden und natürlich auch für einige Tore sorgen.
Neben Dietrich nimmt mit Ales Kratoska ein Spieler die zweite
Ausländerposition im Angriff ein, der genau weiß wie sich Erfolg anfühlt.
Kratoska wurde 2003 mit seinem tschechischen Club Slavia Prag Meister und kam
ein Jahr später bereits wieder bis ins Finale. Die dritte Kontingentstelle
besetzt zunächst Bill Trew. Hier bietet sich die gleiche Situation wie in der
letzten Saison bei Bad Tölz, Augsburg und Yannick Dubé. Die Straubing Tigers
„parken“ Bill Trew so lange bei den Landshut Cannibals, bis dieser seinen
deutschen Pass erhält. Ebenso wie Dubé für die Oberliga ist auch Bill Trew
sicher eine Bereicherung für die zweite Liga und es wird sicher schwer für den
EVL einen gleichwertigen Ersatz zu finden. Auch in der Sturmabteilung der
Cannibals wird stark auf den eigenen Nachwuchs gesetzt, das zeigen die
Neuzugänge Philipp Michl, Alexander Koss, Daniel Möhle und Bastian Werner.
Gegner beim ersten Zweitligaheimspiel seit fast dreieinhalb Jahren ist mit
dem EHC München eine Mannschaft, die nicht nur einen turbulenten Sommer hinter
sich hat, sondern in der ersten Oberligasaison der Falken noch ein Gegner in
Deutschlands dritthöchster Spielklasse war. Das letzte Aufeinandertreffen beider
Mannschaften fand ebenfalls in Heilbronn statt. Mit 5:6 nach Penaltyschießen
ging der Großteil der Punkte an die bayrische Landeshauptstadt.
Der EHC München schaffte 2004/05 den Aufstieg in die zweite Liga und konnte
sich seitdem etablieren. Unerwartete Turbulenzen kamen dann diesen Sommer, als
plötzlich durch Sponsorenausfälle ein Rückzug aus der zweiten Liga drohte. Doch
dieses „Horrorszenario“ konnte auch dank des individuellen Engagements der Fans
– es wurden Spenden gesammelt – gerade noch verhindert werden. So treten die
Oberbayern dieses Jahr mit dem sportlichen Leiter Christian Winkler und Trainer
Bernie Englbrecht an, der den Kanadier Pat Cortina ersetzte. Als Saisonziel muss
man anhand des Kaders ganz klar die Playoffs ansehen, denn die einzelnen Akteure
sollten mehr leisten können als nur den Klassenerhalt. Schon letztes Jahr
erreichte der EHC Platz sechs und anschließend das Playoff-Halbfinale und hat
sich, was den Kader betrifft, sicher nicht verschlechtert. Daher wird den Falken
sicherlich eine spannende Partie bevorstehen, in der vor allem das Tempo
entscheidend sein wird.
Im Tor setzt man auf eines der stärksten deutschen Torhüterduos der Liga. Mit
Jochen Vollmer, der schon in der Oberliga zu den besten Torhütern gehörte, und
Leonhard Wild, der auch eine beeindruckende Entwicklung gemacht hat, stehen zwei
Torhüter unter Vertrag, die in jedem Zweitligaklub problemlos um die Nummer eins
im Tor kämpfen könnten, wenn ihn nicht sogar sicher hätten. Beide werden in den
nächsten Jahren sicherlich noch für Furore sorgen können, sollten sie nicht
durch Verletzungen aus der Bahn geworfen werden.
Die Abwehr wurde im Sommer punktuell verstärkt. Mit den Routiniers Markus
Wieland und Erich Goldmann kamen zwei Spieler hinzu, die sicherlich zu den
stärkeren deutschen Verteidigern in der Liga zählen werden. Vor allem von
Goldmann erwartet man sich in München eine gewisse Führungsrolle. Mit dem
Kanadier Chris Bahen hat man außerdem noch einen sehr starken Kontingentspieler
geholt, der vor allem defensiv zu überzeugen weiß. Auch Gordon Borberg zählt zu
den Führungsspielern in der Defensive und ist daher von besonderer Wichtigkeit
für das Team. Andreas Raubal ist in Eishockeydeutschland kein unbeschriebenes
Blatt, so dass man insgesamt von einer gut besetzten Abwehr sprechen kann – ein
Mannschaftsteil, der natürlich generell gut besetzt sein sollte, will man in der
zweiten Liga bestehen.
Im Sturm muss man am Sonntag und wahrscheinlich für gute sechs Wochen den
Ausfall von Topscorer Brent Robinson verkraften, der sich in der Vorbereitung an
der Hand verletzt hat. Mit Mike Kompon, Justin Aikins und Jason Deitsch verfügt
man aber über weitere starke Kontingentspieler, die versuchen müssen, den
Ausfall Robinsons zu kompensieren. Ein weitere Leistungsträger im Sturm ist
Felix Schneider, der letzte Saison viel mit den ausländischen Stürmern spielen
durfte und daher eine relative gute Punkteausbeute erzielen konnte. Es bleibt
abzuwarten, inwiefern der Sturm den Abgang von Dylan Gyori verkraften kann, der
im Sommer zu den Kassel Huskies gewechselt ist. Auch beim EHC München findet man
im Kader Förderlizenzspieler, die über jede Menge Talent verfügen und das Team
auf alle Fälle mehr als nur verstärken. So sind mit Martin Hinterstocker,
Neville Rautert und Tobias Artmeier Stürmer für die Isarstädter spielberechtigt,
die sicherlich eine tragende Rolle spielen können und auch werden. Insgesamt ist
das Münchner Team eine gut gemischte Truppe, die einige Akteure in ihren Reihen
hat, denen eine große Zukunft bevorstehen kann.
Die Falken müssen in den ersten Punktspielen auf Youngster Nicolas Ackermann
verzichten, der sich im Vorbereitungsspiel gegen Kassel eine leichte
Knieverletzung zuzog und eine Woche pausieren sollte. Aus Mannheim steht Rico
Rossi Verteidiger Stefan Langwieder zur Verfügung, Stürmer Philipp Schlager wird
bei den Adlern gebraucht. Wer von den beiden Torhütern, Ilpo Kauhanen und Danny
aus den Birken, an diesem Wochenende für das verhindern von Gegentreffern
zuständig sein wird, ist noch unklar. (FG82/MF)
Quelle: hockeyweb.de
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