Nach vielen Jahren beim TBV Lemgo – zunächst als Torhüter, später als Manager – führt Fynn Holpert nun seit Saisonbeginn die Geschäfte der SG Flensburg-Handewitt. Dabei kehrt der Bruder des einstigen Nationaltorkeepers Jan Holpert an alte Wirkungsstätte zurück.
Der 40-Jährige, der mit den Ostwestfalen Deutscher Meister, Pokalsieger
und Europacup-Gewinner wurde, ist gebürtiger Flensburger. Arnulf Beckmann sprach
mit ihm über die Rückkehr, seine Pläne und Visionen.
Hallo, Herr Holpert. Nach vielen Jahren in der Fremde hat die Flensburger
Heimat den verlorenen Sohn wieder. Wie geht es Ihnen?
Holpert:
Das Bild mit dem verlorenen Sohn, der zurückgekehrt ist, stimmt schon. Meine
Familie und ich haben hier richtig Spaß und fühlen uns äußerst wohl. Auch
beruflich läuft die Sache richtig gut. Wir erleben hier gerade eine gewaltige
Euphorie rund um die SG.
Als Manager der SG Flensburg-Handewitt hat man Ihnen die schwierige Aufgabe
zugedacht, dem Erzrivalen THW Kiel Paroli zu bieten. Wie soll das gehen?
Holpert:
Die Favoriten sind in dieser Saison andere. Natürlich Kiel und der HSV Hamburg.
Auch die Kronauer Löwen schicken sich an, in diesen Kreis vorzustoßen. Wir leben
sehr gut damit, in dieser Saison nur zu den Verfolgern dieser drei Topteams
gezählt zu werden. Auch wir fragen uns, wer die Kieler in diesem Jahr stoppen
soll. Wir haben Respekt vor dem THW. Doch wenn alle gesund sind, können wir die
Kieler daheim durchaus schlagen.
In Marketingfragen sind Sie zumindest schon sehr rührig gewesen. Sie wollten
ein Bundesligaspiel der SG in Dänemark austragen. Wird das in die Tat umgesetzt?
Holpert:
Nach der Anfangseuphorie rund um diese Idee, geriet das Projekt ins Stocken,
weil der dänische Handballverband ein Bundesligaspiel in Dänemark nicht wünscht.
Das sei sein Hoheitsgebiet. Wir könnten dagegen klagen und ziemlich sicher Recht
bekommen, aber das halte ich für keinen guten Weg. Wir haben die Zusage des VfL
Gummersbach, dass er bereit wäre, als unser Gegner in Dänemark anzutreten und
wir haben die Unterstützung seitens der HBL. Deshalb werden wir ganz sicher noch
einmal reden.
Die dänischen Fans der SG – davon gibt es ja gleich mehrere Hundert – hätten
sich sicher gefreut.
Holpert:
Wie gesagt: Noch ist die Sache nicht ad acta gelegt. Die dänischen Fans
bestärken uns. Kritik gibt es eigentlich kaum. Alle freuen sich darüber, dass
Bundesliga-Spitzenhandball auch mal in Dänemark stattfinden könnte.
Schon zu Lemgoer Zeiten galten Sie als Manager, der im Großen denkt. Sie
haben zum Beispiel ein Heimspiel des TBV in die Arena Auf Schalke verlegt und
mehr als 30.000 Besucher angelockt. Was denken Sie sich als nächstes aus?
Holpert:
Das Spiel der SG gegen Gummersbach sollte eigentlich auch wieder in einem
Fußballstadion stattfinden. Wir hatten uns den Idraetsparken in Kopenhagen
ausgeguckt. Das Dach kann geschlossen werden und bietet für ein Handballspiel
rund 20.000 Besuchern Platz. Das Stadion wird allerdings gegenwärtig umgebaut.
Jetzt wollen wir das Match in der Bröndby-Halle austragen…
… dort, wo Deutschland 1978 Weltmeister wurde?
Holpert:
Und wo Dänemark bei derselben WM Bronze gewann. Das ist für beide Nationen
geschichtsträchtiger Boden.
Das allein aber kann doch nicht reichen, will man den Konkurrenten von der
Ostsee nicht auch wirtschaftlich enteilen lassen.
Holpert:
Wir blicken nicht nach Kiel, sondern schauen auf uns. Wir können uns nicht mit
dem THW vergleichen. Das kann gegenwärtig keiner. Wir müssen unseren Claim hier
abstecken. Und da machen wir aus der Not eine Tugend und nutzen den Umstand,
dass wir der einzige Erstligist neben der HSG Nordhorn mit einer solch extremen
Grenzlage sind. Die Hälfte unseres Umlandes ist Dänemark. Zudem gibt es in
Flensburg viele Dänen, die in Deutschland leben. Wie pflegt mein dänischer
Mitstreiter Anders Dahl-Nielsen immer zu sagen: Wir müssen grenzenlos denken.
Das tun wir.
Ist alles nichts, wenn es Ihnen nicht gelingt, den THW sportlich zu schlagen?
Holpert:
Das ist doch hypothetisch. Im vergangenen Jahr haben wir den THW daheim mit
sieben Treffern Differenz geschlagen. Und auch in diesem Jahr haben wir eine
starke Mannschaft. Zudem sind wir in eigener Halle dank unseres Publikums ein
Mann mehr – gefühlt natürlich.
Quelle: handball-world.com
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