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Handball: "Müssen grenzenlos denken" - Fynn Holpert im Gespäch | 2007-09-13


Nach vielen Jahren beim TBV Lemgo – zunächst als Torhüter, später als Manager – führt Fynn Holpert nun seit Saisonbeginn die Geschäfte der SG Flensburg-Handewitt. Dabei kehrt der Bruder des einstigen Nationaltorkeepers Jan Holpert an alte Wirkungsstätte zurück.

Der 40-Jährige, der mit den Ostwestfalen Deutscher Meister, Pokalsieger und Europacup-Gewinner wurde, ist gebürtiger Flensburger. Arnulf Beckmann sprach mit ihm über die Rückkehr, seine Pläne und Visionen.

Hallo, Herr Holpert. Nach vielen Jahren in der Fremde hat die Flensburger Heimat den verlorenen Sohn wieder. Wie geht es Ihnen?

Holpert:
Das Bild mit dem verlorenen Sohn, der zurückgekehrt ist, stimmt schon. Meine Familie und ich haben hier richtig Spaß und fühlen uns äußerst wohl. Auch beruflich läuft die Sache richtig gut. Wir erleben hier gerade eine gewaltige Euphorie rund um die SG.

Als Manager der SG Flensburg-Handewitt hat man Ihnen die schwierige Aufgabe zugedacht, dem Erzrivalen THW Kiel Paroli zu bieten. Wie soll das gehen?

Holpert:
Die Favoriten sind in dieser Saison andere. Natürlich Kiel und der HSV Hamburg. Auch die Kronauer Löwen schicken sich an, in diesen Kreis vorzustoßen. Wir leben sehr gut damit, in dieser Saison nur zu den Verfolgern dieser drei Topteams gezählt zu werden. Auch wir fragen uns, wer die Kieler in diesem Jahr stoppen soll. Wir haben Respekt vor dem THW. Doch wenn alle gesund sind, können wir die Kieler daheim durchaus schlagen.

In Marketingfragen sind Sie zumindest schon sehr rührig gewesen. Sie wollten ein Bundesligaspiel der SG in Dänemark austragen. Wird das in die Tat umgesetzt?

Holpert:
Nach der Anfangseuphorie rund um diese Idee, geriet das Projekt ins Stocken, weil der dänische Handballverband ein Bundesligaspiel in Dänemark nicht wünscht. Das sei sein Hoheitsgebiet. Wir könnten dagegen klagen und ziemlich sicher Recht bekommen, aber das halte ich für keinen guten Weg. Wir haben die Zusage des VfL Gummersbach, dass er bereit wäre, als unser Gegner in Dänemark anzutreten und wir haben die Unterstützung seitens der HBL. Deshalb werden wir ganz sicher noch einmal reden.

Die dänischen Fans der SG – davon gibt es ja gleich mehrere Hundert – hätten sich sicher gefreut.

Holpert:
Wie gesagt: Noch ist die Sache nicht ad acta gelegt. Die dänischen Fans bestärken uns. Kritik gibt es eigentlich kaum. Alle freuen sich darüber, dass Bundesliga-Spitzenhandball auch mal in Dänemark stattfinden könnte.

Schon zu Lemgoer Zeiten galten Sie als Manager, der im Großen denkt. Sie haben zum Beispiel ein Heimspiel des TBV in die Arena Auf Schalke verlegt und mehr als 30.000 Besucher angelockt. Was denken Sie sich als nächstes aus?

Holpert:
Das Spiel der SG gegen Gummersbach sollte eigentlich auch wieder in einem Fußballstadion stattfinden. Wir hatten uns den Idraetsparken in Kopenhagen ausgeguckt. Das Dach kann geschlossen werden und bietet für ein Handballspiel rund 20.000 Besuchern Platz. Das Stadion wird allerdings gegenwärtig umgebaut. Jetzt wollen wir das Match in der Bröndby-Halle austragen…

… dort, wo Deutschland 1978 Weltmeister wurde?

Holpert:
Und wo Dänemark bei derselben WM Bronze gewann. Das ist für beide Nationen geschichtsträchtiger Boden.

Das allein aber kann doch nicht reichen, will man den Konkurrenten von der Ostsee nicht auch wirtschaftlich enteilen lassen.

Holpert:
Wir blicken nicht nach Kiel, sondern schauen auf uns. Wir können uns nicht mit dem THW vergleichen. Das kann gegenwärtig keiner. Wir müssen unseren Claim hier abstecken. Und da machen wir aus der Not eine Tugend und nutzen den Umstand, dass wir der einzige Erstligist neben der HSG Nordhorn mit einer solch extremen Grenzlage sind. Die Hälfte unseres Umlandes ist Dänemark. Zudem gibt es in Flensburg viele Dänen, die in Deutschland leben. Wie pflegt mein dänischer Mitstreiter Anders Dahl-Nielsen immer zu sagen: Wir müssen grenzenlos denken. Das tun wir.

Ist alles nichts, wenn es Ihnen nicht gelingt, den THW sportlich zu schlagen?

Holpert:
Das ist doch hypothetisch. Im vergangenen Jahr haben wir den THW daheim mit sieben Treffern Differenz geschlagen. Und auch in diesem Jahr haben wir eine starke Mannschaft. Zudem sind wir in eigener Halle dank unseres Publikums ein Mann mehr – gefühlt natürlich.
 



Quelle: handball-world.com