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Handball: Nord-Clubs mit weißer Weste - Kiel gewinnt «ein schlechtes Spiel» | 2007-09-13


Der Riese wankte, doch er fiel nicht: In der Neuauflage des Supercup-Spiels zitterte sich der deutsche Handball-Rekordmeister THW Kiel am Mittwochabend zu einem 26:25 (13:14)-Erfolg bei den Rhein-Neckar Löwen. «Wir haben den THW ins Wanken gebracht. Es war ein Tag, an dem wir Kiel hätten schlagen können», sagte Nationaltorhüter Henning Fritz enttäuscht. Erleichtert über den knappen Erfolg in Mannheim war dagegen Kiels Trainer Zvonimir Serdarusic. «Ich bin froh, dass wir ein schlechtes Spiel gewonnen haben», bekannte der Meister-Coach.

Die meisten der 12 882 Zuschauer verließen die SAP-Arena mit der Gewissheit, trotz der knappen Niederlage ihrer Rhein-Neckar Löwen ein echtes Spitzenspiel gesehen zu haben. Die Badener, die mit einem 0:3-Rückstand gleich zu Beginn zur leichten Beute des souveränen Spitzenreiters zu werden drohten, kämpften sich ins Spiel zurück und führten zur Halbzeit sogar 14:13. Im zweiten Durchgang gab die geringere Fehlerquote des Meisters den Ausschlag dafür, dass Kiel gewann.

Doch eine spannende Partie allein wird den Ansprüchen, die beide Clubs an ihre Top-Akteure haben, längst nicht mehr gerecht. «Noch haben wir nicht unser Niveau erreicht. Wir spielten nur etwa eine Viertelstunde normalen Handball», sagte Serdarusic, dessen Mannschaft nun mit 10:0 Punkten unangefochten die Tabellenführung innehat. Die Begründung, warum es dennoch zum fünften Saisonsieg gereicht hat, lieferte der 57-Jährige postwendend: «Auch die Löwen hatten nicht ihren besten Tag erwischt. Ich bin froh, dass wir ein schlechtes Spiel gewonnen haben.»

Bei den Verlierern fiel die Analyse durch Trainer Juri Schewtsow zwar milder, aber nicht weniger deutlich aus. «Im zweiten Abschnitt hatten wir zu viele Ballverluste und zu viel verworfen. Gegen einen solchen Kontrahenten darf man nicht so viele Chancen vergeben. Unter dem Strich haben Kleinigkeiten das Spiel entschieden», sagte der Weißrusse.

Rhein Neckar Löwen begingen zu viele Fehler

Löwen-Manager Thorsten Storm sah sein Team in der Partie meist auf Augenhöhe mit dem THW. «Wir haben gesehen, dass wir schon jetzt mithalten können», sagte er. Für den ehemaligen Flensburger ist die Richtung längst klar: «Wir kämpfen weiter. Wir wollen, dass die Ziele jedes Jahr ein Stückchen weiter oben angesetzt werden können. Ich denke, dass wir hier die nötige Ausdauer dafür haben.» Die können die Badener bereits am Wochenende beim HSV Hamburg unter Beweis stellen. «Da sind wir sicherlich wieder Außenseiter», sagte Storm. «Aber wenn wir gegen Kiel mit einem Tor verloren haben, haben wir ja vielleicht in Hamburg so viel Glück, dass wir mit einem Tor Vorsprung gewinnen.»

So führt der deutsche Meister, DHB-Pokalsieger und Champions-League-Gewinner in der Handball-Bundesliga mit 10:0 Zählern ein noch punktverlustfreies Nord-Trio in den 5. Spieltag am Wochenende. Hinter Kiel rangiert die SG Flensburg-Handewitt, die nach dem glanzlosen 41:31 gegen HBW Balingen-Weilstetten 8:0 Punkte aufweist, sich aber selbst noch nicht als Meister-Jäger sieht. «Für uns geht es im Moment weniger darum, gegen wen wir spielen, sondern dass wir uns kontinuierlich steigern», erklärte Sportdirektor Anders Dahl-Nielsen.

Hamburg weiter auf der Lauer

Als drittes Team hat der HSV Hamburg noch eine weiße Weste, die der Meisterschafts-Zweite nach dem überzeugenden 29:24 beim SC Magdeburg am Samstag gegen die Rhein-Neckar Löwen verteidigen will. Doch gerade in dem Prestige-Duell mit dem ambitionierten DHB- Pokalfinalisten droht den Hamburgern ein herber personeller Verlust. Kreisläufer Dimitri Torgowanow wurde wegen einer im Magdeburg-Spiel erlittenen Augenverletzung in der Nacht zum Mittwoch noch in Magdeburg operiert. Mit 17 Stichen wurde das rechte Augenlid genäht.

Heimlich, still und leise hat sich unterdessen die HSG Nordhorn zum ärgsten Widersacher des Nord-Trios gemausert. Die Niedersachsen sind nach ihrem 30:27 bei der HSG Wetzlar ebenfalls noch ungeschlagen. Der Tabellendritte kann sich schon an diesem Freitag mit einem Sieg gegen MT Melsungen an der SG Flensburg-Handewitt vorbeidrängeln. «Ich bin natürlich zufrieden mit dem Sieg, nicht aber mit unserer Leistung», bekannte Nordhorns Trainer Ola Lindgren.

Lemgo sucht nach der Form

Derweil ist der TBV Lemgo weiter auf der Suche nach seinem Platz in der Bundesliga-Spitze. Vier Tage nach der 30:32-Heimpleite gegen Melsungen mussten sich die Lemgoer um Nationalmannschafts-Spielmacher Michael Kraus beim TV Großwallstadt trotz Halbzeitführung mit 27:31 geschlagen geben. «Das Problem war, dass wir in der Abwehr phasenweise auseinander gebrochen sind. Und diese Unsicherheit nimmt die Mannschaft dann mit nach vorne, wir waren dann nicht mehr in der Lage das Spiel zu drehen», analysisierte Lemgos Manager Volker Zerbe.

Freude herrschte dagegen bei den Gastgebern, die zuvor zwei heftige Niederlagen gegen Kiel und Hamburg einstecken musste. «Ich bin froh, dass wir in die Erfolgsspur zurückgefunden haben. Und nun wollen wir in Berlin nachlegen», sagte Trainer Michael Roth vor der Partie am Sonntag bei den Füchsen.



Quelle: handball-world.com