Der Riese wankte, doch er fiel nicht: In der Neuauflage des Supercup-Spiels zitterte sich der deutsche Handball-Rekordmeister THW Kiel am Mittwochabend zu einem 26:25 (13:14)-Erfolg bei den Rhein-Neckar Löwen. «Wir haben den THW ins Wanken gebracht. Es war ein Tag, an dem wir Kiel hätten schlagen können», sagte Nationaltorhüter Henning Fritz enttäuscht. Erleichtert über den knappen Erfolg in Mannheim war dagegen Kiels Trainer Zvonimir Serdarusic. «Ich bin froh, dass wir ein schlechtes Spiel gewonnen haben», bekannte der Meister-Coach.
Die meisten der 12 882 Zuschauer verließen die SAP-Arena mit der Gewissheit,
trotz der knappen Niederlage ihrer Rhein-Neckar Löwen ein echtes Spitzenspiel
gesehen zu haben. Die Badener, die mit einem 0:3-Rückstand gleich zu Beginn zur
leichten Beute des souveränen Spitzenreiters zu werden drohten, kämpften sich
ins Spiel zurück und führten zur Halbzeit sogar 14:13. Im zweiten Durchgang gab
die geringere Fehlerquote des Meisters den Ausschlag dafür, dass Kiel gewann.
Doch eine spannende Partie allein wird den Ansprüchen, die beide Clubs an ihre
Top-Akteure haben, längst nicht mehr gerecht. «Noch haben wir nicht unser Niveau
erreicht. Wir spielten nur etwa eine Viertelstunde normalen Handball», sagte
Serdarusic, dessen Mannschaft nun mit 10:0 Punkten unangefochten die
Tabellenführung innehat. Die Begründung, warum es dennoch zum fünften Saisonsieg
gereicht hat, lieferte der 57-Jährige postwendend: «Auch die Löwen hatten nicht
ihren besten Tag erwischt. Ich bin froh, dass wir ein schlechtes Spiel gewonnen
haben.»
Bei den Verlierern fiel die Analyse durch Trainer Juri Schewtsow zwar milder,
aber nicht weniger deutlich aus. «Im zweiten Abschnitt hatten wir zu viele
Ballverluste und zu viel verworfen. Gegen einen solchen Kontrahenten darf man
nicht so viele Chancen vergeben. Unter dem Strich haben Kleinigkeiten das Spiel
entschieden», sagte der Weißrusse.
Rhein Neckar Löwen begingen zu viele Fehler
Löwen-Manager Thorsten Storm sah sein Team in der Partie meist auf Augenhöhe mit
dem THW. «Wir haben gesehen, dass wir schon jetzt mithalten können», sagte er.
Für den ehemaligen Flensburger ist die Richtung längst klar: «Wir kämpfen
weiter. Wir wollen, dass die Ziele jedes Jahr ein Stückchen weiter oben
angesetzt werden können. Ich denke, dass wir hier die nötige Ausdauer dafür
haben.» Die können die Badener bereits am Wochenende beim HSV Hamburg unter
Beweis stellen. «Da sind wir sicherlich wieder Außenseiter», sagte Storm. «Aber
wenn wir gegen Kiel mit einem Tor verloren haben, haben wir ja vielleicht in
Hamburg so viel Glück, dass wir mit einem Tor Vorsprung gewinnen.»
So führt der deutsche Meister, DHB-Pokalsieger und Champions-League-Gewinner in
der Handball-Bundesliga mit 10:0 Zählern ein noch punktverlustfreies Nord-Trio
in den 5. Spieltag am Wochenende. Hinter Kiel rangiert die SG
Flensburg-Handewitt, die nach dem glanzlosen 41:31 gegen HBW
Balingen-Weilstetten 8:0 Punkte aufweist, sich aber selbst noch nicht als
Meister-Jäger sieht. «Für uns geht es im Moment weniger darum, gegen wen wir
spielen, sondern dass wir uns kontinuierlich steigern», erklärte Sportdirektor
Anders Dahl-Nielsen.
Hamburg weiter auf der Lauer
Als drittes Team hat der HSV Hamburg noch eine weiße Weste, die der
Meisterschafts-Zweite nach dem überzeugenden 29:24 beim SC Magdeburg am Samstag
gegen die Rhein-Neckar Löwen verteidigen will. Doch gerade in dem Prestige-Duell
mit dem ambitionierten DHB- Pokalfinalisten droht den Hamburgern ein herber
personeller Verlust. Kreisläufer Dimitri Torgowanow wurde wegen einer im
Magdeburg-Spiel erlittenen Augenverletzung in der Nacht zum Mittwoch noch in
Magdeburg operiert. Mit 17 Stichen wurde das rechte Augenlid genäht.
Heimlich, still und leise hat sich unterdessen die HSG Nordhorn zum ärgsten
Widersacher des Nord-Trios gemausert. Die Niedersachsen sind nach ihrem 30:27
bei der HSG Wetzlar ebenfalls noch ungeschlagen. Der Tabellendritte kann sich
schon an diesem Freitag mit einem Sieg gegen MT Melsungen an der SG
Flensburg-Handewitt vorbeidrängeln. «Ich bin natürlich zufrieden mit dem Sieg,
nicht aber mit unserer Leistung», bekannte Nordhorns Trainer Ola Lindgren.
Lemgo sucht nach der Form
Derweil ist der TBV Lemgo weiter auf der Suche nach seinem Platz in der
Bundesliga-Spitze. Vier Tage nach der 30:32-Heimpleite gegen Melsungen mussten
sich die Lemgoer um Nationalmannschafts-Spielmacher Michael Kraus beim TV
Großwallstadt trotz Halbzeitführung mit 27:31 geschlagen geben. «Das Problem
war, dass wir in der Abwehr phasenweise auseinander gebrochen sind. Und diese
Unsicherheit nimmt die Mannschaft dann mit nach vorne, wir waren dann nicht mehr
in der Lage das Spiel zu drehen», analysisierte Lemgos Manager Volker Zerbe.
Freude herrschte dagegen bei den Gastgebern, die zuvor zwei heftige Niederlagen
gegen Kiel und Hamburg einstecken musste. «Ich bin froh, dass wir in die
Erfolgsspur zurückgefunden haben. Und nun wollen wir in Berlin nachlegen», sagte
Trainer Michael Roth vor der Partie am Sonntag bei den Füchsen.
Quelle: handball-world.com
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