Wenn am Freitagnachmittag nach DEM Donnerstag den 13. Teamchefs zu einer
Pressekonferenz zusammentreffen, kann es natürlich nur ein Thema geben: das
Urteil gegen McLaren. Besonders viel konnten die Herren Fry, Berger, Theissen,
Briatore und Horner dazu aber gar nicht sagen, da sie mit ihrer Arbeit an der
Boxenmauer beschäftigt waren, als die Urteilsbegründung der FIA veröffentlich
wurde. Dennoch nahm das Gesagte fast die Ausmaße jener Urteilsbegründung an,
auch wenn die Teamchefs nicht wirklich viel darüber sagen wollten und konnten -
es wurde einfach weiter gefragt. Es kamen aber noch andere Themen auf den Tisch;
dazu gleich mehr.
Zunächst stand einmal Urteilsanalyse auf dem Programm. Worüber sich alle fünf
Herrschaften einig waren, war die Tatsache, dass die Strafe rein monetär sehr
hoch ausgefallen war. McLaren mag zwar finanzstark sein, doch Nick Fry meinte
dazu: "Ich denke, in der Formel 1 sprechen die Leute manchmal über Millionen,
als ob sie trivial werden, da die Zahlen einfach alle so groß sind. Ich kann
aber versichern, dass in unserem und wohl auch allen anderen Teams die Budgets
sehr sorgfältig ausgearbeitet werden. Wir versuchen das Geld so effektiv wie
möglich einzusetzen und 100 Millionen sind eine große Summe Geld für alle
Teams, nehme ich an." Gerhard Berger fasste es kürzer zusammen: "Ich wäre
Bankrott", sagte er zu der Strafe.
Alle stimmten darin überein, dass sie hoffen, dass die Angelegenheit nun
erledigt ist und man sich wieder auf die Arbeit an der Strecke konzentrieren
kann. Es gäbe noch vier Rennen zu fahren und eine Fahrer-WM müsse auch noch
entschieden werden war der Tenor. Ob die Fahrer-WM durch die Affäre in
irgendeiner Weise Schaden genommen hat, war nicht ganz so einfach zu deuten.
"Die Fahrer sind im Auto, das wissen wir. Wenn das Auto einen Vorteil aufgrund
irgendeiner Information oder sonst was hat, wenn das Auto aufgrund irgendeiner
Information besser ist, dann denke ich, dass der Fahrer auch einen Vorteil
hat", meinte Briatore.
Dennoch wollte er den Fahrern keine Schuld an der ganzen Sache zusprechen.
Gerhard Berger erklärte, dass die Angelegenheit vorbei sei, es ein Urteil gäbe
und man es jetzt auch lassen könnte. Christian Horner meinte: "Wir haben vier
Rennen übrig, es sind vier Fahrer in Reichweite des Titels und es ist eine der
besten Fahrer-WMs der letzten Jahre. Es stehen noch Entscheidungen aus und
hoffentlich wird sich der Fokus nun wieder verschieben, nachdem das alles
vorbei ist und wir sehen während der kommenden vier Rennen die Formel 1 in
Bestform."
Bevor alles gesagt war, musste Flavio Briatore selbst noch einmal in den
Zeugenstand treten, denn auch über Renault gab es in letzter Zeit Meldungen,
wonach das Team mit Informationen eines anderen Teams gearbeitet habe. "Wenn
mir jemand sagt, das ist das Gleiche, dann werde ich ihn verklagen, schnell",
meinte er zu Vergleichen mit McLaren. Zudem betonte er, dass es eine
Untersuchung sei, die weder ihn noch das Team betreffe. "Drittens haben wir
alle Information an die FIA gegeben, zumindest als wir etwas herausgefunden
haben und das ist es auch schon. So einfach ist das. Ich habe die Beweise auch
an McLaren gegeben." Noch einmal betonte er, dass es keine Untersuchung gegen
Renault gäbe.
Nachdem mehr oder weniger alles gesagt war, außer vielleicht noch, dass die
Teamchefs verstehen, dass die Fahrer-WM für die Fans wichtiger sei, ihnen aber
auch die Konstrukteurs-WM viel bedeutet, konnte noch ein wenig umgeschwenkt
werden. Gerhard Berger durfte doch tatsächlich darüber erzählen, was er sich
von Sebastien Borudais im kommenden Jahr erwartet. "Wir hatten ihn schon drei
Mal im Auto und haben ihn viele Kilometer fahren lassen, also war es gut für
ihn, damit er sich an das Auto gewöhnt. Uns konnte er sein Potential zeigen,
was gut für uns war. Wir haben viele Daten bekommen, mit denen wir seine
Stärken und Schwächen studieren können", erklärte der Österreicher. Die
Leistungen des Franzosen bezeichnete er gut und auch in Amerika zeige er immer
wieder, dass er ein guter Fahrer sei. "Er gewinnt eine Meisterschaft nach der
anderen, also haben wir ein Gesamtbild von ihm, das uns zuversichtlich mach,
da er theoretisch in der Formel 1 einen guten Job machen kann."
Berger gab aber auch zu, dass man erst im kommenden Jahr wirklich wissen
werde, wie gut Bourdais wirklich ist, nachdem er einige Zeit beim Team war und
sich eingewöhnt hat. "Bislang war er sehr gut, wie er mit den Mechanikern
gearbeitet hat und auch wie er das Auto über Longruns gefahren ist. Wir
erwarten also, dass er hierher kommt und beweist, dass er das machen kann, was
wir von ihm erwarten", sagte Berger.
Anders als bei Toro Rosso ist bei Renault noch keine offizielle
Fahrerentscheidung gefallen und an diesem Wochenende wird wohl auch keine
fallen. "Wir arbeiten daran und vielleicht gibt es vor Japan etwas,
vielleicht. Denn wir glauben, dass wir genau schauen müssen, was passiert und
dann müssen wir entscheiden. Im Moment sind wir nicht wirklich bereit." In der
GP2 sieht Briatore jedenfalls keinen Fahrer, der ihn ansprechen würde, da es
in diesem Jahr keinen Hamilton oder Piquet gibt, die 2006 überlegen waren und
gegeneinander gekämpft haben.
"Dieses Jahr ist es viel ausgeglichener, es ist schwer. Ich sehe in diesem
Jahr niemanden, der in der GP2 ein starker Sieger ist. Man sieht es auch an
den Punkten; es gibt drei oder vier Fahrer, die praktisch gleich sind. Wir
sehen keinen Hamilton, keinen Piquet, keinen Kovalainen oder Rosberg." Was er
auch noch entgegentrat, war das Gerücht, wonach Fernando Alonso durch das
Urteil am Donnerstag nun wieder zu Renault kommen könnte. "Die Tatsache, dass
der World Council seine Entscheidung getroffen hat, kann hier jeder
akzeptieren und wir machen mit dem Geschäft weiter. Ich glaube keine Sekunde,
dass die Entscheidung gestern einen Einfluss auf Alonso, die Fahrer oder uns
haben wird. Es hat mit uns nichts zu tun."