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Fussball: "Ich setze mich nicht unter Druck" | 2007-09-15


Mit seinem Tor in der Nachspielzeit beim 2:1-Sieg gegen St. Pauli schoss Stefan Reisinger die SpVgg Greuther Fürth auf den 2. Tabellenplatz. Für den Angreifer war es bereits der dritte Saisontreffer.

Im Interview mit bundesliga.de erklärt er das Erfolgsgeheimnis der Franken und welche Ziele er sich für diese Saison gesetzt hat.

bundesliga.de: Herr Reisinger, was sind die Gründe für den derzeitigen Fürther Höhenflug?

Stefan Reisinger: Wir haben versucht, die Philosophie des neuen Trainers Bruno Labaddia umzusetzen. In der Vorbereitung haben wir konzentriert gearbeitet und uns in eine gute körperliche Verfassung gebracht. Durch die Auftaktsiege steigt natürlich das Selbstvertrauen. Außerdem haben wir im Moment eine gute Stimmung in der Mannschaft. Sicher läuft noch nicht alles rund, es gibt immer Sachen, die wir noch verbessern können. Allerdings sind ja auch erst vier Spieltage vorbei.

bundesliga.de: Was lautet denn die Philosophie von Labbadia?

Reisinger: Der Trainer ist natürlich sehr ehrgeizig und will jedes Spiel gewinnen. Als ehemaliger Stürmer lässt er einen offensiven, attraktiven Fußball spielen. Sicher kommt es unterm Strich auch auf die Ergebnisse an, aber die stimmen ja zur Zeit.

bundesliga.de: Vor der Saison gab es viele Zu- und Abgänge am Ronhof. Sind die neuen Spieler schon gut aufgenommen?

Reisinger: In Fürth ist das mit der Integration generell etwas einfacher, sprachliche Probleme gibt es kaum, da wir sehr viele deutsche Spieler im Kader haben. Wir sind eine junge Truppe, liegen alle auf einer Wellenlänge und haben viel Spaß. Das zeigen wir ja auch auf dem Spielfeld.

bundesliga.de: Beim Sieg gegen St. Pauli war aber auch etwas Glück dabei, oder?

Reisinger: Wir wussten, dass das eine schwierige Partie wird. St. Pauli stand sehr kompakt und hat versucht, mit Kontern zum Erfolg zu kommen. Das ist ihnen sehr gut gelungen, sie haben uns oft in Verlegenheit gebracht und sind verdient in Führung gegangen. Aber wir haben immer an unsere Chance geglaubt, vor allem nach dem Ausgleich kurz vor der Halbzeit. Der war sehr wichtig für unsere Moral. Etwas Glück gehört immer dazu, aber im zweiten Durchgang waren wir die engagiertere Mannschaft und sind kurz vor Schluss mit dem Siegtor belohnt worden.

bundesliga.de: Auch dank Ihres Treffers, gegen den Aufsteiger gelang Ihnen bereits Ihr drittes Saisontor. Woran liegt's?

Reisinger: Ich hatte eine sehr gute Vorbereitung, konnte das komplette Programm mitmachen und bin körperlich in einer sehr guten Verfassung. Gegen St. Pauli habe ich zum ersten Mal von Anfang an gespielt und wollte zeigen, dass ich nicht nur als Joker Tore schießen kann. Manchmal muss ein Stürmer 90 Minuten für sein Glück kämpfen, und ich bin am Sonntag für meinen Einsatz belohnt worden.

bundesliga.de: Peilen Sie eine bestimmte Anzahl an Toren an?

Reisinger: Nein, ich hab meine Sichtweise auf diese Dinge etwas verändert. Mit den Jahren bin ich reifer und erfahrener geworden und setze mich selbst nicht mehr so stark unter Druck wie früher, etwa zu meiner Zeit beim TSV 1860 München. Stürmer werden natürlich an Toren gemessen, das ist mir klar, aber ich will einfach zeigen, was ich als Fußballer drauf habe, und bin momentan auf einem guten Weg.

bundesliga.de: Welchen Anteil hat die Abwehr am momentanen Erfolg? Bislang kassierte Fürth erst zwei Gegentore.

Reisinger: Einen großen Anteil. Der Trainer legt großen Wert darauf, dass wir als Mannschaft kompakt stehen. Die Defensive fängt im Sturm an, und als Angreifer muss man schon ganz vorne attackieren, um hinten so wenige Chancen wie möglich zuzulassen.

bundesliga.de: Welche Rolle spielt der neue Torwart Sascha Kirschstein?

Reisinger: Mit ihm haben wir einen sehr guten und erfahrenen Torwart, der auch schon in der Champions League gespielt hat und in der Abwehr Ruhe ausstrahlt. Wir sind froh, einen wie ihn zwischen den Pfosten stehen zu haben, und auch als Typ passt er gut bei uns rein.

bundesliga.de: Gibt es einen "Leitwolf" im Team?

Reisinger: Im Moment überzeugen wir durch unsere mannschaftliche Geschlossenheit. Aber es gibt im Spiel natürlich immer wieder Situationen, wo sich einzelne Spieler besonders in Szene setzen, wie zum Beispiel Martin Lanig, der am Sonntag gegen St. Pauli das wichtige 1:1 erzielt hat.

bundesliga.de: Wie "verärgert" waren Sie über die Pause aufgrund der Länderspiele?

Reisinger: Die Länderspielpause kommt uns nur in der Hinsicht entgegen, dass einige Spieler mit leichten Blessuren in ein, zwei Wochen wieder fit sind. Aber eigentlich ist es schade, dass wir nicht direkt weiterspielen können, da wir gerade einen guten Rhythmus gefunden haben und relativ erfolgreich sind.

bundesliga.de: Die nächsten Gegner heißen 1. FC Köln und Alemannia Aachen. Denken Sie bei einem erfolgreichen Verlauf der Spiele vielleicht schon an höhere Ziele?

Reisinger: Eine Tendenz lässt sich erst nach neun oder zehn Spieltag ausmachen. Wir haben in Fürth schon so einige Dinge erlebt, daher bin ich vorsichtig mit allzu optimistischen Prognosen. Ich mache mir zwar meine Gedanken, aber die behalte ich lieber für mich. Es sind erst vier Spieltage vorbei, da sollten wir den Ball flach halten.

bundesliga.de: Könnte der geringe Altersdurchschnitt der Spielvereinigung irgendwann zum Nachteil werden?

Reisinger: Wir haben wirklich einen ziemlich jungen Haufen zusammen, in dem ich mit knapp 26 Jahren schon einer der Ältesten bin. Die Entwicklung muss man einfach abwarten. Es wird Rückschläge geben, hoffentlich nicht allzu schnell, und dann wird sich zeigen, wie gefestigt die Mannschaft ist. Aber der Trainer wird das schon hinkriegen.



Quelle: bundesliga.de