Mit seinem Tor in der Nachspielzeit beim 2:1-Sieg gegen St. Pauli schoss Stefan Reisinger die SpVgg Greuther Fürth auf den 2. Tabellenplatz. Für den Angreifer war es bereits der dritte Saisontreffer.
Im Interview mit bundesliga.de erklärt er das Erfolgsgeheimnis der
Franken und welche Ziele er sich für diese Saison gesetzt hat.
bundesliga.de: Herr Reisinger, was sind die Gründe für den derzeitigen
Fürther Höhenflug?
Stefan Reisinger: Wir haben versucht, die Philosophie des neuen Trainers
Bruno Labaddia umzusetzen. In der Vorbereitung haben wir konzentriert gearbeitet
und uns in eine gute körperliche Verfassung gebracht. Durch die Auftaktsiege
steigt natürlich das Selbstvertrauen. Außerdem haben wir im Moment eine gute
Stimmung in der Mannschaft. Sicher läuft noch nicht alles rund, es gibt immer
Sachen, die wir noch verbessern können. Allerdings sind ja auch erst vier
Spieltage vorbei.
bundesliga.de: Was lautet denn die Philosophie von Labbadia?
Reisinger: Der Trainer ist natürlich sehr ehrgeizig und will jedes Spiel
gewinnen. Als ehemaliger Stürmer lässt er einen offensiven, attraktiven Fußball
spielen. Sicher kommt es unterm Strich auch auf die Ergebnisse an, aber die
stimmen ja zur Zeit.
bundesliga.de: Vor der Saison gab es viele Zu- und Abgänge am Ronhof.
Sind die neuen Spieler schon gut aufgenommen?
Reisinger: In Fürth ist das mit der Integration generell etwas einfacher,
sprachliche Probleme gibt es kaum, da wir sehr viele deutsche Spieler im Kader
haben. Wir sind eine junge Truppe, liegen alle auf einer Wellenlänge und haben
viel Spaß. Das zeigen wir ja auch auf dem Spielfeld.
bundesliga.de: Beim Sieg gegen St. Pauli war aber auch etwas Glück dabei,
oder?
Reisinger: Wir wussten, dass das eine schwierige Partie wird. St. Pauli
stand sehr kompakt und hat versucht, mit Kontern zum Erfolg zu kommen. Das ist
ihnen sehr gut gelungen, sie haben uns oft in Verlegenheit gebracht und sind
verdient in Führung gegangen. Aber wir haben immer an unsere Chance geglaubt,
vor allem nach dem Ausgleich kurz vor der Halbzeit. Der war sehr wichtig für
unsere Moral. Etwas Glück gehört immer dazu, aber im zweiten Durchgang waren wir
die engagiertere Mannschaft und sind kurz vor Schluss mit dem Siegtor belohnt
worden.
bundesliga.de: Auch dank Ihres Treffers, gegen den Aufsteiger gelang
Ihnen bereits Ihr drittes Saisontor. Woran liegt's?
Reisinger: Ich hatte eine sehr gute Vorbereitung, konnte das komplette
Programm mitmachen und bin körperlich in einer sehr guten Verfassung. Gegen St.
Pauli habe ich zum ersten Mal von Anfang an gespielt und wollte zeigen, dass ich
nicht nur als Joker Tore schießen kann. Manchmal muss ein Stürmer 90 Minuten für
sein Glück kämpfen, und ich bin am Sonntag für meinen Einsatz belohnt worden.
bundesliga.de: Peilen Sie eine bestimmte Anzahl an Toren an?
Reisinger: Nein, ich hab meine Sichtweise auf diese Dinge etwas
verändert. Mit den Jahren bin ich reifer und erfahrener geworden und setze mich
selbst nicht mehr so stark unter Druck wie früher, etwa zu meiner Zeit beim TSV
1860 München. Stürmer werden natürlich an Toren gemessen, das ist mir klar, aber
ich will einfach zeigen, was ich als Fußballer drauf habe, und bin momentan auf
einem guten Weg.
bundesliga.de: Welchen Anteil hat die Abwehr am momentanen Erfolg?
Bislang kassierte Fürth erst zwei Gegentore.
Reisinger: Einen großen Anteil. Der Trainer legt großen Wert darauf, dass
wir als Mannschaft kompakt stehen. Die Defensive fängt im Sturm an, und als
Angreifer muss man schon ganz vorne attackieren, um hinten so wenige Chancen wie
möglich zuzulassen.
bundesliga.de: Welche Rolle spielt der neue Torwart Sascha Kirschstein?
Reisinger: Mit ihm haben wir einen sehr guten und erfahrenen Torwart, der
auch schon in der Champions League gespielt hat und in der Abwehr Ruhe
ausstrahlt. Wir sind froh, einen wie ihn zwischen den Pfosten stehen zu haben,
und auch als Typ passt er gut bei uns rein.
bundesliga.de: Gibt es einen "Leitwolf" im Team?
Reisinger: Im Moment überzeugen wir durch unsere mannschaftliche
Geschlossenheit. Aber es gibt im Spiel natürlich immer wieder Situationen, wo
sich einzelne Spieler besonders in Szene setzen, wie zum Beispiel Martin Lanig,
der am Sonntag gegen St. Pauli das wichtige 1:1 erzielt hat.
bundesliga.de: Wie "verärgert" waren Sie über die Pause aufgrund der
Länderspiele?
Reisinger: Die Länderspielpause kommt uns nur in der Hinsicht entgegen,
dass einige Spieler mit leichten Blessuren in ein, zwei Wochen wieder fit sind.
Aber eigentlich ist es schade, dass wir nicht direkt weiterspielen können, da
wir gerade einen guten Rhythmus gefunden haben und relativ erfolgreich sind.
bundesliga.de: Die nächsten Gegner heißen 1. FC Köln und Alemannia
Aachen. Denken Sie bei einem erfolgreichen Verlauf der Spiele vielleicht schon
an höhere Ziele?
Reisinger: Eine Tendenz lässt sich erst nach neun oder zehn Spieltag
ausmachen. Wir haben in Fürth schon so einige Dinge erlebt, daher bin ich
vorsichtig mit allzu optimistischen Prognosen. Ich mache mir zwar meine
Gedanken, aber die behalte ich lieber für mich. Es sind erst vier Spieltage
vorbei, da sollten wir den Ball flach halten.
bundesliga.de: Könnte der geringe Altersdurchschnitt der Spielvereinigung
irgendwann zum Nachteil werden?
Reisinger: Wir haben wirklich einen ziemlich jungen Haufen zusammen, in
dem ich mit knapp 26 Jahren schon einer der Ältesten bin. Die Entwicklung muss
man einfach abwarten. Es wird Rückschläge geben, hoffentlich nicht allzu
schnell, und dann wird sich zeigen, wie gefestigt die Mannschaft ist. Aber der
Trainer wird das schon hinkriegen.
Quelle: bundesliga.de
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