Lucien Favre ist seit Saisonbeginn neuer Trainer bei Hertha BSC Berlin. Der Schweizer Erfolgs-Coach über seine Pläne im bundesliga.de-Interview.
Mit Lucien Favre soll nach den letzten wenig befriedigenden Ergebnissen der
vergangenen Jahre ein Neuanfang beim Hauptstadtclub gemacht werden. 13 Spieler
gingen, sechs neue und einige Rückkehrer bilden jetzt das Gerüst für den Coach,
der in der Schweiz sehr erfolgreich gearbeitet hatte.
bundesliga.de: Lucien Favre, wie gefällt ihnen die Arbeit in der
Bundesliga bislang?
Lucien Favre: Es gefällt mir sehr, sehr gut. Für mich als Trainer bleibt
es auf dem Platz ziemlich gleich, aber in Deutschland ist es etwas ganz anders.
Das ist eine ganz andere Stimmung in der Bundesliga, die Leute haben Fußball
sehr gern. In der Schweiz auch, aber ein Vergleich mit der Schweiz ist
schwierig.
bundesliga.de: Wie beschreiben Sie denn ihre Fußballphylosphie als
Trainer?
Favre: Als Spieler habe ich fast jede Position gespielt: Stürmer,
Mittelfeldspieler, Innenverteidiger – deshalb habe ich auch sehr gerne
polyvalente Spieler. Aber es ist im Leben wie im Fußball dasselbe: es geht immer
schneller und schneller, deshalb musst du Spieler haben die schnell sind, die
beidfüßig sind und wenn sie das schon mitbringen kannst du auch schneller
spielen.
bundesliga.de: Hertha BSC befindet sich im Umbruch. Muss das Umfeld,
müssen die Fans auch ein bisschen Geduld haben?
Favre: Ja, mein Ziel ist es, ein Mannschaft aufzubauen, die einmal um den
Titel mitspielen kann. Aber klar ist auch, dass man ein bisschen Zeit und Geduld
braucht. Bei meiner letzten Station in Zürich haben wir es zum Beispiel so
gemacht, dass wir alle sechs Monate ein oder zwei neue Spieler verpflichtet
haben – und nach eineinhalb, zwei Jahren war die Mannschaft komplett und wir
haben zweimal nacheinander den Titel geholt. Es braucht einfach Zeit. (auf
Französisch): Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden!
bundesliga.de: Insofern arbeiten Sie auch in Gedanken schon jetzt auf ein
oder zwei neue Spieler hin, die dann dazukommen können?
Favre: Als Trainer habe ich zwei Philosophien. Erstens: du musst immer
bereit sein, deinen Koffer zu packen – und zweitens: die Spieler sind das
Wichtigste! Aber ich arbeite so, als würde ich zehn Jahre hier bleiben.
bundesliga.de: Sie haben in Interviews gesagt: Berlin ist eine große
Herausforderung für mich. Inwieweit sind Sie mit dem Resultat bisher zufrieden?
Favre: Ja, die Bundesliga ist eine große Herausforderung. Ich komme aus
der Schweiz und wir, Marcel Koller vom VfL Bochum und ich, haben die Chance
bekommen in der Bundesliga zu trainieren. Und es ist klar, es ist etwas Anderes.
Die Bundesliga ist eine der besten Ligen in der Welt. Es gibt viel
Medieninteresse, die Stadien sind voll und ich trainiere Hertha BSC Berlin, den
Club aus der Hauptstadt – eine sehr interessante Stadt mit viel Geschichte. Auch
deshalb ist es eine sehr große Herausforderung.
bundesliga.de: Stimmt es denn, dass sie als Spieler bei Servette Genf in
der Schweiz zusammen mit Karl-Heinz Rummenigge auf dem Zimmer waren?
Favre: Ja, wir haben eineinhalb Jahre zusammen gespielt und wir waren
zusammen auf einem Zimmer. Und wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden.
Das ist für mich eine sehr gute Erinnerung!
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