Düsseldorf - Hochmut kommt vor dem Fall: Wenige Tage vor dem Champions-League-Auftakt haben sich Werder Bremen und der Hamburger SV in der deutschen Fußball-Provinz blamiert und sind sensationell in der ersten DFB-Pokalrunde bei Regionaligisten gescheitert.
Vizemeister Bremen unterlag bei den Amateuren des FK Pirmasens mit 2:4 im Elfmeterschießen. Der Nordrivale HSV verlor beim Regionalliga-Tabellenführer Stuttgarter Kickers mit 3:4 nach Verlängerung. Als dritter Erstligist schied Energie Cottbus durch die 0:1-Schlappe beim Zweitliga-Aufsteiger Rot-Weiß Essen aus.
Die Zweitligisten TSV 1860 München und FC Hansa Rostock scheiterten, Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg entging knapp einer Blamage. Die Niedersachsen gewannen mit Mühe 3:1 beim Verbandsligisten FC Bremerhaven. Für die Münchner war nach dem 0:1 beim Regionalligisten VfB Lübeck Endstation, die Rostocker verloren beim Oberligisten SV Babelsberg mit 1:2. Problemlos entledigte sich dagegen Borussia Mönchengladbach seiner Aufgabe. Auch der 1. FC Köln, der MSV Duisburg und die SpVgg Unterhaching kamen weiter.
Stürmer Diego Klimowicz rettete die Wolfsburger mit seinen beiden Treffern kurz vor Schluss (86./89.) vor der Verlängerung. Der VfL war dank eines Elfmeter-Treffers von Kevin Hofland (17.) zwar in Führung gegangen. Doch Yusuf Sahin (36.) glich für Bremerhaven noch vor der Pause aus und ließ den Außenseiter lange von der Sensation träumen.
Wolfsburgs Ligarivale Mönchengladbach gewann dank der drei Treffer von Vaclav Sverkos (14./43./74.) ohne Mühe beim fünftklassigen SV Roßbach schnell die Weichen auf Sieg. Das vierte Tor für die Gäste steuerte Zé Antonio (26.) bei. Den Ehrentreffer für den Rheinlandligisten erzielte Martin Köhns (73.).
Ausgeschieden ist dagegen Zweitligist 1860 München, der in der vergangenen Saison erst im Pokal-Viertelfinale an Eintracht Frankfurt gescheitert waren. Lübecks Angreifer Dustin Heun erzielte in der 30. Minute das Tor des Tages für die Gastgeber. Die Rostocker gerieten in Babelsberg durch Treffer von Jan Mutschler (34.) und Patrick Moritz (66.) 0:2 in Rückstand. Mehr als das Anschlusstor von Zafer Yelen (69.) gelang den Hanseaten nicht.
Bis zum Schluss zittern mussten dagegen die Kölner, ehe das 2:1 beim Ligarivalen Carl-Zeiss Jena feststand. Adil Chihi sorgte mit zwei Treffern (21./29.) für eine 2:0-Führung der Gäste. Doch Holger Hasse (66.) ließ den Außenseiter noch einmal hoffen.
Ein Eigentor des Ahleners Edwin Badiako (57.) bescherte den Duisburgern den Einzug in die nächste Runde. Zuvor hatte Ivica Grilic (37.) das 1:0 für den MSV erzielt, Musemestre Bamba glich für den Regionalligisten Rot-Weiß Ahlen mit dem Pausenpfiff aus. Unterhaching feierte dank der Treffer von Robert Lechleiter (22.), Michal Kolomaznik (55.) und Miroslaw Spizak (84.) zu einem ungefährdeten Erfolg beim Oberligisten SSVg Velbert.
Nur mit Mühe und viel Glück konnten Titelverteidiger Bayern München mit dem 2:1 nach Verlängerung beim Regionalligisten FC St. Pauli sowie die Profis von Bayer Leverkusen, die sich erst mit 3:1 im Elfmeterschießen beim Zweitliga-Aufsteiger TuS Koblenz durchsetzten, ähnliche Pleiten verhindern. Ich bin froh, dass wir noch gewonnen haben, sonst hätten wir uns eine Menge Kritik eingehandelt, sagte Coach Michael Skibbe mit Blick auf das UEFA-Cup-Spiel beim FC Sion. Dank des 2:2-Ausgleichs von Bernd Schneider (115.) hatte sich Bayer ins Elfmeterschießen gerettet.
Auch das Starensemble von Felix Magath musste in der Neuauflage des Vorjahres-Halbfinales am Millerntor lange zittern, ehe ausgerechnet ein Eigentor des bis dato überragenden Hamburger Schlussmanns Patrik Borger (105.) für Erlösung beim Rekordpokalsieger sorgte. Man muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass man es mit Amateuren zu tun hat. Auch St. Pauli trainiert unter Profibedingungen, entschuldigte Magath den mageren Auftritt seiner Elf vor dem Start in die Königsklasse gegen Spartak Moskau. Allein Lukas Podolski zeigte mit seinem ersten Tor für die Bayern zum 1:1 (46.) ansteigende Form und empfahl sich für einen Platz in der Startelf. Er war unser effektivster Spieler, lobte Magath.
Das war eine Blamage, gestand Werders Sportdirektor Klaus Allofs nach der ersten Auftaktniederlage des fünfmaligen Pokalsiegers seit 12 Jahren. Zwar konnte Ivan Klasnic (83.) im Sportpark Husterhöhe die Führung durch Tobias Zellner (64.) ausgleichen. Doch im Elfmeterschießen wurde der Pirmasenser Ersatztorhüter Reiner Schwartz zum Helden, als er gegen Klasnic und Hugo Almeida parierte und dem großen Favoriten vor dem Champions-League-Spiel an der Stamford Bridge die Laune verdarb. Es reicht nicht nur, den Anspruch zu haben, erste Wahl zu sein. Man muss es auch zeigen, sagte Trainer Thomas Schaaf erbost.
Genauso schief hängt der Haussegen beim HSV vor dem Spiel gegen den FC Arsenal. Das selbst verschuldete Aus bei den Kickers trieb Trainer Thomas Doll die Zornesröte ins Gesicht. Zwar konnte sein ohne fünf Stammspieler angetretenes Team einen 0:2- Rückstand zwischenzeitlich in eine 3:2-Führung verwandeln, doch Recep Yildiz erzwang in der 89. Minute die Verlängerung. Christian Okpala machte mit einem verwandelten Foulelfmeter (96.) die schwäbische Sensation perfekt. Wir waren völlig arrogant und haben uns das selbst zuzuschreiben, schimpfte Doll und kündigte Konsequenzen an: Der ein- oder andere Spieler wird das zu spüren bekommen.
Weitere Überraschungen blieben aus, auch wenn sich die Favoriten zum Teil schwer taten. So empfand BVB-Trainer Bert van Marwijk den 3:0-Sieg bei der fünftklassigen TSG Thannhausen aus Bayern als 90- minütige Qual. Bundesliga-Spitzenreiter 1. FC Nürnberg kam zu einem mühsamen 1:0 beim niedersächsischen Oberligisten BV Cloppenburg. Vorsaion-Finalist Eintracht Frankfurt setzte sich mit 2:0 beim Regionalligisten SF Siegen, der VfB Stuttgart mit 4:0 bei Alemannia Aachen II durch. Die ersten Erfolgserlebnisse der Spielzeit feierten der VfL Bochum (2:1 beim Oberligisten FC Homburg) und Erstliga- Schlusslicht Hannover 96. Noch ohne den neuen Cheftrainer Dieter Hecking gewannen die Niedersachsen mit 3:2 beim Regionalligisten Dynamo Dresden. Die souveränste Vorstellung aller Eliteclubs bot der FC Schalke 04. Der Revierclub ließ mit dem 9:1-Schützenfest bei Hansa Rostock II nichts anbrennen und schoss sich für das UEFA-Cup-Spiel gegen AS Nancy ein.
Drei Zweitligisten sind schon ausgeschieden: Neben Koblenz erwischte es den FC Augsburg (3:4 n.V. gegen Wacker Burghausen) und Eintracht Braunschweig. Die Niedersachsen, die vor einem Jahr Borussia Dortmund in der ersten Runde düpiert hatten, verloren beim klassentieferen VfL Osnabrück mit 1:3. Der VfL ist neben den Kickers und Pirmasens der dritte Regionalligist, der den Sprung in die 2. Runde schaffte.
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