Wolfsburg/Hannover - Dieter Hecking hat zwar bereits am 12. September seinen 42. Geburtstag gefeiert. Das größte Geschenk will sich der neue Trainer vom Fußball-Bundesligisten Hannover 96 aber erst drei Tage später abholen: Einen Punkt oder sogar mehr beim VfL Wolfsburg.
Schön wärs. Ich habe versucht, die Mannschaft richtig einzustellen, um die schwarze Serie zu beenden, sagte Hecking vor dem Landesderby. Viel Zeit dafür hatte der Wunschkandidat des jetzt auch zum Geschäftsführer bestellten starken 96-er-Mannes Martin Kind nicht. Sechs Trainingseinheiten in fünf Tagen und diverse Einzelgespräche mussten genügen, um die nach drei Niederlagen auf dem letzten Tabellenplatz rangierenden Hannoveraner mental aufzurichten. Die Lage ist relativ entspannt. Jeder trainiert engagiert und will sich zeigen, schilderte der neue Coach, zu aktiven Zeiten jahrelang selbst ein Roter, seine ersten Eindrücke.
Nach 36 Bundesliga-Spielen auf dem Rasen und dreien auf der Bank sieht Hecking seinem Trainer-Einstand für Hannover 96 mit einer gewissen Vorfreude, aber nicht übernervös entgegen. Wir wollen in Wolfsburg nichts verwalten, sondern selbst agieren. Das sollte unsere Grundausrichtung sein. So sieht er die Lage vor dem neunten Aufeinandertreffen beider Landesrivalen in Liga eins, bei deren vier es in Wolfsburg für die Hannoveraner bisher nichts zu holen gab.
Und auch vor dem fünften Duell in der VW-Stadt ist die Ausgangslage nicht eben problemlos. In der Abwehr, die schon elf Gegentore hinnehmen musste, fehlt in dem gesperrten Routinier Michael Tarnat ein Stabilitätsfaktor. Dafür gab es in Sachen Hanno Balitsch Entwarnung. Der Mittelfeldspieler hat zuletzt mit der Mannschaft trainiert, nachdem sein Mitwirken zuvor wegen Rückenproblemen stark in Frage gestanden hatte. Ich gehe davon aus, dass er spielt, sagte Hecking nach der Übungseinheit. Er gibt dem unter seinem Vorgänger Peter Neururer ausgemusterten Angreifer Thomas Brdaric wieder eine Chance, nachdem der sich mit einem Tor im DFB-Pokal bei Dynamo Dresden (3:2) empfohlen hat.
Brdaric ehemaliger Weggefährte Diego Klimowicz traf in Bremerhaven (3:1) sogar gleich zwei Mal, nachdem er in der Liga wie seine Sturmkollegen bisher totale Ladehemmungen hatte. Torhüter Simon Jentzsch weiß nicht so recht warum und behauptet: Jeder von uns ist in der Lage, ein Tor zu schießen. Trainer Klaus Augenthaler muss nach den Eindrücken der laufenden Saison allerdings einen anderen Eindruck haben und fordert von seinen seit 200 Tagen daheim sieglosen Mannen: Wir müssen von der ersten Minute zeigen, wer hier Herr im Hause ist.
Augenthaler fehlen weiter die Langzeitverletzten Marian Hristov, Peter Van der Heyden und Facundo Quiroga. Ob Angreifer Isaac Boakye erstmals in dieser Saison zum Kader zählt, entscheidet sich erst kurzfristig. Er muss sich sicher sein, sonst nützt es nichts, erklärte der 49 Jahre alte Fußball-Lehrer.
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