Hamburg - Die krisengeschüttelten Nordvereine Werder Bremen und Hamburger SV haben den Befreiungsschlag in der Fußball-Bundesliga verpasst. Im Nord-Derby trennten sich die Champions-League-Teilnehmer vor 57 000 Zuschauern in der ausverkauften AOL-Arena 1:1 (0:0).
Tim Borowski hatte die Bremer in der 58. Minute in Führung gebracht, HSV-Abwehrspieler Bastian Reinhardt schaffte per Kopf nach einem Eckball den Ausgleich (69.). Für beide Teams ist das Remis zu wenig. Die Hamburger sind nunmehr seit neun Pflichtspielen ohne Sieg, Werder holte sich nach vier Pflichtspiel-Niederlagen in Serie mit dem Punktgewinn zumindest Hoffnung auf Besserung. Die Hamburger mussten die letzten 16 Minuten ohne Mehdi Mahdavikia auskommen. Der Iraner sah wegen groben Foulspiels gegen Diego die Rote Karte (74.).
Seit dreieinhalb Jahren warten Spieler und Fans des HSV nun schon auf einen Sieg gegen Werder (Februar 2003: 1:0). Insbesondere für das bittere 1:2 im Abschlussspiel der vergangenen Saison, das Werder Platz zwei einbrachte und den HSV in die Qualifikation für die Champions League zwang, wollten die Gastgeber Revanche nehmen. Mit einer Gardinenpredigt hatte Trainer Thomas Doll Mitte der Woche seine Spieler auf den Ernst der Lage hingewiesen. Zumindest das Engagement stimmte. Das Leistungsniveau ließ allerdings zu wünschen übrig. Das war zu wenig, kritisierte HSV-Mittelfeldspieler David Jarolim. Wir wollten gewinnen.
Im 85. Nordderby dominierte lange Zeit der Kampf. Beide Teams gingen aggressiv zu Werke, attackierten den ballführenden Spieler früh und ergingen sich in brotlosen Zweikämpfen. Torchancen blieben Mangelware. Das erste Achtungszeichen setzten die Gäste, die auf den verletzten Torjäger Miroslav Klose und erneut auf Verteidiger Per Mertesacker verzichten mussten. Naldo prüfte HSV-Schlussmann Sascha Kirschstein mit einem Fernschuss (14.). Der Torwart ließ den Ball ebenso prallen wie neun Minuten später bei einem Diego-Fernschuss und hinterließ dabei nicht den sichersten Eindruck. HSV-Trainer Doll war dennoch nicht unzufrieden. Die Art und Weise, wie sich die Mannschaft präsentiert hat, stimmt mich zuversichtlich.
Die Hamburger hatten zumindest in den ersten 45 Minuten die besseren Chancen. Danijel Ljuboja (23.) und Vincent Kompany (29.) vergaben in aussichtsreicher Position, David Jarolim erzielte ein Abseitstor (34.). Nach dem Seitenwechsel drosch Boubacar Sanogo (55.) den Ball aus zehn Metern über das leere Tor. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, lautete das Fazit von Werder-Trainer Thomas Schaaf. Die Mannschaft hat viele Dinge, die wir besprochen haben, gut angenommen.
Die Gäste, denen Schaaf gleich zwei Mal binnen einer Woche ins Gewissen geredet hatte, blieben erneut den Nachweis ihrer Offensiv- Qualitäten schuldig. Zwar stand Mittelfeld-Antreiber Torsten Frings wieder zur Verfügung, doch die nötigen Impulse konnte auch der Nationalspieler seiner Mannschaft nicht verleihen.
Bei den Hamburgern gab Hoffnungsträger Juan Pablo Sorin ein gelungenes Debüt. Der ehemalige Kapitän der argentinischen Nationalmannschaft belebte das Angriffsspiel auf der linken Seite. Er spielt sehr intelligent. Es hat Hand und Fuß, was er macht, lobte HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer den knapp drei Millionen Euro teuren Neuzugang. Und Doll ergänzte: An ihm werden wir noch viel Freude haben.
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