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WM-Torflaute: Bundesliga-Trainer gegen Reformen | 2006-07-10


Berlin - Bei König Fußball regierte der Tor-Geiz. Mit im Schnitt lediglich 2,29 Treffern pro Spiel sah Deutschland 2006 die zweittorärmste Endrunde der WM-Geschichte. Trotz der mageren Ausbeute stimmen die Vertreter der Fußball-Bundesliga nahezu einträchtig gegen Reformen.

Unsere Regeln sind gut, die müssen nicht geändert werden. Die WM hat gezeigt, dass auch enge und torarme Spiele sehr spannend sein können, sagte der Ex- Bundestrainer und heutige Bundesliga-Coach Michael Skibbe von Bayer Leverkusen.

Regeländerungen wie zum Beispiel größere Tore sind völliger Blödsinn, pflichtete Jürgen Klopp von Mainz 05 seinem Kollegen bei. Er forderte die Nationaltrainer auf, wieder mehr Mut zur Offensive zu haben. Von den Spitzenteams hat nur Deutschland mit zwei Spitzen gespielt. Wenn keine Stürmer da sind, kann man auch nicht offensiv spielen. Bert van Marwijk (Borussia Dortmund) sah auch die am Ende mit Platz drei belohnte deutsche Mannschaft, die in ihren sieben Spielen mit immerhin 14 Treffern die meisten Tore aller 32 WM- Teilnehmer erzielt hat, als Trendsetter an: Die DFB-Elf hat vorgemacht, wie es geht. Die Mannschaften müssen mutiger agieren.

Allerdings habe die WM bewiesen, dass Erfolge über eine gute Defensive eingefahren werden, betonte Arminia Bielefelds Thomas von Heesen. Einige Spiele waren fast wie Schach. Je weniger Teams noch im Wettbewerb sind, desto weniger Tore fallen. Das war im Fußball schon immer so, sagte Klaus Augenthaler, Weltmeister von 1990 und nun Coach des VfL Wolfsburg. Den letzten Beweis lieferten im Finale der neue Champion Italien und Frankreich, die nach zwei frühen Toren immer mehr taktierten und schließlich das Elfmeterschießen erzwangen.

Und in der Tat ging die Tor-Quote im WM-Verlauf von 2,52 (Vorrunde) über 2,35 (Achtel-) und 2,30 (Viertelfinale) immer weiter zurück. Thomas Doll (Hamburger SV) erkennt dabei aber auch einen positiven Aspekt: Es spricht für die Qualität der Defensiv-Leistungen. Die Teams spielen sehr kompakt, sind taktisch hervorragend geschult und zeigen hohe Disziplin.

Der Ex-Schalker Ralf Rangnick, sein Nachfolger Mirko Slomka und Jupp Heynckes erkannten zudem den Teamgeist als Erfolgskriterium dieser WM: Die vier Halbfinalisten zeichneten sich vor allem durch ihren internen Zusammenhalt aus - ganz im Gegensatz zu Brasilien und England, sagte Rangnick. Nicht die Superstars wie Ronaldinho haben dieser WM den Stempel aufgedrückt, sondern das Kollektiv. Auch der Gladbacher Coach meinte: Die Top Vier haben vom Kollektiv gelebt.


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