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Katzenjammer statt Aufbruchstimmung beim BVB | 2007-08-13


Dortmund - Kurz vor Spielbeginn gab es vollmundige Sprüche, nach dem Schlusspfiff nur noch kleinlaute Erklärungsversuche. Die desolate Vorstellung beim 1:3 (0:1) gegen den frechen Aufsteiger MSV Duisburg riss Profis und Anhänger von Borussia Dortmund abrupt aus allen Träumen.

Bereits zehn Minuten vor Schluss ergriffen tausende Fans die Flucht aus dem Stadion - maßlos enttäuscht über den tiefen Fall ihres hochgehandelten Teams. Der Stimmungsumschwung machte auch Mittelfeldspieler Sebastian Kehl sichtlich zu schaffen: Die Euphorie ist den Bach runtergegangen. Das war eine bittere Pille.

Die einleitenden Worte von Stadionsprecher Norbert Dickel, dass die Borussia beim Kampf um die Meisterschaft ein gewichtiges Wörtchen mitreden wird, entpuppten sich binnen weniger Minuten als absurdes Wunschdenken. Fassungslos musste Trainer Thomas Doll mit ansehen, wie sein Team alle guten Vorsätze außer Acht ließ. Viel erinnerte an den Gruselfußball der Vorsaison, als vor heimischer Kulisse nur sechs Siege gelangen. Sportdirektor Michael Zorc ließ mächtig Dampf ab: Wir haben Larifari-Fußball gespielt - und das nach den schlimmen Erfahrungen, die wir in der vergangenen Spielzeit machen mussten.

Büffel Manasseh Ishiaku nahm die Borussen auf die Hörner. Mit zwei Toren bescherte der MSV-Neuzugang vom belgischen Pokalsieger FC Brügge seiner Mannschaft den ersten Sieg in Dortmund seit 35 Jahren. Der eine Million Euro teure Angreifer aus Nigeria, der nun auf eine Einladung seines Nationaltrainers Berti Vogts hoffen darf, verdrängte den in Duisburg mit größerem Ballyhoo empfangenen, aber vorerst auf die Ersatzbank beorderten Ailton aus den Schlagzeilen. Schließlich hatte Ishiaku bereits beim 4:0-Pokalsieg in Babelsberg eine Woche zuvor zwei Mal ins Schwarze getroffen. Trainer Rudi Bommer war voll des Lobes: Er ist ein lockerer Vogel, aber arbeitet hart.

Auch beim anschließenden Tänzchen vor der Gäste-Tribüne machte der 24 Jahre alte Ishiaku als neuer Duisburger Publikumsliebling eine gute Figur. Minutenlang feierten die Profis zusammen mit den jubelnden MSV-Fans die famose Rückkehr auf die Bundesliga-Bühne. Der starke Auftritt bestärkte die glückselige MSV-Gemeinde in der Hoffnung, diesmal in der Klasse bleiben zu können. Dennoch warnte Abwehrspieler Björn Schlicke vor einer allzu optimistischen Sicht der Dinge: Das war nur eine Momentaufnahme. Ob dieser Sieg richtungsweisend war, wird sich erst nach fünf oder sechs weiteren Spielen zeigen.

Begleitet von den Jubelgesänge der Duisburger verließen die BVB-Anhänger still das Stadion. Trotz der 7,6 Millionen Euro teuren Neuzugänge hatte sich ihr Team im alten Trott präsentiert. Von einer positiven Einstimmung auf das Revierderby beim FC Schalke 04 konnte deshalb nicht die Rede sein. Doll schwant ebenfalls wenig Gutes. Der Dortmunder Fußball-Lehrer kündigte seinen Profis eine unbequeme Woche an. So wie wir uns heute präsentiert haben, gewinnen wir kein Bundesligaspiel mehr. Alles war zu behäbig und pomadig, das hat mich richtig geärgert.


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