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Der große Schweiger Grosso lässt Italien jubeln | 2006-07-05


Dortmund - Grande, Grandissimo, Grosso! Ausgerechnet Italiens vermeintlich Schwächster, Fabio Grosso, hat die Squadra Azzurra mit dem Tor seines Lebens beim 2:0-Halbfinalsieg gegen Deutschland ins WM-Finale geschossen.

Der Wackelkandidat wurde zum WM-Helden. Ich finde nur wenig Worte, ich bin überglücklich, sagte der Große Schweiger und konnte seine vor dem Hintergrund des Fußball-Skandals in Italien geradezu historische Tat gar nicht fassen.

Kopfschüttelnd und lauthals schreiend rannte der 28-Jährige nach seinem für Jens Lehmann unhaltbaren Schuss in der 119. Spielminute fast bis zur Mittellinie, bevor ihn die jubelnden Azzurri unter sich begruben. In 47 Spielen für den FC Palermo hatte der Verteidiger in der letzten Saison kein einziges Tor geschossen. In Dortmund gelang ihm im 22. Länderspiel sein zweites Tor.

Grosso war grandios, lobte Nationaltrainer Marcello Lippi seinen 1,90 Meter großen Linksaußen. Erst hielt der mit seinem in letzter Spielminute herausgeholten Elfmeter zum 1:0-Achtelfinalsieg gegen Australien die Italiener im Turnier, dann beendete er Deutschlands Titelträume im Halbfinale. Alessandro Del Pieros Tor (120 +1) zum 2:0 war nur noch Zugabe für die Festa italiana.

Auch in der Stunde seines größten Triumphes blieb der wortkarge Verteidiger gewohnt bescheiden. Die Mannschaft sei grandios gewesen, betonte Grosso, der das Tor der Familie, den Freunden und vor allem seiner Frau widmete. Im Herbst erwarten die Grossos ihr erstes Kind. Der gebürtige Römer heiratete seine Jugendliebe, mit der er anders als Italiens Superstar Francesco Totti und seine durch das Show-Business tingelnde Frau Ilary ein ruhiges Leben außerhalb der Klatschspalten führt.

Auch in der Squadra Azzurra gehört der in der Defensive zuweilen staksig wirkende Grosso zu den unauffälligen. Grosso ist ein Star aus der zweiten Reihe, schrieb die La Gazzetta dello Sport. Die Deutschen hielten ihn vor dem Halbfinale gar für den Schwachpunkt im Team. Grosso hat sie mit seinen Flankenläufen und seinem Tor eines Besseren belehrt.

Inter Mailand hatte den Wert des nun zum Volkshelden aufgestiegenen Grosso schon längst erahnt. Für 5,5 Millionen Euro Ablösesumme verpflichtete Inter ihn kurz vor der WM und reibt sich nun die Hände: Nach der WM wäre Grosso viel teurer gewesen. Der ist sich sicher, dass er und die Azzurri mit dem vierten Weltmeistertitel nach Hause kommen werden: Wir glauben fest, dass wir es wie schon gegen Deutschland schaffen können, sagte Grosso mit leiser Stimme und verschwand zum nächsten großen Auftritt in Berlin.


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