Rio de Janeiro/Oslo - Nach dem schmachvollen Aus bei der Fußball-WM backt Ex-Champion Brasilien kleinere Brötchen. Das Projekt Wiederaufbau mit Trainer-Neuling Dunga begann für den fünfmaligen Weltmeister mit einem mäßigen 1:1 in Oslo gegen Norwegen.
Obwohl die Selecao weiter auf den ersten Länderspielsieg über die Skandinavier wartet, gab es in der Heimat vorwiegend positive Reaktionen. Für den Anfang war es gar nicht mal schlecht, sagte der frühere Weltstar und Nationalcoach Falcao als Kommentator des TV-Senders Rede Globo. In früheren Jahren, als die Brasilianer ihr Team als nahezu unbezwingbar ansahen, hätte ein Unentschieden gegen den Weltranglisten-52. heftige Kritik ausgelöst. Aber die Brasileiros sind bescheidener geworden.
Die Zeitung Estado de Sao Paulo hob den Einsatz der ohne die ausgebooteten Superstars um Ronaldinho, Ronaldo, Kaka, Adriano und Cafu angetretenen Auswahl hervor. Da war doch viel mehr Spiel- und vor allem Lauf-Bereitschaft zu sehen als bei der WM, hieß es. Dass auch im vierten Vergleich mit Norwegen (Bilanz: Zwei Unentschieden, zwei Niederlagen) kein Sieg gelang, störte die wenigsten.
Ein Debüt ist immer kompliziert. Dunga hatte doch kaum Zeit zum Trainieren, befand Sebastiao Lazaroni, Brasiliens Nationalcoach der WM 1990. Auch der frühere brasilianische Frauen-Auswahltrainer Rene Weber ließ Vorsicht walten. Man darf noch nicht viel kritisieren. Es war wirklich kein technisch gutes Spiel. Aber was soll man meckern, nach dem, was wir in Deutschland gesehen haben? Dunga benötige Zeit.
Auch die drei Deutschen sahen den Neuanfang als gelungen an. Allen voran Bayern Münchens Lúcio, der erstmals als Kapitän auflief. Wir haben alle gut gespielt und sind zufrieden. Im Brasilien-Trikot muss man immer mit viel Kampfgeist und Entschlossenheit auftreten, so wie wir das heute gemacht haben. Am Ende werden wir uns dann dank unserer Technik durchsetzen, meinte Lucio. Der Abwehrspieler zeigte ebenso wie Juan von Bayer Leverkusen und Gilberto von Hertha BSC eine gute Leistung. Durch die rosarote Brille blickte auch Dunga. Es gab Dribblings, gute Pässe, offensives Spiel. Kurzum, das war der wahre brasilianische Fußball, versicherte der Ex-Profi des VfB Stuttgart. Seine Spieler hätten ihre Liebe zum Nationaltrikot bewiesen.
Die Geduld der fußballverrückten Brasilianer mit Dunga wird aber nicht unbegrenzt sein. Am 3. September steht ein Testspiel gegen den Erzrivalen Argentinien in London an. Gegen die dürfen wir auf keinen Fall verlieren, forderte ein Fan im Fernsehen mit drohender Stimme. Nach der WM-Schlappe 1990 versuchte man es auch mit einem Trainer- Neuling. Der bei den Fans damals sehr beliebte Falcao war am Ende nur 17 Mal verantwortlich. Dabei gab es zwar nur vier Niederlagen, aber nach einer 2:3-Schlappe gegen Argentinien war Schluss. Doch der 42- jährige Dunga geht auf Nummer Sicher: Die Stars, auf die er in Oslo noch verzichtete, kehren gegen Argentinien in die Seleçao zurück.
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