Gelsenkirchen - Joachim Löw bescheinigte seinen beiden ersten Neulingen Manuel Friedrich und Malik Fathi eine gute Perspektive, doch an den WM-Helden führt erst einmal kein Weg vorbei.
Nach dem couragierten Auftritt gegen Schweden ist sogar fraglich, ob dem erstmals über 45 Minuten erprobten Defensiv-Duo sobald weitere Neulinge im Trikot der Fußball-Nationalmannschaft folgen werden. Durch das 3:0 können sich die WM-Spieler schon wieder als große Sieger fühlen - und machen es allen Herausforderern um einen Platz im DFB-Team schwer. Man merkt, dass da eine Truppe zusammen ist, die sich kennt, die sich findet und die einfach Spaß macht, sagte Teammanager Oliver Bierhoff.
Eine kontinuierliche Auffrischung seines Kaders hatte Joachim Löw für die bevorstehende EM-Qualifikation angekündigt, doch nach den Glücksmomenten von Gelsenkirchen dürfte es dem Bundestrainer schwer fallen, Spieler aus dem bestehenden Kader auszusortieren. Spätestens in elf Tagen wird Löw sein Aufgebot für die wegweisenden ersten Spiele der EM-Qualifikation gegen Irland (2. September) und San Marino (6. September) benennen. Viele Gründe, von dem für das Schweden-Spiel zumindest teilweise auch als Goodwill-Aktion eingeladenen und nun wieder erfolgreichen WM-Ensemble abzurücken, gibt es für den Bundestrainer nicht.
Sogar der eigentlich längst als Auslaufmodell abgestempelte Jens Nowotny kann sich wieder Hoffnungen machen, auf dem Weg in Richtung Schweiz und Österreich 2008 weiter eine Rolle zu spielen. Das werden wir sehen. Wenn Not am Mann ist, stehe ich Gewehr bei Fuß. Den Rest muss der Trainer entscheiden, meldete sich der Routinier einsatzbereit. Gerade auf ein eingespieltes Team setzen zu können, machte gegen Schweden den Unterschied aus und hebt die deutsche Mannschaft auch von vielen anderen europäischen Konkurrenten ab, die ihren Umbruch gerade erst einleiten.
Die von Löw schon gepriesenen Talente Stefan Kießling, Piotr Trochowski oder Mimoun Azaouagh müssen sich möglicherweise noch länger in Geduld üben, als zunächst angenommen. Die vor der WM aussortierten Kevin Kuranyi, Fabian Ernst und Patrick Owomoyela können sich wohl nur mit anhaltend überragenden Leistungen in ihren Vereinen wieder für das Nationalteam interessant machen.
Löws Personal-Luxus könnte irgendwann vielleicht sogar zum Problem werden, zumal schon gegen Irland Kapitän Michael Ballack und eventuell auch Christoph Metzelder wieder zur Verfügung stehen. Die längerfristig verletzten Per Mertesacker und Sebastian Kehl werden nach ihrer Genesung auch einen festen Platz beanspruchen. Da er nicht zu jedem Länderspiel mit einem 20-Mann-Kader reisen wird, muss Löw früher oder später WM-Helden aus der eingeschworenen Gemeinschaft heraus reißen. Erste Streichkandidaten dürften Mike Hanke, Thomas Hitzlsperger und Gerald Asamoah sein.
Freiwillig räumen wird seinen Platz im sich vorerst nur langsam drehenden Personal-Karussell keiner - auch die Neulinge Friedrich und Fathi sehen sich schon in der Gemeinschaft angekommen. Ich wurde super aufgenommen, wurde oft angespielt. Mir wurde das Gefühl gegeben, dass ich drin bin in der Mannschaft, sagte Fathi. Mit- Debütant Friedrich blickte sogar schon ganz weit nach vorn: Die Euphorie der WM ist noch immer da, und ich hoffe, dass sie auch noch bleibt bis zur EM und bis zur nächsten WM - und das wir dann 2010 endlich Weltmeister werden.
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