Stuttgart/Valencia - Im heißen Valencia hat Timo Hildebrand am Fernseher beim Bundesliga-Auftakt mitgefiebert - nun kann er beim ersten Pflichtspiel seines neuen Vereins entweder auf der Bank schmoren oder unter Flutlicht glänzen.
Vor der Champions-League- Qualifikation des FC Valencia gegen IF Elfsborg Boras (Schweden) ist das Torwart-Duell mit seinem Rivalen Santiago Canizares weiter offen. Der 37-jährige Spanier ist bei den Fußballfans an der Mittelmeerküste sehr beliebt und steht vor seinem 100. Europacup-Spiel. Hildebrand sieht den Konkurrenzkampf - zumindest nach außen hin - gelassen. Wir haben uns in den bisherigen Freundschaftsspielen abgewechselt. Ich habe noch keine Signale vom Trainer, sagte der 28 Jahre alte ehemalige Stuttgarter in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Das Verhältnis zu seinem Kontrahenten sei ganz normal und okay. Wir gehen professionell miteinander um, wir reden ab und zu miteinander. Canizares hat eine starke Hausmacht, doch Hildebrand sieht das von vielen Medien beschworene Duell Er oder ich als zu kurz gedacht für einen europäischen Spitzenclub. Es gibt nicht nur acht oder neun Stammspieler, sondern 15 oder 16 Spieler, die top sind. Es ist sehr hohe Konkurrenz, nicht nur bei mir.
Bundestrainer Joachim Löw beobachtet sehr aufmerksam den harten Konkurrenzkampf, den Hildebrand beim Vierten der spanischen Primera Division angenommen hat. Das ist keine leichte Situation für ihn. Es ist alles offen, sagte Löw und spricht unverhohlen von möglichen Konsequenzen: Sollte er die ganze Saison nicht spielen, müssten wir über die Situation nachdenken. Die Konkurrenz bei uns auf dieser Position ist groß.
Mit der Zukunft mag sich Hildebrand noch nicht beschäftigen, er hat genug mit der Gegenwart zu tun. Der Stadtmensch hat wie in Stuttgart eine Wohnung im Zentrum bezogen, in der Nähe des Hafens und seiner Sprachschule. Es läuft richtig gut. Die Verständigung klappt auch immer besser, aber wenn die Andalusier bei uns im Team schnell sprechen, sind sie kaum zu verstehen. Obwohl der Wechsel erst Anfang Juli verkündet wurde, stand er bereits Monate vorher fest. Seitdem lernte er spanisch und sammelte mit einer Antrittsrede in der Landessprache Punkte.
Die Leute hier sind entspannter, hat Hildebrand eine andere Mentalität ausgemacht. Spanische Clubs trainieren außerdem zu Saisonbeginn weniger intensiv. Unser Trainer lässt viel Taktik trainieren. Es wird langsam aufgebaut. Mittags geht nicht viel, dafür ist es zu heiß.
Bei allen Unterschieden in seinem neuen Lebensabschnitt hält der gebürtige Wormser gern an alten Gewohnheiten fest. Dazu gehören Telefonate mit Mitspielern seines Ex-Vereins VfB Stuttgart und mit Teammanager Horst Heldt. Bald wird Hildebrand auch das ersehnte deutsche Fernsehen in seiner Wohnung empfangen können. Seine Fitnesstrainerin lässt er regelmäßig einfliegen, um seine speziellen Beweglichkeitsübungen nicht zu vernachlässigen. Besuche von der Familie und Freunden haben den Einstieg erleichtert. Man ist ja nicht aus der Welt, es gibt viele Flüge von Stuttgart. Ich habe eine große Wohnung, es kann immer jemand kommen.
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