Nürnberg - Er ist der Oldie im Bundesliga-Geschäft, doch für Altmeister 1. FC Nürnberg ist Trainer Hans Meyer so etwas wie ein Jungbrunnen. Mit Fußball voll jugendlichem Sturm und Drang trotzte der Club in der vergangenen Saison dem Abstiegsgespenst.
Als viertbeste Rückrundenmannschaft entfachte die Nürnberger in Franken eine Begeisterung wie lange nicht mehr. Doch der Euphorie nach dem Auftaktsieg beim VfB Stuttgart begegnet Meyer mit der ihm eigenen Ironie: Wenn ich unsere Presse und unsere Zuschauer nehme in den letzten Wochen, wären sie über alles andere als ein 3:0 schwer enttäuscht gewesen. Ich denke, die Spitze geben wir nicht mehr her.
Er ist der Hans im Glück für uns, sagt Präsident Michael A. Roth. Dabei hatte der Feuerwehrmann aus Thüringen im November als Nachfolger von Wolfgang Wolf ein schier aussichtsloses Unternehmen beim Club angetreten. Magere sechs Punkte hatte der neunmalige deutsche Meister als Tabellenletzter auf dem Konto, doch Meyer ließ sich nicht beirren: Der schwächelnde Torjäger Robert Vittek wurde zum Mann der Rückrunde, der Club verwandelte sich durch beherzten Angriffsfußball in ein Siegerteam und beendete die Saison als Achter.
Der Thüringer begann seine Trainer-Laufbahn 1971 beim FC Carl Zeiss Jena, den er 1981 ins Europapokal-Finale der Pokalsieger führte. Nach fast 25 Jahren als Trainer im Ost-Fußball wechselte der Coach (Bis 1990 habe ich nicht für Geld, sondern den Sozialismus gearbeitet) 1996 zum niederländischen Club Twente Enschede. 1999 fasste er mit der Verpflichtung bei Borussia Mönchengladbach auch im Westen Fußball-Deutschlands Fuß - und führte den Verein zurück in die Bundesliga. In der Saison 2003/04 bewahrte Meyer Hertha BSC Berlin vor dem Sturz in die 2. Liga.
Von einem Geheimrezept will Meyer nichts wissen, doch Club- Manager Martin Bader benennt die Stärken des Trainers: Meyer ist als Vaterfigur modern geblieben, hat einen guten Draht zu den jungen Spielern und der Mannschaft einen Glauben vermittelt, der Berge versetzt. Und der Coach weiß die Spieler zu nehmen: Als kürzlich Ivica Banovic in einem Testspiel zu egoistisch den Ball führte, war ihm der beißende Spott sicher: Ich werfe noch fünf Bälle rein, dann hat jeder einen. Prompt gab der Kroate klein bei (Wenn er etwas sagt, ist es für uns wie ein Befehl) - und bereitete in Stuttgart alle drei Treffer vor.
Seit der fast perfekten Rückrunde genießt Meyer im Frankenland Kultstatus, nach dem Willen der Fans soll die langjährige Fahrstuhlmannschaft nun wieder gen Europa statt Richtung 2. Liga schielen. Der 63-Jährige bemüht sich nach Kräften, die wachsende Euphorie mit kauzigen Sprüchen zu dämpfen. Doch auch er weiß, dass die fränkischen Fußball-Träume rasch grenzenlos werden. Was mich drückt, ist die rießengroße Erwartung, dass es nun zwei, drei Jahre so weiter geht.
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