Berlin - Die Berliner Fans feierten ihre Hertha-Lieblinge schon während des 4:0-Torfestivals ausgiebig - bei Schlusslicht Hannover 96 reagiert nach zwei Niederlagen mit acht Gegentoren das Entsetzen.
Der Sieg von Hertha BSC im ersten Bundesliga-Heimspiel nach dem Weggang von Brasilien-Star Marcelinho war nach sehenswertem Angriffs-Fußball auch in dieser Höhe verdient. Das war die Woche meines Lebens. Wir haben konsequent nach vorne gespielt. Das ist unsere Philosophie für diese Saison. Wir wollen Spaß haben und verbreiten, sagte Jung-Nationalspieler Malik Fathi, der gegen Schweden (3:0) bei Bundestrainer Joachim Löw debütiert hatte.
Das war ein perfektes Spiel für uns. Ich will es in dieser Spielzeit besser machen als letzte Saison und mehr als elf Tore schießen, betonte der überzeugende Marko Pantelic nach seinem Doppelpack (20./63.). Pal Dárdai (32.), der 76 Prozent seiner Zweikämpfe gewann, und der eingewechselte Patrick Ebert (77.) sorgten vor 37 166 Fans dafür, dass die Berliner mit vier Punkten Höhenluft schnuppern. Dass wir zufrieden sind, kann man sich denken. Nach der Roten Karte war das Spiel entschieden, hätten wir auch noch das eine oder andere Tor mehr machen können, sagte Hertha-Trainer Falko Götz.
Spätestens nach dem Platzverweis für Michael Tarnat nach dessen rüdem Foul waren für die Gäste alle Messen gesungen. Wir sind natürlich zutiefst enttäuscht und müssen froh sein, nicht noch höher verloren zu haben, meinte 96-Trainer Peter Neururer, der sich vehement über das 0:1 beschwerte. Da hatte der Schiedsrichter- Assistent die Fahne kurz gehoben, wegen passivem Abseits aber wieder gesenkt. Das Tor war zwar regelkonform, der Linienrichter hat aber massiv Einfluss genommen. Mein Team hatte das Spiel eingestellt, monierte Neururer.
Mit der klaren Niederlage der harmlosen 96er aber hatte diese Szene nichts zu tun. Die Berliner gerieten nie in Gefahr. Neben dem Brasilianer Gilberto (91 Ballkontakte) lieferte auch Yildiray Bastürk als Ideengeber eine starke Partie. Drei Minuten vor dem Ende scheiterte der Türke mit einem an ihm selbst verschuldeten Foulelfmeter an Hannovers Schlussmann Robert Enke, der in seinem 100. Bundesliga-Spiel an den Gegentoren machtlos war. Yildiray wollte seine Leistung krönen, ich hätte es ihm gegönnt, verzieh ihm Götz. Erstmals hatte der Coach im Angriff den lauffreudigen Pantelic und den fleißigen Neuzugang Christian Giménez von Beginn an aufgeboten.
Giménez hat gut gearbeitet, ohne ihn hätte Pantelic nicht diese Freiräume gehabt, war Götz mit seiner Doppelspitze sehr zufrieden. Das sind zwei richtige Brenner. Wir sind sehr gut besetzt und haben sehr gute Alternativen, sagte Götz. Der Argentinier kam ohne jeden Cent Leihgebühr von Marseille an die Spree, erst bei einer möglichen Ablösesumme wird das verrechnet. Auf sein erstes Bundesliga-Tor muss Giménez zwar nach seinem Pfosten-Treffer noch warten, dennoch zeigte der 31-Jährige seine Fähigkeiten.
Wir wollten nach vorne spielen, haben in der Vorwärtsbewegung aber eklatante Fehler gemacht und sind in gefährliche Konter gelaufen, analysierte Neururer die zweite Saison-Pleite, die den Chefcoach vor dem Heimspiel gegen Aachen schon enorm unter Druck setzt. Gilt die Rote Laterne doch auch in Hannover als Warnsignal.
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