Frankfurt/Main - Deutschlands Schiedsrichter erhoffen sich von der Kartenflut am zweiten Bundesliga-Wochenende eine Signalwirkung.
Nach so einem Spieltag, an dem es mal sauber rumst, reißen sich die Spieler danach wieder zusammen, sagte Manfred Amerell vom Schiedsrichter-Ausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Montag der dpa. Einen Trend nach den Ausrastern, groben Fouls und vermeintlichen Schauspiel-Einlagen einiger Profis sehe er aber überhaupt nicht.
Michael Tarnat (Hannover 96), Guy Demel (Hamburger SV), Sotirios Kirgiakos (Eintracht Frankfurt), Mladen Krstajic (SC Schalke 04) und Ricardo Osorio sahen die Rote, dessen Teamkollege vom VfB Stuttgart, Antonio da Silva, die Ampelkarte. Insgesamt vermeldeten die Statistiker neun Platzverweise aus den ersten 18 Bundesliga-Partien dieser Saison - Rekord nach Einführung der Gelb-Roten Karte seit 1991. Wenn Spieler sich nicht benehmen können, fliegen sie raus, sagte der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses, Volker Roth, im Fachmagazin kicker (Montag-Ausgabe). Amerell stellte zudem klar: Es wird kein Schiedsrichter scharf gemacht.
Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel räumte jedoch auch Fehler der Unparteiischen ein. Die Rote Karte gegen den Frankfurter Kirgiakos nach dem Umfaller von Wolfsburgs Diego Klimowicz wegen eines Kontakts am rechten Ohr (Klimowicz) sei diskussionswürdig. Um so etwas zu vermeiden, sind Trainer und Fans gefordert, sagte Strigel in einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt. Wolfsburgs Coach Klaus Augenthaler hatte gleich nach dem Spiel die Aktion seines Stürmers aufs Schärfste kritisiert: In England wirst du dafür gelyncht. Theatralische Schwalben gehören nicht in den Profi-Fußball. Diese Art zu provozieren verurteile ich.
In Cottbus entschied Günter Perl zwar auf Elfmeter, für den Hand- Sünder vom HSV, David Jarolim, gab es aber keine Rote Karte. Das verwundert mich, kommentierte Strigel dies. Bitter, fand Perl selbst, dass ihm und seinen drei Kollegen der Lapsus unterlaufen war. Nicht entgangen war dem Quartett kurz vor Schluss Guy Demels Würgegriff im Spieler-Getümmel gegen den Cottbuser Kapitän Kevin Mckenna. Demel drohen mindestens vier Spiele Sperre.
Ein Nachspiel könnte es auch für seinen Mitspieler Boubacar Sanogo geben. Der Neuzugang soll den Cottbuser Vragel da Silva angespuckt haben. Er bestreitet dies. Da Silva hat aber zu mir gesagt: Scheiß Schwarzer. Davon will der Energie-Profi wiederum nichts wissen. Wie kann ich so etwas sagen. Ich bin selbst dunkelhäutig. Selbst wenn ein Spieler provoziert werde, müsse er sich im Griff haben, forderte diesbezüglich Amerell und riet seinen Schiedsrichtern: Man muss mit Augenmaß handeln. Man hat ja noch 32 Spieltage vor Augen.
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