Frankfurt/Main - Es wird ein ganz schwerer Gang für Michael Thurk. Einst umjubelt und gefeiert beim FSV Mainz 05, erwarten den Abtrünnigen Schimpf und Schande, wenn er an alter Wirkungsstätte mit seinem neuen Club Eintracht Frankfurt zum brisanten Rhein-Main-Derby antritt.
Doch den gebürtigen Frankfurter lässt der zu erwartende heiße Tanz kalt. Sicher höre ich die Pfiffe, das gehört dann halt dazu, sagt Thurk und fügt hinzu: Wer nicht versteht, dass ein Frankfurter mal für Frankfurt spielen will, dem kann ich jetzt auch nicht mehr helfen.
Allerdings dürfte die Art und Weise, wie Thurk seinen Abgang vom Rhein zum knapp 60 Kilometer entfernten Main-Club forcierte, auch nach einiger Bedenkzeit noch immer für Unverständnis und großen Unmut bei den FSV-Fans sorgen. Er wird die verbale Quittung für sein Verhalten bekommen, kündigt der Mainzer-Fan-Beauftragte Frank Trautwein einen nicht gerade freundlichen Empfang für Thurk an.
Während FSV-Trainer Jürgen Klopp die Sache abgehakt hat (Er ist jetzt in Frankfurt glücklich, wir sind es auch), prophezeit Präsident Harald Strutz dem Neu-Frankfurter einen Spießrutenlauf. Das Thema heizt die Atmosphäre zusätzlich an. Unsere Fans könnten ein Zeichen setzen und ihn nicht permanent auspfeifen. Sie sollten sich erinnern, dass er viel für die 05er getan hat, appelliert Strutz.
Das Ganze ist für ihn nicht gerade einfach, aber da muss er durch, sagt Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen. Thurk sei zwar ein Straßenfußballer und das Kämpfen gewohnt. Trotzdem: Es wird ihn belasten.
Zur Vorgeschichte: Thurk hatte eigentlich einen Vertrag bei den Mainzern bis 2008. Doch dann nahm Eintracht-Coach Friedhelm Funkel persönlich Kontakt zu dem 30-Jährigen auf, nachdem laut Bruchhagen Thurks Berater Klaus Gerster die Eintracht über das Wechsel-Interesse seines Schützlings informiert hatte. Funkels Anruf sorgte zwar für heftige Dissonanzen zwischen den Clubs. Bei dem Stürmer selbst verstärkte er aber die Begehrlichkeiten, seinen Kindheitstraum wahr werden zu lassen.
Mit verbalen Attacken gegen seinen Arbeitgeber forcierte Thurk seinen Abgang in Mainz, wo er im vergangenen Jahr mit 12 Toren großen Anteil am Klassenverbleib hatte und dafür von den Fans gefeiert wurde. Nachdem der Stürmer den Mainzer Verantwortlichen vorgeworfen hatte, ihm Angebote anderer Clubs verheimlicht zu haben, war die Basis für eine weitere Zusammenarbeit kurz vor Saisonbeginn endgültig zerstört.
Also willigten die Mainzer in den Blitz-Transfer ein. Die Ablösesumme soll zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Euro betragen haben. Thurks Vertrag bei den Frankfurtern läuft nun bis 2009. Er werde nicht übermotiviert ins Spiel gehen, versichert der Blondschopf, der mit dem Mainzer Rückkehrer Mimoun Azaouagh weiterhin bestens befreundet ist. Natürlich wolle er gewinnen, sagt Thurk auch. Zudem will er endlich sein erstes Tor im Eintracht-Dress erzielen. Aber ich werde nicht durchdrehen, verspricht Thurk.
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