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Juventus trotzt der FIFA: Klage eingereicht | 2006-08-24


Rom - Der Streit zwischen Juventus Turin und dem Fußball- Weltverband (FIFA) eskaliert. Trotz der Drohungen der FIFA hat der im italienischen Fußball-Skandal zum Zwangsabstieg in die Zweite Liga verurteilte Rekordmeister Klage beim Verwaltungsgericht (TAR) in Rom einreicht.

Wir fordern die Aussetzung aller Strafen, erklärte Juve-Anwalt Riccardo Montanaro. Der von der FIFA unter Druck gesetzte italienische Fußball-Verband (FIGC) kündigte sofortige Disziplinar-Maßnahmen an. Dem ohnehin mit 17 Strafpunkten belasteten Club drohen weitere drei Strafpunkte. Die FIFA-Statuten sehen sogar Juves Ausschluss aus allen internationalen Wettbewerben vor, wenn der Club ein Zivilgericht anruft.

In Turin lässt man sich jedoch nicht einschüchtern und gräbt endgültig das Kriegsbeil aus: FIFA und FIGC wissen, dass ein Zivilrichter die Dinge anders sehen wird, sagte Sportdirektor Jean-Claude Blanc. Der 43-Jährige fordert Turins Wiederaufnahme in die Serie A mit maximal 20 Strafpunkten. Alles andere sei im Vergleich zu den nicht zum Abstieg verurteilten Mitangeklagten AC Mailand, AC Florenz und Lazio Rom unverhältnismäßig hart und inakzeptabel.

Die Turiner glauben, dass ihnen vor der Sportjustiz, die nach dem Schiedsgericht des Nationalen Olympischen Komitees (CONI) für Juventus nur noch den Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne vorsieht, keine Gerechtigkeit widerfahren wird. Milan spielt in der Champions League und will Ronaldo kaufen, während wir viele Stars verloren haben und mit 17 Strafpunkten in der Serie B spielen, kritisiert Blanc die angeblich nicht gegebene Verhältnismäßigkeit der Strafen. Die Sportgerichte hatten Juventus besonders hart bestraft, weil sein früheres Führungsduo Luciano Moggi und Antonio Giraudo als Drahtzieher der Liga-Manipulationen gelten.

Juventus setzt vor dem TAR in Rom nun darauf, dass die Richter das Verfahren sofort an den Europäischen Gerichtshof abgeben. Dort wollen Turins Verteidiger FIFA und FIGC mit Hilfe des eingeschalteten Bosmann-Anwalts Jean Luc Dupont in die Knie zwingen. Eine europäische Richtlinie sehe vor, dass eine Strafe das Vermögen einer Gesellschaft nicht um mehr als 10 Prozent verringern dürfe. Juventus Schaden sei durch die Urteile der Sportjustiz aber sehr viel höher. Clubchef Giovanni Cobolli Gigli denkt deshalb bereits über Schadenersatzklagen gegen den Fußball-Verband nach.

Während der Club sein Heil vor den Zivilgerichten sucht, fürchtet CONI-Präsident Gianni Petrucci einen Präzedenzfall: Wer Fehler gemacht hat, muss dafür zahlen und dabei innerhalb des Sports bleiben. Pertrucci warnte davor, die Autonomie des Sports zu verletzten. Eine erneute Verschiebung des Ligastarts schloss er aus. Das TAR befasst sich am 6. September mit Juves Einspruch. Drei Tage später sollen die Ligen starten. Sollten die Richter den Forderungen nachkommen und die Strafen aussetzen, droht Italiens Fußball die totale Blockade.


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