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Titel und Respekt bei Behinderten-WM - Daum dabei | 2006-08-25


Duisburg - Das Ziel ist der WM-Titel. Viel wichtiger ist es den gehandicapten deutschen Fußballern aber, bei ihrer Weltmeisterschaft für Aufmerksamkeit sorgen zu können und mehr Respekt in der Gesellschaft zu erlangen.

Es gibt noch immer viele Vorurteile gegen Menschen, die an einer Lernschwäche leiden, sagt Willi Breuer, Cheftrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für Menschen mit Behinderung, die vom 29. August bis 16. September in Deutschland mit 15 weiteren Teams ihren Weltmeister ermitteln.

Bereits im Vorfeld musste Breuer viel Aufklärungsarbeit leisten. Unseren Sportlern sieht man ihre Behinderung eben nicht an, sagt der 51 Jahre alte Sportlehrer, der seit 1994 als Honorartrainer für den Deutschen Behinderten-Sportverband (DBS) arbeitet. Nicht Beinamputierte spielen ihren Meister aus, sondern Menschen, deren Intelligenzquotient nicht höher als 75 sein darf. Das ist in den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO genau festgelegt und wird regelmäßig geprüft, sagt Breuer, der bereits seine vierte WM in diesem Amt bestreitet und immer das Halbfinale erreichte.

Die Erfolge, die sich jenseits aller Pokale einstellen, seien allerdings viel wichtiger. Der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler Guido Skorna ist seit kurzem für Rhenania Eschweiler in der Verbandsliga Mittelrhein am Ball. Das Vereinsleben ist sehr gut für seine soziale Entwicklung und fördert die gesellschaftliche Integration, sagt Breuer. Er wünscht sich, dass viele seiner Trainerkollegen aus dem Amateurfußball bei der WM vorbeischauen, um Talente zu entdecken. Das wären für ihn die wahren Volltreffer, denn außer Skorna spielen die anderen nur in der Kreisliga oder haben überhaupt keinen Verein.

Dabei seien Breuers Schützlinge gute Fußballer, die nur etwas mehr Zeit brauchen, um bestimmte Regularien wie das Stellungsspiel bei einer Viererkette einzustudieren, sagt der Coach, der früher als Jugendtrainer beim 1. FC Köln arbeitete und dort Nationalspieler Lukas Podolski förderte.

An Aufmerksamkeit dürfte es bei der WM 2006 nicht mangeln, denn in Christoph Daum konnte Breuer einen prominenten Assistenztrainer gewinnen. Er ist begeistert von der Aufgabe und will neue Erfahrungen auf einem ihm unbekannten Gebiet sammeln, sagt Breuer über den momentan vereinslosen Daum. Beim Auftaktspiel zwischen Deutschland und Japan am 29. August in der Duisburger MSV-Arena wird Daum erstmals als Motivationstrainer auf der Bank sitzen.

Die 4. Fußball-WM des Weltverbandes INAS-FID wird mit 16 Mannschaften und 48 Spielen in 41 deutschen Städten ausgetragen. Das Finale findet in der Leverkusener BayArena statt. Abgesehen vom Endspiel ist der Eintritt frei. Zum Eröffnungsmatch werden in Duisburg 20 000 Zuschauer erwartet. Titelfavorit ist England.


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