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Stan Libuda am 10. Todestag unvergessen | 2006-08-25


Gelsenkirchen - In den Herzen vieler Fans des FC Schalke 04 ist Reinhard Stan Libuda unvergessen. Am Abend des 10. Todestages des früheren Bundesliga-Fußballers am 25. August wollen mehrere königsblaue Fan-Gruppen an das Idol früherer Tage erinnern.

Vor dem Spiel zwischen Schalke 04 und Werder Bremen wollen die Fans die altbekannten Liii-buuu-daaa-Sprechchöre anstimmen. Der Glaube, dass das Idol seine Dribblings im Fußballer-Himmel kurz unterbricht und zuhört, ist groß. An Gott kommt keiner vorbei, außer Libuda, lautet auf Schalke ein geflügelter Satz.

Schon Vater Paul spielte für Schalke 04 und der 1943 geborene Filius wurde 1952 Mitglied des Kultvereins. Seine Mutter Martha konnte ihn nicht davon abhalten, die Schlosserlehre abzubrechen, Libuda setzte ganz auf die Karte Fußball. In Windeseile und meist leicht gebückter Körperhaltung spielte er sich in die Herzen der Fans. Die Schalker Spielstätte Glückauf-Kampfbahn tobte, wenn Libuda aufdrehte. Den Ball eng am Fuß, die Dribblings präzise und der Abschluss bärenstark. Sogar die Fans des Gegners klatschten bisweilen ehrfürchtig Beifall. Er war ein Künstler, ein Genie. Keiner, der Libuda spielen sah, kam daran vorbei, sein Fan zu werden, sagte Ex- Nationalspieler Erwin Kostedde einst.

Den Künstlernamen Stan bekam Libuda schon in Jugend-Jahren auf einer England-Reise in Anlehnung an den englischen Fußballstar Stan Matthews verliehen. Denn ebenso wie Matthews vermochte es Libuda seine Gegner links anzutäuschen, um dann rechts an ihnen vorbei zu gehen. Bei der Bundesliga-Gründung war er dabei, am 14. September 1963 schoss er gegen Köln das erste von insgesamt 28 Bundesliga-Toren. Nach der Saison 1964/65, als Schalke nur durch die Aufstockung der Bundesliga erstklassig blieb, schloss sich Libuda Borussia Dortmund an. Wie es heißt, hatte ihm der BVB für den Wechsel eine nagelneue Wohnungseinrichtung versprochen.

Den BVB schoss er 1966 im Finale des Europapokals der Pokalsieger mit seinem Treffer zum 2:1 in der 107. Minute gegen den FC Liverpool zum internationalen Triumph. Glücklich soll er beim schwarz-gelben Erzrivalen aber nie geworden sein. 1968 kehrte er nach Schalke zurück und erlebte seine spielstärksten Jahre. Im DFB-Pokal-Finale gegen Kaiserslautern führte Libuda Schalke 1972 zum 5:0-Sieg. 1970 erreichte er mit der DFB-Auswahl, für die er insgesamt 26 Einsätze bestritt, bei der WM in Mexiko den dritten Platz.

Der Bundesliga-Skandal, in den auch Libuda verwickelt war, stoppte ihn dann. Der Ausnahmefußballer wurde vom DFB lebenslang gesperrt, wechselte zu Racing Straßburg und kehrte erst 1973 zurück, nachdem die Sperre aufgehoben worden war. Aber von dem Schock erholte er sich nicht mehr. 1974 beendete Libuda seine Karriere und übernahm in Gelsenkirchen den Tabakladen seines Mentors Ernst Kuzorra, den er 1983 wieder abgab. Nach Jahren der Arbeitslosigkeit fand er eine Anstellung in einer Papierveredelungsfirma.

Am 25. August 1996 starb Libuda im Alter von 52 Jahren an Herzversagen. Auf dem Gelsenkirchener Ostfriedhof, zu dem der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband mittlerweile Pilgerreisen anbietet, fand das Schalke-Idol in nächster Nähe zur Glückauf-Kampfbahn und des Parkstadions seine letzte Ruhe.


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