München - Verkehrte Welt beim 174. bayerisch-fränkischen Derby, doch der deutsche Fußball-Meister Bayern München will die Verhältnisse wieder gerade rücken.
Wir wollen Tabellenführer werden basta, sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg, der erstmals seit fast 40 Jahren wieder als Spitzenreiter in die Landeshauptstadt reist. Für die Münchner geht es im Traditionsduell aber nicht nur um die gewohnte Position an der Tabellenspitze, sondern auch um Imagepflege nach dem 0:4-Debakel beim FC Barcelona. Das 0:4 verpflichtet uns. Wir haben gegenüber unseren Fans etwas gut zu machen, forderte Trainer Felix Magath vor dem Spitzenspiel.
Während die Bayern nach einer zu kurzen Saison-Vorbereitung immer noch in der Form-Findungsphase sind, ist die Euphorie bei den Nürnbergern nach dem besten Bundesliga-Start riesengroß - wie auch die Vorfreude auf das Kräftemessen mit dem meist übermächtigen Rekordmeister aus der Landeshauptstadt. Dass dieses Derby jetzt ein bisschen mehr wahr genommen wird als sonst vielleicht, das haben sich unsere Jungs durch ihre bisherige Arbeit verdient, sagte FCN-Trainer Hans Meyer, der sich zu seinem 25. Spiel als Club-Coach drei Punkte wünscht. Es wäre der erste Auswärtssieg der Franken beim FC Bayern seit mehr als 14 Jahren.
Zwar sind der Spitzenreiter und der Dritte Bayern München in der Tabelle auf Augenhöhe, aber aussagekräftig ist das Tableau nach nur zwei Spieltag noch nicht. Die Bayern sind haushoher Favorit, auch wenn sie zur Zeit ein bisschen jammern, sagte Nürnbergs Kapitän Raphael Schäfer und findet die Bestätigung seiner Einschätzung bei Bayern-Chef Rummenigge: Es gibt schon noch einen Qualitätsunterschied zwischen Bayern und Nürnberg.
Einen Qualitätsunterschied gibt es aber auch zwischen dem FC Bayern und europäischen Spitzenmannschaften, wenngleich das 0:4 beim FC Barcelona wegen des Freundschaftsspiel-Charakters keinen endgültigen Aufschluss über die Leistungsstärke der Münchner gibt. Doch bis Mitte September zum Auftakt der Champions League, in der der FC Bayern auf Inter Mailand, Sporting Lissabon und Spartak Moskau trifft, haben Magath & Co. noch eine Menge Arbeit vor sich. Nach der Niederlage in Barcelona müssen wir zeigen, dass wir nicht ganz so schlecht sind. Wir wollen einen klaren Sieg herausholen, betonte Magath, dessen Team in der Bundesliga souverän mit zwei Erfolgen gestartet ist.
Der Bayern-Trainer bastelt auch weiter an seiner Wunschformation, in der der deutsche Nationalstürmer Lukas Podolski bisher noch keinen Stammplatz hatte. Der 21-Jährige wartet weiter auf sein erstes Tor für seinen neuen Club und hofft auf seinen ersten Bundesliga-Einsatz im Bayern-Trikot von Beginn an. Er hat in den letzten Spielen gezeigt, dass eine aufsteigende Tendenz da ist. Seine Chancen sind gestiegen, meinte sein Coach.
Wieder ins Mannschaftstraining stieg Owen Hargreaves ein, dessen Wechsel-Gerede die Münchner ziemlich genervt hat und trotz eines klaren Vetos aus der Chefetage noch nicht ganz verstummt ist. Dagegen musste Lucio die Einheit wegen Sprunggelenksproblemen abbrechen. Beim 1. FC Nürnberg, der durch den guten Saisonstart viel Selbstvertrauen getankt hat, sind mit Ausnahme des verletzten Robert Vittek alle an Bord. Auch der Tscheche Tomas Galasak kann nach auskurierter Gehirnerschütterung auflaufen.
Insgesamt 173 Mal kam es bislang zum Duell der zwei Clubs aus dem Freistaat, in der Bundesliga trafen der amtierende und der Altmeister 46 Mal aufeinander. Vor allem die Bundesliga-Bilanz spricht klar für den FC Bayern: 29 Erfolgen stehen sieben Unentschieden und zehn Niederlagen gegenüber.
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