Gelsenkirchen - Mirko Slomka genoss das berauschende Fußball-Fest, Kevin Kuranyi feierte das Ende seiner langen Torflaute, und die frustrierten Bremer machten aus ihrer Bewunderung für die 2:0 (1:0)-Gala-Vorstellung des FC Schalke 04 keinen Hehl.
Schalke ist so aufgetreten, wie man auftreten muss, wenn man Meister werden will, lobte Werder-Sportdirektor Klaus Allofs nach der deprimierenden Niederlage der Bremen beim Konkurrenten aus dem Revier. Dem oft ohnehin wortkargen Thomas Schaaf verschlug es nach dem Kräftemessen der Bayern-Herausforderer in der Veltins-Arena fast die Sprache. Wir haben wirklich sehr schlecht gespielt und sind bei weitem nicht so weit wie wir dachten, stellte der Werder-Coach nach der ersten Saison-Niederlage des Vizemeisters fest. Eine Erklärung für den schwachen Auftritt fand auch Torhüter Tim Wiese nicht. Schalke hat uns teilweise vorgeführt. Wir hatten Glück, dass wir nur zwei Tore bekommen haben, meinte der Keeper, der nur gegen Kevin Kuranyi (7.) und Hamit Altintop (72.) machtlos war.
Gleich reihenweise riskierte Wiese gegen die frei vor ihm auftauchenden Schalker Angreifer Kopf und Kragen, verhinderte mit Glanzparaden gegen die agilen Halil Altintop, Peter Lövenkrands, Kuranyi und Gerald Asamoah ein mögliches Debakel. Auf der Gegenseite konnte sich die hoch gelobte Werder-Offensive mit dem neuen Bundesliga-Liebling Diego sowie Miroslav Klose und dem für Ivan Klasnic erstmals von Beginn an aufgebotenen Portugiesen Hugo Almeida gegen die gut organisierte Schalker Abwehr nie richtig durchsetzen. Schaaf gab zu, dass sein Versuch mit dem schon zwei Mal erfolgreichen Joker Almeida in der Startelf scheiterte. Er sollte sich von Anfang an entfalten. Das ist nicht gelungen.
Frust auf der einen Seite, pure Lust auf der anderen. Der vor der WM ausgebootete Kuranyi war nach seinem ersten Bundesliga-Tor seit 153 Tagen erleichtert. Das Tor war sehr wichtig für mich. Ich stand unter großem Druck, gab der 24-Jährige zu, dessen Formanstieg auch Bundestrainer Joachim Löw nicht verborgen bleiben dürfte. Vorerst will sich der auch für die anstehenden EM-Qualifikationsspiele nicht berücksichtigte Kuranyi aber auf seinen Club konzentrieren. Sicher hätte ich mir gewünscht, schon wieder bei der Nationalelf dabei zu sein, aber ich muss erst meine Leistung im Verein bringen.
Auch Slomka sieht sein einstiges Sorgenkind - wie die ganze Mannschaft - auf dem richtigen Weg. Das Vertrauen hat sich ausgezahlt. Kevin war einfach klasse, hat viel für die Mannschaft gearbeitet und ein schönes Tor gemacht, sagte der Schalke-Coach nach dem tollen Fußball-Abend und freute sich über die zwischenzeitliche Tabellen-Führung. Das macht natürlich richtig Spaß. Aber wir müssen jetzt auf dem Teppich bleiben. Es sind erst drei Spieltage vorbei.
Erstmals seit langem spielte der selbst ernannte Titelaspirant über 90 Minuten wie aus einem Guss und wurde dem eigenen Anspruch gerecht. Im Mittelfeld eroberten Fabian Ernst und Zlatan Bajramovic viele Bälle, und dann ging über den überragenden Lincoln, der den Vergleich der brasilianischen Spielmacher um Längen gewann, die Post nach vorne ab. Wir haben uns über Diegos Leistung in den ersten zwei Spielen sehr gefreut. Aber wir wussten auch, dass es nicht immer so bleibt, sagte Schaaf. Schalkes Marcelo Bordon beschrieb den Unterschied so: Die Leute sind gekommen, um Diego zu sehen - und sie haben Lincoln gesehen.
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