Hannover - Aufsteiger Alemannia Aachen ist in der Fußball- Bundesliga angekommen. Der bisher punkt- und torlose Neuling deklassierte auswärts den Tabellenletzten Hannover 96 durch Tore von Jan Schlaudraff (15.), Sascha Dum (47.) und Rainer Plaßhenrich (72.) unerwartet klar mit 3:0 (1:0).
Beim ersten Bundesliga-Sieg seit mehr als 36 Jahren profitierte die Alemannia erheblich von der permanenten Formkrise der Niedersachsen. Nach elf Partien ohne Erfolg wackelt der Stuhl von 96-Trainer Peter Neururer. 30 078 maßlos enttäuschte Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft nach einer völlig indiskutablen Leistung mit gellenden Pfiffen und forderten mit Neururer raus-Rufen die Entlassung des Trainers. So viele Fehler bei eigenem Ballbesitz hatte ich meinem Team nicht zugetraut. Nach dem 0:2 habe ich auch nicht mehr an eine Wende geglaubt, gestand Neururer das totale Versagen ein. Die Mannschaft ist in sich zusammengebrochen.
Das ist für Aachen nach 36 Jahren ein historischer Sieg. Meine Mannschaft hatte nach dem zweiten Tor keinen Zweifel mehr, dass sie auch auswärts gewinnen kann. Es war wirklich klasse, sagte Aachens Trainer Dieter Hecking. Drei Tore, drei Punkte, alle sind glücklich. Heute werden wir etwas feiern, freute sich Alemannia-Kapitän Plaßhenrich über den auch in dieser Höhe verdienten Sieg.
Nach acht Gegentoren in den zwei Auftaktpartien hatte Neururer sein Team auf zwei Positionen geändert. Für den gesperrten Michael Tarnat verteidigte der Schwede Christoffer Andersson auf der linken Seite. Außerdem rückte Mannschaftskapitän Altin Lala als Abräumer in die Startelf. Nationalspieler Thomas Brdaric wurde ganz aus dem Kader gestrichen. Er verfolgte mit seinem Sohn die Begegnung auf der Tribüne. Trotz dieser Maßnahmen wirkte Hannover 96 desolat. Wir haben uns bemüht, aber es hat nichts geklappt, sagte Lala.
Bereits die erste Chance der vielbeinig verteidigenden Aachener führte zur unerwarteten Führung. Nach einem schönen Steilpass von Sascha Rösler überlief Schlaudraff die 96-Abwehr und lupfte den Ball über Torhüter Robert Enke. Es war das erste Aachener Erstliga-Tor seit dem Treffer von Herbert Gronen beim 3:2 gegen den MSV Duisburg am 3. Mai 1970. Die Gastgeber benötigten 20 Minuten, um sich von diesem Schock zu erholen. Jiri Stajner (35.), Frank Fahrenhorst (37.) und Szabolcs Huszti (38.) konnten in der Drangphase vor der Pause den starken Alemannia-Torwart Stephan Straub aber nicht überwinden.
Trotz der ideenlosen Vorstellung seiner Mannschaft zog Neururer in der Kabine keine Konsequenzen und verzichtete zunächst auf Auswechslungen. Zwei Minuten nach Wiederanpfiff schloss Dum einen der gefährlichen Aachener Konter zum 2:0 ab. Von dem erneuten Rückschlag erholte sich Hannover nicht mehr. Im Gegenteil: Das Gäste-Team von Trainer Dieter Hecking, der früher selbst für 96 spielte, verteidigte mit Glück und Geschick den Vorsprung. Plaßhenrich machte mit dem dritten Tor das Debakel für die Neururer-Elf komplett.
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