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Dortmund nutzt Stuttgarter Heimkomplex | 2006-08-27


Stuttgart - Der VfB Stuttgart leidet offensichtlich an einem chronischen Heimkomplex, auch wenn die Betroffenen dies vehement bestreiten.

Selbst gegen Lieblings-Gegner Borussia Dortmund, der letztmals vor sechs Jahren im Daimlerstadion gewinnen konnte, reichte es nicht zum erhofften Befreiungsschlag. Trotz eines halben Dutzends hochkarätiger Torchancen verloren die Schwaben gegen die Westfalen 1:3 und gehen deshalb mit gehörigem Druck in die dreiwöchige Pause der Fußball-Bundesliga.

Die Art und Weise, wie die Mannschaft gespielt und gefightet hat, hat nichts mit einem Heimkomplex zu tun, wehrte sich VfB-Trainer Armin Veh gegen entsprechende Kritik. Wir lassen uns das nicht einreden, auch wenn es vom Ergebnis her so aussieht. Fakt ist jedoch, dass die Stuttgarter zu Hause schwächeln. In der noch jungen Saison droht der Club nahtlos an seine verkorkste Vorsaison anzuknüpfen, als ihm in 17 Heimspielen nur 5 Siege gelangen.

Im Gegensatz zum blamablen Auftritt beim 0:3 gegen Nürnberg bot der VfB gegen den zuvor sieglosen BVB eine ordentliche Leistung. Wir haben mit viel Leidenschaft gekämpft, unsere vielen Chancen leider nicht verwertet und dumme Gegentore kassiert, analysierte Veh. Die Mannschaft hat alles versucht - und auf dem Weg müssen wir weiter arbeiten. Kapitän Fernando Meira warnte vor Panik: Wir dürfen uns nicht verrückt machen. Das war wesentlich besser als gegen Nürnberg, auch wenn unsere Leistung nicht gereicht hat, Punkte zu holen.

Im Kreuzfeuer der Kritik stand bei den Hausherren aber auch Schiedsrichter Franz-Xaver Wack (Biberbach). Zumindest das Handspiel von Dede kurz vor dem entscheidenden 1:3 war ein klarer Elfmeter, bemängelte Veh die großzügige Regelauslegung des Unparteiischen in drei strittigen Situationen. Dortmunds nach verbüßter Sperre erstmals mitwirkender Kapitän Christian Wörns wiegelte ab: Mir ist der Ball an die Hand gesprungen und Dede wurde angeschossen.

Für VfB-Stürmer Cacau, der allein drei Mal am überragenden Torhüter Roman Weidenfeller scheiterte, bedeuteten die verweigerten Elfmeter kein Alibi. Wir müssen einfach die Tore machen. So blieb es beim zwischenzeitlichen Ausgleich durch den jungen Serdar Tasci (30. Minute) bei dessen überzeugender Heimpremiere. VfB-Verteidiger Ludovic Magnin mit einem Eigentor (20.), der starke Florian Kringe (32.) und Alexander Frei (88.) erzielten die Dortmunder Treffer.

Wir haben Glück gehabt, räumte Bert van Marwijk ein. Wichtig ist, dass wir gewonnen haben. Dank des ersten Saisonsiegs können der Trainer und seine Schützlinge ohne Druck in die Pause gehen. Jetzt herrscht erst mal Ruhe, sagte Kringe. Wenn wir heute verloren hätten, wären in der Tabelle nur noch Bochum und Hannover hinter uns gestanden. Doch keine 24 Stunden nach dem ersten Dreier der Saison sorgten eine Hiobsbotschaft und eine überraschende Nachricht für Unruhe: Christoph Metzelder muss sich einer Meniskus-Operation unterziehen und fällt wochenlang aus, zudem hat der spanische Erstligist Betis Sevilla nach BVB-Angaben ernsthaftes Interesse an Nationalspieler David Odonkor.

Neben der nötigen Portion Glück (Kringe), Abgeklärheit und guter Chancenverwertung verdankte der BVB das Ende seiner schwarzen Serie in Stuttgart in erster Linie Weidenfeller. Roman war sehr gut, erteilte van Marwijk seinem Schlussmann ein Sonderlob. Den für 2,9 Millionen Euro verpflichteten Neuzugang Tinga bezeichnete er nach dessen ordentlichem Bundesliga-Debüt als Gewinn für Dortmund. Er ist ein taktisch schlauer Spieler.


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