Stuttgart - Nach wochenlangem Schweigen hat Deutschlands bester Schiedsrichter Markus Merk in einer persönlichen Weltmeisterschafts-Analyse den Weltfußballverband FIFA kritisiert.
Der 44-Jährige aus Kaiserslautern musste nach drei Vorrunden-Einsätzen bis Turnierende mit seinem Team im Schiedsrichter-Quartier in Neu-Isenburg zur Verfügung stehen, obwohl die Chancen auf ein weiteres Spiel wegen des guten Abschneidens der deutschen Nationalmannschaft sehr gering waren. Wir haben wochenlang jeden morgen das freiwillige Training absolviert, meist als einziges Team. Wir haben uns schon irgendwo respektlos behandelt gefühlt, sagte Merk in mehreren Interviews am Wochenende.
Der Weltschiedsrichter der Jahre 2004 und 2005 bemängelte, dass die europäischen Referees bei der FIFA von Beginn an einen schweren Stand gehabt hätten. Schon beim ersten Workshop 2005 kam es zu Unstimmigkeiten zwischen den europäischen Schiedsrichtern und den Verantwortlichen, was die grundsätzlichen Eckpfeiler der Spielleitung anging, sagte Merk. Unverständlichen seien für ihn Einsätze als 4. Offizieller bei der U20-WM gewesen, trotz Intervention von DFB und UEFA.
Durch die vorgeschriebene restriktive Regelauslegung sei den Schiedsrichtern jeglicher Handlungsspielraum genommen worden. Den Unmut über die Regelauslegung in der Vorrunde kann ich nachvollziehen. Ich habe mich selbst auf dem Platz unwohl gefühlt. Merk war in die Kritik geraten, als er im dritten Spiel unter seiner Leitung zwischen den USA und Ghana (1:2) den Afrikanern einen umstrittenen Elfmeter zusprach. Den würde ich so auch nicht mehr pfeifen, gestand Merk.
Trotz der heftigen Kritik entschied sich der Zahnarzt für eine Fortsetzung seiner Karriere. Nach einer Auszeit wird er im September wieder in der Bundesliga sowie internationale Spiele auf europäischer Ebene pfeifen. Für FIFA-Spiele kommt er wegen der dort geltenden Altersgrenze von 45 Jahren nicht mehr in Betracht. Ich bin begeistert, mehr denn je, für den Fußball. Im europäischen Bereich für die UEFA zu arbeiten, ist fantastisch. Und ich bin Mitspieler eines tollen, oft verkannten Teams, der deutschen Schiedsrichter.
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