Duisburg - Christoph Daum genießt es, wieder da zu sein. Es ist ja auch für eine gute Sache, sagte der Meistertrainer des VfB Stuttgart von 1992, der nun als Assistenztrainer die deutsche Nationalmannschaft für Menschen mit Behinderung bei der WM in Deutschland unterstützt.
Doch selbst in der für ihn ungewohnten zweiten Reihe fühlt sich Daum wohl und verschafft der etwas anderen WM als Zugpferd Publicity. Ich versuche, im Rahmen meiner Möglichkeiten für Öffentlichkeit zu sorgen, meinte der 52-Jährige.
Fragen nach seiner Zukunft blockt der momentan vereinslose Fußballlehrer, der bis zur vergangenen Saison den türkischen Erstligisten Fenerbahce Istanbul betreute, allerdings ab. Ich habe meinen Urlaub abgebrochen und bin mit der Aufgabe, die ich jetzt habe, voll ausgelastet, sagte Daum, der beim 3:0-Sieg der deutschen Auswahl im WM-Eröffnungsspiel gegen Japan in Duisburg erstmals neben Cheftrainer Willi Breuer auf der Bank saß. Wenn sie mich nicht feuern, würde ich gern bis zum Finale weitermachen, gesteht Daum. Erstmals nach seiner Kokain-Affäre 2000 als Coach von Bayer Leverkusen betreut er wieder eine deutsche Mannschaft.
Breuer und seine Spieler freuen sich, dass sie den Star-Trainer an ihrer Seite haben. Er ist nicht nur ein toller Motivator, sondern sieht am Spielfeldrand eine Menge. Wir haben ein gutes Teamwork, bereichte Breuer. Daum hat uns richtig heiß gemacht, meinte Torwart Dirk Müller. Die WM, bei der nur Menschen mit einem Intelligenzquotienten bis 75 teilnehmen dürfen, dauert noch bis zum 16. September.
Während der Sportpädagoge Breuer bereits seit 14 Jahren als Honorartrainer des Deutschen Behinderten Sportverbandes (DBS) in diesem Metier arbeitet, ist es für Daum, der sich unentgeltlich engagiert, eine völlig neue Erfahrung. Mich interessiert die psychologische Arbeit, sagte der Coach, der die Unterschiede zum Profi-Fußball als minimal einstuft. In der Bundesliga reicht es oft, wenn man den Spielern zwei Mal etwas sagt. Bei den Behinderten müssen einige Dinge viel öfter wiederholt werden, bis die Menschen sie begreifen, erzählte Daum, der allerdings seinen neuen Schützlingen, die meist eine Sonderschule besuchen, ein sportlich gutes Zeugnis ausstellt: Für Fußball brauchst du kein Abitur.
Unheimlich viele positive Eindrücke nehme er mit. Es macht Spaß, mit den Jungs zusammen zu sein. Grundsätzlich verdient der Behindertensport mehr Aufmerksamkeit, mehr Unterstützung und mehr Förderung, sagte Daum, der sich nur als Helfer bezeichnet und vielmehr Trainer Breuer und dessen Fußballern, die zumeist in der Kreisliga aktiv sind, Anerkennung zollt: Willi erreicht die Spieler an Kopf und Herz. Manche könnten bei der entsprechenden Förderung durchaus höherklassig antreten.
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