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Trainernovize Staunton hofft auf Trotzreaktion | 2006-08-31


Dublin/Stuttgart - Der irische Fußball hat schon bessere Sommer erlebt. Zwar bescherte das Wetter den Bewohnern der Grünen Insel weniger Regen als sonst, doch über der Nationalmannschaft zogen vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland in Stuttgart dunkle Wolken auf.

Die Art und Weise des 0:4 gegen die Niederlande vor gut zwei Wochen versetzte sogar den abgezockten Profis aus der englischen Premier League einen Schock. Das war peinlich, die Holländer hätten sogar noch mehr Tore schießen können, sagte Mittelfeldspieler Kevin Kilbane vom FC Everton.

Die höchste Heimniederlage seit dem 0:4 gegen Deutschland 1966 kam allerdings unter denkbar schlechten Begleitumständen zu Stande. Trainer Stephen Staunton, der am 13. Januar 2006 zum Nachfolger des in der WM-Qualifikation klar gescheiterten Brian Kerr ernannt worden war, wurde vor dem Spiel von einem geistig Verwirrten mit einer Gewehrattrappe bedroht. In den Stürmern Robbie Keane (Tottenham Hotspur) und Damien Duff sowie Torhüter Shay Given (Newcastle United) fehlten Staunton drei Stammkräfte, die in Stuttgart wieder dabei sind.

An das Daimlerstadion hat Irland übrigens beste Erinnerungen: Bei der EURO 1988 gelang ein überraschendes 1:0 gegen den politischen und sportlichen Erzrivalen England.

Given bestand einen Härtetest und wird nach überstandener Rückenverletzung im Tor stehen. Mit den Stars ist auch so etwas wie Zuversicht ins irische Lager zurückgekehrt. Ich freue mich darauf, die Dinge wieder gerade zu rücken, sagt Kapitän Robbie Keane, der bei der Weltmeisterschaft 2002 im japanischen Ibaraki beim 1:1 im Gruppenspiel gegen Deutschland kurz vor dem Schlusspfiff traf. Damals scheiterte Irland erst im Achtelfinale an Spanien, verpasste aber die Teilnahme an der EM 2004 und der WM in diesem Jahr.

Staunton hofft zum Auftakt der EM-Qualifikation auf eine Trotzreaktion seiner Spieler. Was passiert ist, sollte Ansporn und Stimulation sein, meinte der 37-Jährige, der in Ibaraki ebenso wie sieben Spieler seines heutigen Kaders auf dem Platz stand. Mit der Erfahrung von 102 Einsätzen will Irlands Rekord-Nationalspieler seine mangelnde Erfahrung auf der Bank kompensieren.

Dazu sollte eigentlich das englische Trainer-Urgestein Sir Bobby Robson an Stauntons Seite stehen, doch der 73-Jährige erholt sich noch von einer Gehirntumor-Operation. Trainerneuling Staunton hat übrigens eine Parallele zu seinem deutschen Kollegen Joachim Löw aufzuweisen: Beide starteten ihre Karriere als Nationatrainer mit einem 3:0 gegen Schweden.

Nach dem Schweden-Spiel standen wir so richtig unter Strom, erinnert sich John OShea von Manchester United. Er ist einer von 22 Spielern aus der englischen Premier League im 23-köpfigen irischen Kader. Doch der Rückenwind wurde nach dem 0:1 gegen Chile und nach dem 0:4 gegen die Niederlande zur Flaute. Auch deshalb appellierte Rotschopf Staunton an die Ehre seiner Spieler: Ich weiß, welche Vorstellung ich bekommen werde. Sie werden hungrig sein und das Beste für ihr Land geben.


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