Hannover - Die Rückkehr von Ex-Clubchef Martin Kind als starker Mann hat bei Hannover 96 ein Stühlerücken in Gang gesetzt und zu personellen Konsequenzen geführt. Geschäftsführer Karl-Heinz Vehling legte mit sofortiger Wirkung alle Ämter beim Fußball-Bundesligisten nieder.
Der Rechtsanwalt, der seit Kinds unerwartetem Rücktritt im August 2005 mit Manager Ilja Kaenzig für den Spielbetrieb verantwortlich war, kam mit seinem Schritt einer möglichen Entlassung zuvor. Als möglicher Nachfolger ist Rene C. Jäggi vom 1. FC Kaiserslautern im Gespräch. Zehn Tage vor Vehling hatten bereits 96-Gesellschafter Carsten Maschmeyer und der bisherige Vereinsvorsitzende Götz von Fromberg abgedankt.
Der neue Hauptgesellschafter Kind hat nach seinem Wiedereinstieg am 7. Juli die Zügel fest in die Hand genommen. So zweifelte er in der Vorwoche in einem Hintergrundgespräch die Fähigkeiten von Kaenzig und Vehling bei der Führung des Bundesliga-Teams an und verunsicherte damit Mannschaft, Mitarbeiter und Sponsoren. Die mediale Diskussion löst im gesamten Umfeld wenig hilfreiche Unruhe aus und hat mich zu der Auffassung kommen lassen, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht zu erwarten ist, begründete der ehemalige Kind-Vertraute Vehling seine Demission.
Sein Mitstreiter Kaenzig lehnte einen freiwilligen Rückzug ab. Am früheren Leverkusener Manager hat sich die Debatte über fehlende personelle Qualität im Kader hauptsächlich entzündet. Daran ändern auch sechs neue Profis für das Team von 96-Trainer Peter Neururer nichts. Wir machen unseren Job weiter. Die Vorbereitung auf den Bundesligastart ist die Hauptsache. Alles andere sind Nebengeräusche. Am Schluss zählt ohnehin der Tabellenplatz, sagte Kaenzig trotzig.
Er muss dennoch um seinen Arbeitsplatz fürchten, zumal auch sein Verhältnis zu Trainer Neururer als angespannt gilt. Ich habe eine gewisse Verantwortung gespürt, weil ich den Verein neun Jahre geführt habe, hatte Kind seine Rückkehr ins Rampenlicht begründet. Der Hörgeräte-Unternehmer ist nach den Rücktritten von Maschmeyer und von Fromberg alleiniger Hauptgesellschafter der 96-Kernfirma Sales & Service GmbH und zugleich größter Geldgeber des Traditionsvereins.
Nach Ansicht von Alleinherrscher Kind muss ein Bundesliga-Club straff geführt werden. Einer muss das Sagen haben. Diesem Ziel ist Kind mit dem Rückzug des Teamspielers Vehling, der arbeitsteilige Strukturen schaffen wollte, einen Schritt näher gerückt. Eine Rückkehr als Vereinspräsident und der Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden wären für Kind die logische Konsequenz beim Stühle rücken.
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