Florenz - Spieler-Ausverkauf zu Schnäppchenpreisen, gewaltsame Proteste der Tifosi und eine drohende Prozess-Welle: Der italienischen Fußball-Skandal nimmt immer größere Ausmaße an.
Aufgebrachte Fans besetzten über mehrere Stunden die Gleise auf dem Bahnhof von Florenz. Erst die Aufforderung der Vereinsführung von AC Florenz, nach Hause zu gehen, und der Einsatz der Carabinieri setzte der Aktion ein Ende. Doch das dürfte erst der Auftakt sein: Schon drohen Fans vom AC Mailand, in den nächsten Tagen ein Sit-in in der Innenstadt der Finanz-Metropole zu veranstalten.
Unruhige Zeiten kommen auch auf die Gerichte zu: Am 22. Juli beginnt in Rom der Berufungsprozess vor dem Sportgericht des nationalen Fußballverbandes (FIGC). Um neun Uhr startet die Verhandlung, teilte der Verband mit. Alle vier Vereine Juventus Turin, AC Florenz, Lazio Rom und AC Mailand wollen ein milderes Urteil. Unklar ist, ob etwa auch Schiedsrichter Massimo De Santis gegen sein Berufsverbot zu Felde zieht.
Nach dem Urteil in erster Instanz müssen Juve, Florenz und Lazio in die 2. Liga absteigen, Mailand darf zwar in der Serie A bleiben, bekommt aber Strafpunkte. Aber auch die Anklage-Behörde kündigt Widerstand gegen den Richterspruch an: Sie findet vor allem die Strafe für Rekordmeister Turin zu milde. Staatsanwalt Stefano Palazzi beharrt darauf, dass Juve in die dritte Liga absteigt.
Noch größere Wallungen der Tifosi lösen die Spekulation um die Spielerwechsel aus: Die Zeitung La Gazzetta dello Sport berichtet, acht Spieler der Weltmeister-Elf würden den Verein wechseln. Alarm: Die wollen unsere Stars aus Italien wegholen, titelt der Corriere della Sera. Nach Angaben der Auguren in Italien meldet angeblich auch Bayern München Begehrlichkeiten an, etwa an Mauro Camoranesi und sogar an Juve-Abwehrchef Fabio Cannavaro - der allerdings schon mit Real Madrid so gut handelseinig geworden sein soll.
Die Preise sind schwer am zurückgehen, ganz einfach weil das Angebot die Nachfrage übertrifft, schreibt die römische Zeitung La Repubblica mit spitzem Unterton. Und: Die große Migration hat begonnen. Real Madrid etwa biete schlappe 35 Millionen Euro für den Dreierpack Cannavaro, Emerson und Gianluca Zambrotta. An Startorwart Gianluigi Buffon soll neben AC Mailand auch Arsenal London Interesse haben - das wiederum könnte bedeuten, dass Jens Lehmann erneut große Konkurrenz bekommt. Nach dem Clinch mit Oliver Kahn um den Stammplatz in der Nationalmannschaft nun ein Kampf um Platz 1 auch im Verein?
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