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Denkmal bröckelt: Beckham nicht mehr unantastbar | 2006-06-25


Stuttgart - David Beckham ist berühmt, sieht gut aus, hat viel Geld und gute Manieren, ist aber nicht mehr unantastbar. Englands Yellow Press hält schon die Rote Karte für den Superstar bereit.

Ehemalige Fußball-Größen fordern seine Auswechslung und die als sehr harmonisch geltende Liaison mit Trainer Sven-Göran Eriksson hat erste Risse bekommen. Die Aktie der Marke Beckham ist immer noch hoch im Kurs, doch als Fußballer glänzt Englands bekanntester Kicker- Star nicht mehr.

Nach den dürftige Darbietungen in der Vorrunde ist Beckham ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, doch die englischen Massenblätter haben erst einmal einen Nichtangriffspakt geschlossen. So lange England noch im WM-Rennen ist, hält sich jeder an die Abmachung, erklärt ein Reporter des Mirror und gewährt damit einen Blick in eine wohl einmalige Art und Weise, wie Englands Boulevardpresse mit ihrem größten Fußballstar umgeht.

Seit er 1996 das Rampenlicht des Weltfußballs betrat, spaltet Beckham die Nation. Er wurde geliebt und gehasst und polarisierte wie kaum ein anderer englischer Fußballer. Der 31 Jahre alte Kapitän der Nationalmannschaft genießt immer noch den Status eines Popstars, als der er auch gezielt vermarktet wird. Doch was Beckham auf dem Platz macht, ist der Öffentlichkeit ziemlich gleichgültig. Ehefrau Victoria füllt mittlerweile alleine die Klatschspalten der Regenbogenpresse. Auf den Sportseiten hat Fußball-Rowdy Wayne Rooney den Flankengott aus den Schlagzeilen verdrängt.

Weil nur sehr wenige Journalisten einen halbwegs persönlichen Kontakt zu ihm haben und Beckham vermutlich weltweit der einzige Spitzenfußballer ist, dessen Handynummer kein einziger Reporter kennt, werden die Beckham-Stories auf Umwegen geschrieben. Sehr begehrt ist die Meinung ehemaliger Stars wie zuletzt Geoffrey Hurst. Der Schütze des Wembley-Tores beim WM-Finale 1966 gegen Deutschland riet Eriksson in der Sun, ganz auf Beckham zu verzichten, denn auf diesem Level braucht man Schnelligkeit, um mal an einem Gegner vorbei zu kommen.

Aber Beckham bietet in diesen Tagen noch zu wenig Angriffsfläche. Auf dem Platz hat er zwei Tore in der Vorrunde vorbereitet. Bei den Pressekonferenzen steht er brav Rede und Antwort. Persönliche Fragen, so die Abmachung der englischen Medien, werden nicht gestellt. Es gibt niemanden, der etwas Schlechtes über ihn zu sagen hätte. Er ist nett und höflich. Keine Marketing-Kampagne muss ihn überhöhen, beschrieb die Zeit einmal das Phänomen Beckham. In dem selben Artikel war aber auch von der Selbstzerstörung einer einmaligen globalen Marke zu lesen.

Englands Presse will es sich mit Beckham nicht zu früh verscherzen, doch seit Erikssons Drohung, seinen Lieblingsspieler auf die Bank zu setzen, trauen sich vereinzelt Kritiker aus der Deckung. Nie zuvor war die Kluft zwischen dem Talent eines Sportlers und seinem Berühmtheitsgrad größer, schrieb kürzlich der Observer über den Abstieg eines Superstars. Das Denkmal bröckelt. Beckhams weltweite Popularität, die ihm zu einem Vermögen von geschätzten 130 Millionen Euro verhalf, dürfte allerdings unantastbar bleiben.


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