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Lubos Michel pfeift Deutschland - Argentinien | 2006-06-28


Berlin/Neu-Isenburg - Der Slowake Lubos Michel pfeift das WM-Viertelfinale der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Argentinien, Markus Merk bleibt zumindest ein heißer Anwärter auf das Finale.

Der 44-Jährige aus Otterbach gehört zu den zwölf Referees, die von der FIFA-Schiedsrichter-Kommission für die letzten acht WM-Spiele nominiert wurden. Er muss in den Viertelfinals aber tatenlos zuschauen. Sollte die Klinsmann-Elf das Halbfinale erreichen, würde Merk erneut pausieren müssen. Er käme aber noch für die Leitung eines der beiden Finalspiele ohne deutsche Beteiligung in Frage.

Neben Michel wurde der Belgier Frank De Bleeckere für die Italien gegen Ukraine nominiert. Der Argentinier Horacio Elizondo leitet das Spiel England gegen Portugal und der Spanier Luis Medina Cantalejo das letzte Viertelfinale zwischen Brasilien und Frankreich.

FIFA-Präsident Joseph Blatter fordert von den in die Kritik geratenen Schiedsrichtern in der finalen Turnierphase eine deutliche Steigerung. Ich bin überzeugt, dass wir wieder die Klasse sehen werden, die sie zu Beginn des Turniers gezeigt haben, erklärte der Chef des Weltverbandes FIFA in Berlin.

Die Unparteiischen seien zuletzt vor allem der psychischen Belastung nicht gewachsen gewesen. Die hatten einen großen Druck, von außen und von innen, meinte Blatter. Möglicherweise habe auch dazu beigetragen, dass die 21 WM-Schiedsrichter mit ihren Assistenten nicht genug Freiraum in ihrem Quartier in Neu-Isenburg hatten. Vielleicht waren sie zu stark kaserniert, sagte Blatter. Die WM-Referees bekamen nur zwei Tage nach einem Einsatz einen Tag frei.

Für 14 Schiedsrichter und 28 Assistenten ­ darunter die insgesamt 15 Unparteiischen der Förderungs- und Supportgruppe ­ endet die Weltmeisterschaft am 30. Juni mit der vorzeitigen Heimreise. Darunter befinden sich auch die heftigst kritisierten Graham Poll aus England und Walentin Iwanow aus Russland. Die Unparteiischen haben nicht immer fehlerfrei gehandelt, räumte Angel Maria Villar Llona, Chef der Schiedsrichter-Kommission, ein.

Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder gibt eine Mitschuld an den vielen Patzern dem FIFA-Präsidenten. Der hat an alle den Oberbefehl erlassen, für jeden Wimpernschlag die Gelbe Karte zu zeigen, sagte Ahlenfelder, der in der Saison 1984/85 auch FIFA-Spiele leitete, der Berliner Zeitung. Damit habe Blatter alle Schiedsrichter total verrückt gemacht und unter Druck gesetzt. Diese WM ist gründlich verpfiffen, und daran trägt vor allem der Herr Blatter die Schuld, meinte Ahlenfelder.

Der FIFA-Chef wies den Vorwurf zurück. Es kann doch kein Fehler sein, jemanden zu kritisieren. Auch Spieler und Trainer werden kritisiert, so der 70 Jahre alte Schweizer, da muss man doch verstehen, dass man auch sie kritisiert. Schließlich hätten sie die Vorgaben nicht in allen Partien gleichermaßen angewendet. Hinzu kämen nicht bestrafte Tacklings von hinten sowie grobe Fehler in der Regelanwendung.

Wenn man bessere Spiele wolle, müsse man auch bessere Referees haben. Daher muss die Professionalisierung unter Schiedsrichtern vorangetrieben werden und das Feld derjenigen erweitert werden, die darüber entscheiden, wer die besten sind, meinte Blatter. Nach der WM wolle er eine entsprechende Diskussion innerhalb der FIFA anregen.

Als weltfremd bezeichnete Hans Meyer, Bundesliga-Trainer des 1. FC Nürnberg, die Vorgaben der FIFA für die Unparteiischen. Die FIFA benutzt diese WM, die Schiedsrichter betreffend, zu einer Experimentierwiese, sagte er. Da werden selbst harmlose Spiele durch eigentlich sehr, sehr gute Schiedsrichter zu Kartenspielen.


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