Stuttgart - Selbstbewusst, zielstrebig - aber nicht abgehoben: Die beiden 20 Jahre alten Sami Khedira und Serdar Tasci stehen für die jungen Wilden beim deutschen Fußball-Meister VfB Stuttgart und dürfen sich nun erstmals über eine Länderspiel-Berufung freuen.
Der Deutsch-Tunesier und der Deutsch-Türke gehören zum Aufgebot für die Partie gegen England. Ich freue mich natürlich sehr über die Nominierung. Damit geht für mich ein Traum in Erfüllung, sagte Mittelfeldspieler Khedira. Für Abwehrspieler Tasci ist die Berufung von Bundestrainer Joachim Löw eine Riesenüberraschung und Ehre und Ansporn zugleich.
Tasci (27 Bundesliga-Spiele) und Khedira (23), beide im April 1987 geboren, hatten sich in der vergangenen Saison auf Anhieb einen Stammplatz bei den Schwaben erkämpft. Während Tasci beim furiosen Saison-Endspurt wochenlang verletzt fehlte, trumpfte Khedira als Meistermacher auf: Beim 2:1 gegen Energie Cottbus am letzten Spieltag erzielte er den Siegtreffer. Dass der Bundestrainer aufmerksam geworden ist, setzt mich nicht unter Druck, sagte Khedira. Ihn haben längst auch die Späher europäischer Spitzenclubs im Blick. Doch der torgefährliche Techniker mit dem tollen Überblick steht bis 2009 in Stuttgart unter Vertrag, Tasci bis 2010.
Wir sind sehr stolz auf zwei weitere Nationalspieler. Langsam entwickelt sich die Nationalmannschaft zum VfB-Block, meinte VfB-Teammanager Horst Heldt. Auch Meistertrainer Armin Veh freute sich mit Tasci und Khedira. Das haben sie sich verdient. Schön, dass der Bundestrainer auf die Jüngeren schaut, auch wenn wegen der zusätzlichen Belastung zwei Herzen in meiner Brust schlagen.
Khediras Karriere schien wegen einer komplizierten Meniskusverletzung beendet, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Noch vor einem Jahr war ich in der Reha und wusste nicht, ob ich weiter Fußball spielen kann, erinnerte sich der Sohn eines Tunesiers und einer Deutschen, der schon mit acht Jahren für den VfB spielte, bei der Meisterfeier im Mai an seine Leidenszeit. Es ist eine Ehre, den Adler auf der Brust zu tragen, hatte er schon nach seinen zwei Einsätzen für die U-21-Auswahl gesagt.
Für Khedira hat sich nie die Frage gestellt, ob er für Tunesien oder Deutschland spielt: Ich bin hier aufgewachsen, das ist meine Heimat. Hingegen zerrten die türkischen Verbandsfunktionäre einige Male an Tasci, dessen Vater 1976 als Gastarbeiter in Altbach bei Stuttgart landete. Meine Eltern tendierten zur türkischen Nationalmannschaft, aber die deutsche Nationalmannschaft war einfach schneller, erklärte Tasci. Die Entscheidung bereitete ihm als Junioren-Auswahlspieler viele Nächte, in denen ich nicht schlafen konnte. Um seine Profikarriere zu forcieren, hatte er Anfang des Jahres die Schule geschmissen - wenige Monate vor dem Abitur: Ich konnte beides nur halbherzig machen, da habe ich mich für den Fußball entschieden. Das Abi kann ich immer mal nachholen, wenn ich mich schwer verletze.
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