Dortmund/Berlin - Warmfeiern für den WM-Klassiker: Millionen Fußballfans haben bei Bilderbuchwetter dem Halbfinalspiel Deutschland gegen Italien entgegengefiebert.
Am Spielort Dortmund begann der Ansturm zehntausender Schlachtenbummler schon Stunden vor dem Anpfiff. Mit Fahnen, bunten Hüten und in Nationaltrikots schlenderten Anhänger des DFB-Teams und der Squadra Azzurra durch die City. Die traditionell fußballbegeisterte Stadt erwartete 200 000 Besucher - so viele wie nie zuvor.
Drei Stunden vor dem Anpfiff wurden die Tore beim Fanfest auf dem Dortmunder Friedensplatz geschlossen worden. Gut 15 000 Fans meist mit schwarz-rot-goldenen Fahnen und Hüten drängelten sich vor der Großleinwand. Wenn der Friedensplatz zu ist, zieht die Fan-Karawane zu uns, sagte der Sprecher der Westfalenhallen, Andreas Weber. Vor den Großbildleinwänden dort sei am frühen Abend noch Platz für 30 000 Fans gewesen. Insgesamt werden bis zu 200 000 Fans in der Westfalenstadt erwartet. In Berlin strömten ebenfalls Zehntausende auf die bundesweit größte WM-Meile am Brandenburger Tor.
Wegen des immer größer werdenden Ansturms der Fans hatten viele Städte ihre Public-Viewing-Plätze aufgestockt. In München sollte erstmals ein Spiel auf der Theresienwiese - dem Oktoberfestgelände - übertragen werden. Für die TV-Übertragung im Frankfurter Stadion wurden in wenigen Stunden 9000 Tickets verkauft. Die Karten sind der Hit, hieß es. In der Main-Arena mit drei Riesenleinwänden wurden rund 80 000 Menschen erwartet. Das wird wieder rappelvoll, sagte ein Sprecher des Veranstalters. In Hannover stellten sich die Verantwortlichen des Fanfestes auf rund 60 000 Besucher ein - das wäre ein Rekord. In Hamburg war der Zulauf am Nachmittag zunächst noch verhalten.
In Dortmund hatten viele Fans für den WM-Knüller weite Wege auf sich genommen. Aus Schwandorf bei Regensburg setzten sich Kare, Mario und Peter bereits um 5.00 Uhr in den Zug, um rechtzeitig vor Ort zu sein. Noch eine halbe Stunde früher war WM-Schlachtenbummler Matthäus Hammerl (62) aus Ried bei Bad Tölz auf der Autobahn. Mit Kuhglocke sowie zwei Deutschland- und Freistaat-Bayern-Flaggen zog der Oberbayer in Lederhose und mit Gamsbart-Hut durch die Stadt. Dabei hatte er zunächst noch keine Eintrittskarte. Zwei Statistiken hatten viele Fans im Kopf: Noch nie hat Deutschland bei einer WM gegen Italien gewonnen - aber auch noch nie in Dortmund verloren.
Polizei und Hilfskräften stand bundesweit erneut ein Großeinsatz bevor: Allein in Berlin sollten rund 6000 Polizisten für Sicherheit sorgen. Die Sanitäter an den Partyzonen riefen Besucher dazu auf, wegen der Hitze ausreichend Nicht-Alkoholisches zu trinken. In der Hauptstadt war die Fanmeile eigens für den Fußball-Klassiker mit zwei zusätzlichen Videowänden über die Siegessäule hinaus erweitert worden. Damit sollte mehr Platz geschaffen werden, um bis zu 900 000 Besucher auf dem Areal mitfeiern lassen zu können. Die Kontrollen dürften besonders streng sein, nachdem am 2. Juli ein Amokfahrer durch die Absperrung der Fanmeile gerast war und 26 Menschen verletzt hatte.
Die italienischen Kicker um Totti, Toni und Co. haben viele Fans in Deutschland, wo rund 500 000 Italiener leben. Mitgezittert wurde unter anderem in Bars der Volkswagenstadt Wolfsburg, die mit 5500 Menschen italienischer Abstammung als größte Italiener-Kolonie in der Bundesrepublik gilt.
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