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Verkaufsschlager Schwarz-Rot-Gold | 2006-07-07


Düsseldorf - Deutschland zeigte Flagge: Am Fenster, am Auto, in der Hand und manchmal auch um den Bauch. Die Fußball-Begeistung hat Schwarz-Rot-Gold zum Verkaufsschlager gemacht.

Branchenkenner schätzen, dass während der Weltmeisterschaft bundesweit etwa fünf Millionen Deutschland-Fahnen verkauft worden sind und für klingelnde Kassen sorgten. Schwarz-Rot-Gold hat durch die WM nach Meinung von Marketing-Experten bei vielen Bundesbürgern einen neuen Stellenwert bekommen und wird künftig häufiger zu sehen sein.

Ein überraschend positiver Nebeneffekt der Weltmeisterschaft war das Meer der deutschen Fahnen und der spielerische Umgang der Deutschen mit einem neu erwachten Nationalgefühl, resümiert der Vizepräsident des Modeverbandes GermanFashion, Peter Boveleth. Fahnen an jeder Ecke: Egal, ob im Laden oder beim fliegenden Händler, es gab sie ja überall. Und sie waren billig. Die drei oder fünf Euro hatte ja fast jeder übrig, meint der Geschäftsführer des Flaggenproduzenten Fahnen Richter in Köln, Denis Beutler.

Vom Fahnenrausch profitierte in erste Linie der Einzelhandel. Etwa 20 bis 25 Millionen Euro sind in den vergangenen vier Wochen nach Meinung von Branchenkennern mit schwarz-rot-goldenen Fahnen umgesetzt worden. Der Umsatz mit den Flaggen anderer Länder, die Einheimische oder Fußballfans ausländischer Mannschaften hier zu Lande erwarben, ist da noch nicht mitgerechnet. Allein der größte deutsche Handelskonzern METRO verkaufte in den vergangenen Monaten 228 000 Fahnen aller Farben. Aber auch Baumärkte, Getränkehändler und Supermärkte mischten mit.

Ein dickes Geschäft machten Großhändler, denn die meisten der Flaggen kamen aus dem Ausland. Vier der fünf Millionen verkauften Deutschland-Fahnen stammten nach Schätzung eines Insiders nicht aus deutscher Produktion, sondern aus Fernost. Schwarz-Rot-Gold sorgte demnach auch in China für zufriedene Gesichter. Doch auch die heimische Fahnenhersteller-Branche ist begeistert. In einigen mittelständischen Betrieben wie Fahnen Herold in Wuppertal entstanden neue Arbeitsplätze.

Ich glaube, wir haben durch die WM viele Neukunden gewonnen, meint Beutler von Fahnen Richter. Vielleicht stellen sich Deutsche demnächst wie die Engländer oder Holländer einen Fahnenmast in den Vorgarten. Der Geschäftsführer von Fahnen Herold, Kai Frauenhoff, sieht einen Trend zu einem unverkrampften Verhältnis gegenüber der deutschen Nationalfahne: Dass das Geschäft mit der Deutschland- Flagge besser läuft, haben wir schon bei der Fußball-WM 2002 gemerkt und es hat sich jetzt extrem gesteigert, wie jeder sieht.

Bereits während der WM fragten Firmen wegen des Schwarz-Rot-Gold- Enthusiasmus bei den Fahnenherstellern an, wie sie Länder- und Werbefahnen künftig als Kommunikations-Medium einsetzen könnten. Der Kreativchef der Werbeagentur zum goldenen Hirschen, Bernd Heusinger, erwartet aber nicht, dass mit Schwarz-Rot-Gold weiterhin in der Öffentlichkeit gepunktet werden kann. Eine schwarz-rot-goldene Kampagne nach der WM würde vom Konsumenten als peinlich wahrgenommen, sagte er der Marketing-Zeitschrift Horizont.

Doch dass die Deutschen die gerade neu erstandenen Flaggen auf nimmer Wiedersehen wegpacken und alles so wie früher wird, glaubt Marken-Experte Bernd M. Michael nicht. Schwarz-Rot-Gold sei durch die Fußball-WM ein Stück für Jedermann geworden und nicht mehr nur ein Hoheitszeichen, sagte der ehemalige Europachef der Werbeagentur- Gruppe Grey. Viele junge Deutsche mögen das Stück Stoff und werden es jetzt öfter rausholen, wenn sie als Deutsche Emotionen ausdrücken wollen.


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