Frankfurt/Main - Der Fußball-Weltverband FIFA plant eine einschneidende Schiedsrichter-Reform. Bei der WM 2010 in Südafrika sollen nur noch Profis zum Einsatz kommen.
Insgesamt 40 Millionen Dollar (31,223 Millionen Euro) will die FIFA in den nächsten vier Jahren , für deren Ausbildung bereitstellen. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in seiner neuesten Ausgabe. Wir müssen das Schiedsrichterwesen professioneller gestalten. Das ist eine Hauptlehre dieser WM, erklärte FIFA-Präsident Joseph Blatter.
Bei seinem Vorstoß treiben den Schweizer weniger monetäre als vielmehr psychologische Gründe um. Man kann sehen, wie oft die Schiedsrichter im Mittelpunkt der Skandale stehen. Ich muss gar nicht den Namen Hoyzer erwähnen oder Brasilien oder Asien und jetzt in Italien. Ich bin sehr darauf fokussiert, dass man ihnen hilft. Eines der Mittel muss der Profi-Schiedsrichter sein. Es geht nicht um Entlohnung, sondern um die Psychologie des Berufes. Wenn ich im Beruf stehe, bin ich weniger beeinflussbar von externen Agenten, sagte Blatter der dpa.
Auf Ablehnung stößt Blatters Idee bei Hellmut Krug, dem Abteilungsleiter Schiedsrichterwesen im Deutschen Fußball-Bund (DFB). Ich sehe darin keine Vorzüge. Es konnte noch niemand beweisen, dass ein Profi-Schiedsrichter besser pfeift. Er hat auch nur zwei Augen und ist auch nur ein Mensch. Auch Profis werden Fehler nicht vermeiden können. Das hat man bei dieser WM gesehen, wo der gravierendste Fehler von einem Profi gemacht wurde, erklärte Krug in einem dpa-Gespräch.
Gemeint ist Graham Poll, der dem Kroaten Josip Simunic im Vorrundenspiel gegen Australien gleich drei Mal die Gelbe Karte zeigte und nach der vorzeitigen Heimreise seinen Rücktritt erklärte. Nach Ansicht Krugs habe der DFB bereits ausreichende professionelle Strukturen für die deutschen Schiedsrichter geschaffen. Sie haben Freiräume, ihre Arbeit zu reduzieren und dadurch genügend Zeit zum Training und für die Wettkämpfe, sagte Krug.
Blatter ist dagegen der Ansicht, dass nur durch eine Professionalisierung eine einheitlichere Regelauslegung gewährleistet würde. Derzeit wüssten die Spieler nicht, wo ihre Grenzen sind, wenn der eine nachsichtig und der andere übermäßig streng entscheide. In den 63 WM-Spielen bis zum Finale hatten die Referees 27 Platzverweise (8 Rot, 19 Gelb- Rot) ausgesprochen - so viele wie noch nie. Auch die 303 Gelben Karten bedeuteten schon vor dem Endspiel Negativ-Rekord.
Der deutsche WM-Schiedsrichter Markus Merk, der bei seinem letzten großen Turnier drei Vorrundenspiele leitete, sieht die Ursachen dafür vor allem in der Verschärfung der FIFA-Vorgaben an die Referees. Das war schwierig umzusetzen. In erster Linie ist immer die Persönlichkeit der Schiedsrichter gefragt, sagte Merk.
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