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Regierung: Deutschland selten so positives Image | 2006-07-09


Berlin - Die Fußball-WM hat nach Auffassung von Spitzenpolitikern das Ansehen Deutschlands in der Welt erheblich gesteigert. Zugleich werteten sie den unbefangenen Umgang der Deutschen mit nationalen Symbolen als Schritt in die Normalität.

So sagte Bundespräsident Horst Köhler nach dem Spiel um Platz 3 Deutschland-Portugal (3:1) in Stuttgart: Auch von draußen sieht man Deutschland jetzt in einem neuen Licht. Das Publikum hat uns gezeigt, was guter Patriotismus ist.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verbuchte die gute Stimmung nach der Halbfinal-Niederlage gegen Italien (0:2) als eigentlichen Gewinn - dass sich die Deutschen auch freuen können, wenn wir nicht Erster werden. Das Deutschland-Bild habe sich verändert: Die Ausländer haben uns nicht zugetraut, dass wir länger als eine Stunde fröhlich sein können, sagte Merkel in Stuttgart.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) würdigte die WM als großes Fest der Völkerfreundschaft mit nachhaltiger Wirkung für das Bild Deutschlands im Ausland. Er sagte dem Hörfunkdienst dpa/RUFA, Deutschland werde im Vergleich zu früher als sympathischer und humorvoller empfunden.

So ein positives Image hat unser Land selten gehabt, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) der Bild am Sonntag. Befangenheit im Umgang mit Fahne und Hymne empfinden vielleicht Funktionäre der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die normalen Menschen aber schon lange nicht mehr. Es handele sich um die selbstverständliche Identifizierung mit dem eigenen Land.

Nach Meinung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, hat die WM die Menschen in Deutschland endgültig zu einem Volk vereint. Die schwarz-rot- goldenen Fahnen belegen es: Die Einheit unseres Landes, das große Geschenk vor 16 Jahren, ist in den Herzen der Menschen angekommen, sagte Huber laut einem vorab veröffentlichten Redemanuskript in einem Rundfunkgottesdienst am Sonntag in Berlin.

Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) sagte dem Magazin Der Spiegel: Wir erleben in diesen WM-Tagen einen neuen Patriotismus. Er ist multikulturell, weltoffen und trägt ein starkes Woodstock-Element in sich.

Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass bezeichnete es als ein wunderbares Nebenprodukt der Fußball-WM, dass die Deutschen auf eine sehr einfallsreiche Art und Weise Flagge gezeigt haben. Die Fröhlichkeit, mit der Hunderttausende Menschen die schwarz-rot- goldene Fahne schwenkten, sei unverkrampft gewesen, sagte Grass der Süddeutschen Zeitung.

Der Kabarettist Dieter Hildebrandt sagte dem Tagesspiegel am Sonntag, er wünsche sich nun, dass die Fahnen erst zur Fußball- Europameisterschaft 2008 wieder herausgeholt werden.

Der britische Premierminister Tony Blair sprach von einem völlig neuen Deutschlandbild auf der Insel. Er schrieb in der Bild am Sonntag: Die abgestandenen Klischees von früher werden durch ein neues, positives und viel zutreffenderes Bild Deutschlands abgelöst.


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