München - Mit seinem 500. Bundesliga-Spiel startet Oliver Kahn in eine ganz besondere Saison. Nach dem Rücktritt als Fußball-Nationaltorhüter kann sich der 37-Jährige erstmals seit Jahren wieder voll und ganz auf seinen FC Bayern München konzentrieren.
Dieser ewige Druck, die Nummer 1 sein zu müssen, fällt jetzt weg. Das beflügelt mich und ich merke, dass ich sehr viel Lust auf Fußball und Training habe, gestand der 86-malige Nationalspieler in der Vorbereitung auf die neue Saison. Die große Vorfreude wurde aber getrübt durch viel Kritik am FC Bayern und ein ärgerliches Gegentor beim 0:2 im Ligapokalfinale gegen Bremen.
Als elfter Spieler übertrifft der Bayern-Kapitän voraussichtlich gegen Borussia Dortmund die magische 500er Marke, Spitzenreiter ist Karl-Heinz Charly Körbel mit 602 Einsätzen. Bei seinem Bundesliga- Debüt am 27. November 1987 für den Karlsruher SC musste der gebürtige Karlsruher Kahn beim 0:4 in Köln gleich vier Mal hinter sich greifen, doch es war der Auftakt zu einer der erfolgreichsten Karrieren: Vize- Weltmeister 2002, Europameister 1996, Weltpokal- und Champions-League-Sieger 2001, siebenmaliger deutscher Meister, fünfmaliger DFB- Pokal-Sieger.
Auch in dieser Saison will der dreimalige Welttorhüter, der seit 1994 bei den Bayern spielt und einen Vertrag bis 2008 hat, wieder Titel gewinnen. Doch seit seinem Auftritt bei der Heim- Weltmeisterschaft ist vieles anders. Kahn hat eine neue Gelassenheit entdeckt. Der lange als verbissener Überehrgeizling eingestufte Keeper sammelte unglaublich viele Sympathiepunkte in Fußball- Deutschland - auch in der Bundesliga dürfte das spürbar sein.
Vor vier Jahren bei der Vize-WM in Asien feierten die Fans noch die sportliche Leistung des Titans, bei der Heim-WM staunten sie über die menschliche Größe des Ausnahmetorwarts. Als ausgebootete Nummer 1 fügte er sich nicht nur klaglos in seine Rolle, sondern avancierte mit einer innigen Geste an Rivale Jens Lehmann gar zum Torhüter der Herzen. Den Lohn für so viel Selbstbeherrschung strich der 37-Jährige auch ein: Beim Spiel um Platz drei feierte er eine rauschende und rührende Abschiedsparty von der Länderspiel-Bühne.
Es war ein wunderbares Spiel. Ein besseres letztes Länderspiel kann man gar nicht bekommen, gestand Kahn über den sehr emotionalen Moment beim 3:1 gegen Portugal - ein versöhnlicher Abschluss unter eine persönliche WM-Tour der Leiden. Es war in den vergangenen zwei Jahren nicht einfach, das ist jetzt weg. Ich bin überzeugt, dass ich jetzt noch einen Tick besser werde als in den vergangenen zwei Jahren. Denn es macht einfach wieder Spaß. Abgehakt ist das lästige Fernduell mit Lehmann, weswegen Kahn zeitweise sehr verkrampft agierte.
Mit neuer Freude, aber nicht weniger Engagement bereitet sich Kahn auf die Saison vor. Es ist wahnsinnig anstrengend, jedes Mal in so kurzer Zeit in Topform zu kommen, sagte der zweimalige Fußballer des Jahres, der als Führungsspieler vor allem die jungen WM-Helden im Team auf dem Teppich halten muss. Man hat das Selbstvertrauen, aber wir müssen auch auf die jungen Spieler aufpassen, dass sie nicht abheben. Das war ein einmaliges Event, das jetzt vorbei ist.
Saisons nach Weltmeisterschaften sind für Mannschaften, die viele Nationalspieler haben, immer gefährlich und schwierig, warnte Kahn, der die Titel in Meisterschaft und DFB-Pokal verteidigen will und trotz neuer Lockerheit weiter emsig einen großen sportlichen Traum verfolgt: Noch einmal möchte er die Champions League gewinnen.
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