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Liga-Alltag statt WM-Euphorie - Peters: Kaum Neues | 2006-08-08


Berlin - Das selbst auferlegte Schweigen will der neue Fußball-Bundestrainer Joachim Löw erst am 13. August beenden - die Rolle des Aufrüttlers übernimmt einen Monat nach der großen WM-Euphorie zunächst Noch-Hockey-Chef Bernhard Peters.

Der vom Verbands-Präsidium abgelehnte Wunschkandidat von Ex-Chef Jürgen Klinsmann für die Position des DFB-Sportdirektors sieht in der Bundesliga nach der Pilotfunktion der Klinsmannschen WM-Mission erst ein zaghaftes Umdenken zu neuen Trainingsmethoden und Maßnahmen.

Viele Vereine sagen, sie wollen sich für neue Ideen öffnen und gezielter trainieren - in Wahrheit passiert aber nur wenig, sagte Peters in der Berliner Zeitung. Die wollen nur ihre Ruhe haben, weil sie ständig gefragt werden, ergänzte der zukünftige Sportdirektor des Fußball-Drittligisten TSG Hoffenheim. Peters sieht die Liga erst am Anfang eines möglichen neuen Kurses: Der Prozess des Umdenkens ist eingeleitet - wenn auch vielleicht noch nicht in dem Maße, wie viele jetzt behaupten.

Klinsmann-Nachfolger Löw hat in den vergangenen Wochen die Entwicklungen in den Clubs und die Lobpreisungen der Manager ohne öffentliche Kommentare verfolgt, wollte sich ganz auf seine ersten Aufgaben und Entscheidungen konzentrieren. Für den Tag vor dem Bundesliga-Auftakt zwischen Bayern München und Borussia Dortmund hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Nominierung des Aufgebots für das Länderspiel am 16. August in Gelsenkirchen gegen Schweden angekündigt - Löw wird seine rund 20 Wunschspieler schriftlich benennen.

Überraschungen sind bei der ersten Kader-Zusammensetzung nicht auszuschließen. Zwar hat von den 23 WM-Spielern, die mit ihren mutigen Auftritten bis hin zu Platz drei ganz Deutschland in einen Ausnahmezustand versetzt hatten, nur Bayern-Torwart Oliver Kahn seinen Rücktritt aus der Nationalelf bekannt gegeben. Doch der Neu-Bremer Per Mertesacker steht nach Fersen-Operation noch nicht zur Verfügung, der Gesundheits-Zustand von Robert Huth (Sprunggelenk) ist unklar. Dazu plagten sich zuletzt in der Vorbereitung auch Tim Borowski, Gerald Asamoah und Christoph Metzelder mit Problemchen herum. Vor allem für die zentrale Abwehr muss sich der neue Bundestrainer in der Neuauflage des WM-Achtelfinals gegen Schweden etwas einfallen lassen, zumal Jens Nowotny nach der WM nur noch als Notlösung gilt.

So könnte Löw ganz in der Tradition seines einstigen Chefs Klinsmann durchaus schon für sein ersten Spiel als Bundestrainer einen Neuling wie Manuel Friedrich (Mainz), Stefan Kießling (Leverkusen), Eugen Polanski (Mönchengladbach) oder Piotr Trochowski (HSV) benennen. Und der im WM-Aufgebot nicht berücksichtigte Patrick Owomoyela (Bremen) hofft auf eine neue Chance. Der Kader wird sich am Schlusstag des ersten Bundesliga-Wochenendes in Berlin treffen, wo das Team von Bundespräsident Horst Köhler einen Tag später für den WM-Erfolg mit dem Silbernen Lorbeerblatt geehrt wird. Dann will sich auch Löw öffentlich wieder äußern.

Für Peters ist Löw die Idealbesetzung als neuer Hauptvertreter der modernen, offensiven Philosophie, die auch unter dem 46-jährigen Freiburger weiter voran getrieben werden soll. Er arbeitet im Sinne von Jürgen Klinsmann weiter, betonte der nach der WM im Oktober scheidende Hockey-Bundestrainer, der von der Liga weitere positive Reaktionen erwartet: Modern ist, was erfolgreich ist. Wer intelligent ist, reagiert spätestens jetzt.

Der Trainingsprozess in der Bundesliga sei bei weitem noch nicht - wie von der Nationalelf vorgemacht - genügend individualisiert. Diese Einzeldiagnostik macht Mühe und Arbeit, weshalb sie viele Trainer scheuen, sagte Peters, der sich weiter eine Rolle beim DFB vorstellen kann. Einige Gespräche mit Teammanager Oliver Bierhoff und auch Sportdirektor Matthias Sammer habe es bereits gegeben, verriet er: Jetzt warte ich darauf, dass es konkreter wird.


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