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Mario Zagallo zum 75. auf Jobsuche | 2006-08-09


Rio de Janeiro - Fußball-Legende Mario Jorge Lobo Zagallo ist an seinem 75. Geburtstag nicht nach Feiern zumute. Er ist rastlos und braucht etwas zu tun.

Denn erst kurz vor seinem Geburtstag bekam der Mann, der als einziger Fußballer neben Franz Beckenbauer als Spieler und Trainer Weltmeister wurde, das Kündigungsschreiben durch den brasilianischen Fußball-Verband CBF. Seitdem klagt Zagallo: Ich weiß nicht, wie man ohne Arbeit und ohne Fußball lebt. Ich kann das nicht. Was soll ich denn jetzt nach dem Aufstehen tun?

Ironie des Schicksals: Der blaue Brief flatterte genau 13 Tage vor seinem Geburtstag am 9. August ein. Dabei war die 13 für den abergläubischen Mann immer eine Glückszahl. Fast 50 Jahre war Zagallo das Symbol der Seleçao. Ob als Spieler, Trainer oder zuletzt als Technischer Direktor: In den vergangenen fünf Jahrzehnten war der stets energisch, kämpferisch, oft aber auch nervös und immer mit einer witzigen Bemerkung auf den Lippen auftretende Mann dem CBF bis auf kurze Unterbrechungen immer verbunden.

Mit der Rente kann sich Zagallo, der mit Frau Alcina vier Kinder hat, nicht abfinden. Ich warte auf Angebote, habe Fußball im Blut und gebe nie auf. Er sei bereit, wieder als Coach zu arbeiten. Die Trainerjacke hatte er 2002 nach einem Freundschaftsspiel zwischen Brasilien und Südkorea an den Nagel gehängt. Medienberichte, wonach es mit seiner Gesundheit nach der Zwölffingerdarm-Operation im Vorjahr nicht zum Besten stehe, weist Zagallo nun strikt zurück: Ich bin in der Lage, noch jahrelang zu arbeiten, stellt er klar.

Zagallos Karriere wurde ebenso von Anerkennung wie von Polemik begleitet. 1997 wurde er in Deutschland zum besten Trainer der Fußball-Geschichte gewählt. Er ist ein Genie. Im Fußball gibt es keine Geheimnisse für ihn, sagt einer, der es wissen muss - der frühere brasilianische Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira. Er gewann neben Chefcoach Zagallo 1970 in Mexiko und dann 1994 als Trainer mit dem Technischen Direktor Zagallo zwei WM-Titel. Und mit Zagallo erlitt er auch Schiffbruch - bei der WM 2006 in Deutschland.

Als technisch guter und wendiger Linksaußen hatte Zagallo 1948 bei America Rio seine Karriere begonnen. 1958 und 1962 trug er auf dem Platz zu den ersten beiden WM-Titeln der Südamerikaner bei. In 36 Länderspielen schoss er 5 Tore. Die Spielerkarriere beendete er 1963. Schon vier Jahre später führte er bei seinem Trainer-Debüt Botafogo zum damals sehr wichtigen Titel des Meisters des Landes Rio.

Kritiker meinen, Zagallo sei im modernen Fußball unbrauchbar, weil er sich kaum um Strategie und um die Spielweise der Gegner kümmere. Journalisten mögen ihn nicht unbedingt, weil er sie bei unbequemen Fragen forsch anfährt. Er ist aber auch zu Hause so, er verstellt sich in der Öffentlichkeit nicht, sagt Tochter Cristina.

Unvergessen sind die Schattenseiten seiner Karriere. 1970 soll er den Nationalcoachposten nur seiner Nähe zur damaligen Militärdiktatur verdankt haben, nachdem Regime-Gegner Joao Saldanha geschasst worden war. Und erst vor wenigen Jahren konnte er nur mehr schlecht denn recht rechtfertigen, warum sich nach einem Spiel im arabischen Raum auf einem seiner Konten 500 000 Dollar befanden. Es ist die Honorar-Zahlung für ein Interview mit einer arabischen Zeitung, sagte er damals. Medien beschuldigten ihn zusammen mit dem CBF der Geldwäsche.

Die sportlichen Zahlen sprechen aber für Zagallo. Seit 1957 war er als Spieler oder als Mitglied des Trainerstabs bei 287 Partien der brasilianischen Auswahl dabei. Nur 26 dieser Spiele gingen verloren.

Zagallo blickt dieser Tage aber nicht zurück, sondern plant für die Zukunft. Seine Tennis-Spiele mit Freunden (Für mein Alter spiele ich ganz gut) oder die Besuche der vielen Enkelkinder füllen ihn nicht aus. Angesprochen wurde die Möglichkeit, dass er als Werbefigur für die Kandidatur Brasiliens um die WM 2014 agiert. Ich lebe auf jeden Fall noch. Schreibt das, forderte er Journalisten auf.


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