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Rummenigge: Alle gefordert, mutig zu agieren | 2006-08-09


München - Karl-Heinz Rummenigge hofft, dass die Fußball-Bundesliga von der WM profitieren kann. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur spricht der Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München über Lehren und Konsequenzen.

dpa: Herr Rummenigge, welchen Effekt können wir von der Fußball-WM in der neuen Bundesliga-Saison erwarten?

Rummenigge: Ich hoffe, dass wir die Atmosphäre und die Euphorie mitnehmen können. Wenn alle helfen, schaffen wir es. Emotionen entwickeln sich natürlich bei spannenden und guten Spielen. Da sind alle gefordert, mutig zu agieren.

dpa: Jürgen Klinsmann hat aus scheinbar mittelmäßigen Spielern ein großartiges Team gebastelt. Gibt das Hoffnung auf mehr deutsche Spieler in der Bundesliga?

Rummenigge: Gute deutsche Talente haben sich immer gegen durchschnittliche Ausländer durchgesetzt. Aber ich bin überzeugt, dass man künftig mehr deutsche Spieler sehen wird. Die positive Nachwuchsarbeit der Clubs mit Fußball-Internaten zahlt sich aus.

dpa: Die Fans haben den Stil der Nationalelf begeistert aufgenommen: Offensive und Mut....

Rummenigge: Wir sollten nicht nur taktieren, sondern von dem guten Beispiel des Klinsmannschen Stils mit Mut zur Offensive und zum Risiko lernen. Die Trainer haben gesehen, was das bewirken kann.

dpa: Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger haben die WM als Bühne genutzt. Fehlte unseren Trainern bisher Mut oder Durchblick, auf heimische Talente zu setzen?

Rummenigge: Nein. Ich bin ein Freund des Wettbewerbs. Dem müssen sich auch junge deutsche Spieler stellen. Und wie man sieht, ist es möglich zu bestehen. Lahm, Schweinsteiger und andere zeigen es.

dpa: Wie sieht der FC Bayern ohne Ballack künftig aus?

Rummenigge: Es ist zu früh, das zu beurteilen. Der Trainer sucht noch nach der optimalen Formation. Es ist eine Lücke entstanden. Wir werden Geduld haben müssen, zumal den bei der WM eingesetzten Spielern noch die Fitness fehlt.

dpa: Trainer Felix Magath deutet an, ohne Ballack würde der FC Bayern womöglich sogar schöneren Fußball spielen.

Rummenigge: Gut. Michael war ein wichtiger Spieler, der wichtige Tore erzielt hat. Wir werden seine Rolle nicht nur durch einen Spieler kompensieren müssen. Er war nicht die klassische Nr. 10, die als Regisseur das Spiel deutlich prägt.

dpa: Die meisten Bundesliga-Trainer tippen den FC Bayern als neuen Meister. Einfallslos oder wahre Experten?

Rummenigge: Das wird sich zeigen. Wir werden beweisen müssen, ob wir der große Favorit sind. Am Anfang wird es gewisse Probleme geben. Aber im Herbst werden wir den wahren FC Bayern sehen.

dpa: Ruud van Nistelrooy ging zu Real Madrid und nicht zum FC Bayern. Haben Sie ihn nicht wirklich gewollt?

Rummenigge: Wir hätten ihn schon gerne geholt. Und er hätte Bayern und der gesamten Liga gut getan. In dem Bereich zeigt die Bundesliga Nachholbedarf. Wir verkaufen hier manchmal Leute als Stars, die gar keine sind.

dpa: Hernan Crespo wechselte ablösefrei zu Inter Mailand. Wäre das nicht der gewünschte Star für Sie gewesen?

Rummenigge: Ich muss offen und ehrlich sagen, wir konzentrieren uns auf Spieler, die auch vom Charakter zu uns passen. Bei van Nistelrooy wäre das der Fall gewesen. Wir gehen einen Transfer nur dann ernsthaft an, wenn wir überzeugt sind.

dpa: Ist der ständige Ruf nach ausländischen Stars nicht angesichts neuer deutsche Helden bei der WM ohnehin überholt?

Rummenigge: Die große Euphorie entstand doch deshalb, weil die WM bei uns im eigenen Land stattfand. Wenn wir im Ausland spielen, merken wir schon, dass die großen Stars in Italien, England oder Spanien spielen. Doch die WM hat gezeigt, es gibt hochinteressante deutsche Spieler in der Bundesliga.

dpa: Im Bezahl-Fernsehen spielt Premiere nur noch eine Statistenrolle. Ist der Anbieter Arena in der Lage, auch Top-Qualität zu liefern?

Rummenigge: Das hoffen wir. Denn uns ist klar, die Darstellung des Fußballs im Fernsehen ist nicht unwichtig. Doch die Plattform hat sich noch erweitert durch die Telekom und Internet-TV. Und die Erlöse konnten um 40 Prozent erhöht werden. Wir wünschen Arena viel Glück.

dpa: Sehen Sie im Internet die Übertragungsform der Zukunft?

Rummenigge: Ich bin überzeugt, das IP-TV ist die Zukunft im Pay-TV. Es wird dramatisch dazu gewinnen, eine medien-technische Revolution.

dpa: Sie halten den Ligapokal in jetziger Form für überholt. Wie würden Sie ihn gestalten?

Rummenigge: Der Wettbewerb ist beim Publikum nicht angekommen. Wir müssen in wertiger und interessanter für den Fan machen. Deshalb geht der DFL-Vorschlag in die richtige Richtung, für den Sieger womöglich einen UEFA-Cup-Platz auszuloben.


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