Dresden - Einem der größten deutschen privaten Sportwettenanbieter droht das Aus - und dem deutschen Sport ein riesiges Finanzloch.
Nachdem Sachsens Innenministerium den Unternehmen betandwin e.K. mit Sitz im sächsischen Neugersdorf und bwin.com Interactive Entertainment AG in Wien am 10. August ihre Tätigkeit im Freistaat mit sofortiger Wirkung untersagte, kündigen die betroffenen Firmen millionenschwere Schadensersatzklagen an. Das Verbot für insgesamt 53 private Wettanbieter, das jedoch nicht gleichbedeutend mit einem Konzessionsentzug ist, hat nach Ansicht der Behörde Signalwirkung für andere Bundesländer und traf bei Verbänden und Vereinen bundesweit auf harsche Kritik.
Die sächsische Entscheidung folgt einem Beschluss der Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder. Die entscheidende Frage bleibt, ob die Umsetzung des Beschlusses der Konferenz verfassungskonform und europarechtlich einwandfrei ist, sagte Wilfried Straub, Wettbeauftragter beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL).
Was im Moment in Deutschland passiert, ist beispiellos. Das ist eine Treibjagd gegen Wettanbieter, sagte Werder Bremens Marketing-Chef Manfred Müller. Werder stehe in guten und in schlechten Zeiten zu seinem Partner betandwin und werde alles unternehmen, was möglich ist, um den Vertrag zu erfüllen. betandwin ist ab dieser Saison Sponsor der Bremer und mit dem Markennamen bwin.de auf den Trikots zu sehen. Werder soll rund sechs Millionen Euro im Jahr kassieren.
Außerdem wirbt betandwin auf den Trikots des Zweitligisten TSV 1860 München mit der Aufschrift we win!. Weitere Clubs aus der 1. und 2. Bundesliga werden von dem Wettanbieter unterstützt. Zudem ist das Unternehmen Hauptsponsor des Ligapokals.
Heftige Kritik an der Entscheidung des sächsischen Innenministeriums übte die Handball-Bundesliga (HBL), die mit betandwin einen Sponsoring-Vertrag über drei Spielzeiten hat. Die Doppelzüngigkeit der Politik ist unerträglich. Der Wettbewerb wird zu Gunsten eines staatlichen Anbieters entschieden. Wenn der Vertrag aufgelöst werden müsste, würde der Liga ein sechsstelliger Betrag verloren gehen. Das sind Mittel, die für die Nachwuchsarbeit eingesetzt werden, erklärte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann.
Mit dem Vorgehen des Freistaates, der seine Entscheidung mit dem Schutz des staatlichen Wettmonopols und damit des Anbieters Oddset begründete, droht einer der größten finanziellen Unterstützer des deutschen Sports auszufallen.
Bereits in diesem Jahr hat mein Unternehmen mit einem Marketingbudget von 56 Millionen Euro, von dem der Großteil für Sponsoringaktivitäten rund um den Spitzen- und Breitensport entfallen ist, wesentlich mehr Mittel in den Sport investiert als Oddset, die lediglich 17 Millionen Euro an den Deutschen Sportbund als Sportförderung entrichteten, sagte Firmeninhaber Steffen Pfennigwerth, der mit einer Schadensersatzklage in Höhe von 500 Millionen Euro droht. Das Unternehmen wolle sich gegen die beispiellose Wettbewerbsverhinderung wehren.
Oddset wies diese Darstellung zurück. Oddset zahle für Gemeinwohlzwecke, insbesondere für die Sportförderung, allein aus Lotteriesteuer und Konzessionsabgabe deutlich über 100 Millionen Euro pro Jahr. Zudem würden 530 Millionen Euro durch die auf Lotterien und Sportwetten gezahlte Zweckabgabe direkt der Sportförderung zur Verfügung gestellt. Diese direkte Förderung sei in keinster Weise vergleichbar mit den von bwin angeführten Marketinggeldern, mit denen immer eine Gegenleistung für Empfänger verbunden sei.
Betroffen reagierten auch die Vereine der Fußball-Ligen. Es herrscht eine kolossale Verwirrung, das ist nicht konstruktiv, sagte Josef Schneck, Pressesprecher von Borussia Dortmund. Manager Andreas Bornemann vom Zweitligisten SC Freiburg erklärte: Wir stehen im Austausch mit betandwin, der DFL und den anderen betroffenen Vereinen. Wir hoffen, dass es von der DFL noch Infos bis zum Spieltag gibt. Auch die Basketball-Bundesliga fürchtet Verluste. Ein Verbot von bwin würde uns schon sehr treffen, sagte Sprecher Dirk Kaiser.
Das Bundesverfassungsgericht hatte im März das staatliche Monopol auf Oddset-Sportwetten für zulässig erklärt, aber an strenge Vorgaben zur Eindämmung der Spielsucht geknüpft. Das Gericht gewährte dem Gesetzgeber eine Übergangsfrist bis Ende 2007. Seither gehen die Bundesländer gegen private Wettbüros vor. Der Lotteriestaatsvertrag sehe ein staatliches Monopol vor, das auf diesem Weg durchgesetzt werde, sagte Sachsens Innenstaatssekretär Jürgen Staupe. Sollte betandwin die Geschäfte nicht ruhen lassen, droht ein Zwangsgeld von 25 000 Euro sowie juristische Maßnahmen.
Die seit 1990 für betandwin geltende DDR-Genehmigung sei ungültig, begründete Staupe den Schritt gegen den großen Sportwettenanbieter, der im Vorjahr weltweit 1,14 Milliarden Euro umsetzte. Es habe sich um eine Präsenzwettgenehmigung für ein Büro in Neugersdorf gehandelt. Andere Aktivitäten lässt die Lizenz nicht zu, betonte Staupe. Gegen einen Lizenznehmer in Berlin werde laut Staupe ähnlich vorgegangen. Allerdings existieren offenbar unterschiedliche Rechtsauffassungen zu dem Thema.
Gegen betandwin und bwin wurde vom Regierungspräsidium Chemnitz ein so genannter Sofortvollzug erlassen. Ein möglicher Widerspruch und eine Klage dagegen haben dann keine aufschiebende Wirkung, erklärte Staupe. Ein Gang vor das Verwaltungsgericht könnte diese aufschiebende Wirkung aber wieder herstellen.
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