Budapest - Rafael van der Vaart zieht alle Register, doch der Hamburger SV sitzt am längeren Hebel. Nach massivem Druck durch den Niederländer und seinen Spielerberater Sören Lerby schaltete HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer die FIFA und die DFL ein.
Er schickte einen Brief an den werbenden Club FC Valencia, in dem er anmahnte, die Bemühungen unverzüglich einzustellen, da der Spieler definitiv nicht zum Verkauf stehe. Kopien dieses Briefes wurden an die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und den Weltverband FIFA gesandt, die sich bei weiteren Verstößen einschalten könnten.
Laut FIFA-Statuten darf weder ein Konkurrenz-Club noch ein Spielerberater einen Profi zur Auflösung seines Vertrages bewegen. HSV-Sprecher Jörn Wolf bestätigte in Budapest einen Bericht des Hamburger Abendblatts. Sollte Lerby oder Valencia nachgewiesen werden, dass sie van der Vaart aufgefordert haben, seinen Verkauf zu forcieren, droht Lerby seine Vermittler-Lizenz zu verlieren. Valencia drohten hohe Geldstrafen. Lerby hatte zusammen mit van der Vaarts Vater noch am Rande des UEFA-Cup-Spiels bei Honved Budapest (0:0) Beiersdorfer zu überreden versucht, aber eine deutliche Abfuhr erhalten.
Der 24-Jährige van der Vaart, der trotz seiner angeblichen Rückenschmerzen ins Aufgebot der niederländischen Nationalmannschaft für das Länderspiel in der Schweiz berufen wurde, wollte keinen Kommentar abgeben. Ob er in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen auflaufen wird, ist unklar.
Trainer Huub Stevens nahm seinen Spieler derweil gegen alle Verdächtigungen in Schutz: Rafael war und ist verletzt. Er hat den HSV noch nie im Stich gelassen und wird das auch nicht tun, wenn er wieder fit ist, sagte Stevens nach dem Mannschafts-Training, an dem van der Vaart wieder nicht teilnahm. Er absolvierte stattdessen eine Einheit auf dem Laufband. Es gehe ihm etwas besser als an den Vortagen, sagte Stevens. Er hat mir gesagt: Wenn er wieder fit ist, gibt er hundert Prozent für den Verein.
Die Fronten sind völlig verhärtet, sagte allerdings der HSV-Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker. Und HSV-Idol Uwe Seeler warnte davor, dem Wunsch des Kapitäns zu entsprechen: Es wird gefährlich, wenn solche Methoden greifen.
Die Lokalpresse in Valencia berichtet, dass van der Vaart bereits nach einem Haus in der ostspanischen Hafenstadt suche. Seinem Freund Shota Arveladze, der in Valencia beim Lokalrivalen UD Levante unter Vertrag steht, habe der HSV-Kapitän gesagt: Such mir eine Bleibe, ganz bei Dir in der Nähe. Beide Fußballer hatten 2000/01 für Ajax Amsterdam gespielt. Der HSV lehne weiterhin jeden Kontakt mit dem FC Valencia ab, berichteten die Zeitungen Las Provincias und Levante.
Der Partner von Lerby, Bayram Tutumlu, sagte der Presse in Valencia: Die Sache ist keine Frage des Geldes. Was der HSV verlangen wird, dürfte von der Offerte des FC Valencia nicht sehr weit entfernt sein. Laut Las Provincias will der FC Valencia, der bisher 14 Millionen Euro Ablöse bot, dem HSV-Kapitän einen Fünfjahresvertrag mit einem Nettoeinkommen von 1,8 Millionen Euro im Jahr geben.
Das schlechte Qualifikationsspiel geriet angesichts des Wechseltheaters zur Nebensache. Die 700 mitgereisten Anhänger skandierten: Van der Vaart, Hochverrat! Trainer Stevens bekam in der Pressekonferenz nach der Partie einen Wutanfall, als er auf seinen Regisseur angesprochen wurde und wollte keine Frage nach ihm beantworten.
Verteidiger Bastian Reinhardt gab zu, dass die Konzentration fehlte: Natürlich hat der Wirbel um Rafael gestört. Aber wir versuchen, uns davon nicht beeinflussen zu lassen. Van der Vaart sei schwer zu ersetzen, wir brauchen ihn ganz dringend, aber mit hundert Prozent Konzentration auf den HSV. Vincent Kompany sah die Angelegenheit realistisch: Rafael ist immer ein Pluspunkt, aber der HSV hat hundert Jahre ohne ihn gespielt und wird es weitere hundert Jahre auch noch tun.
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